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Winsen Der Niedergang der Winser FDP
Celler Land Winsen Der Niedergang der Winser FDP
17:03 11.11.2010
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Was bislang Spekulation war, ist jetzt bestätigt: Auch Adelheid Redeker ist nicht mehr Mitglied der FDP. Damit sitzt kein Liberaler mehr im Winser Gemeinderat, da wie berichtet auch Albrecht Hoppenstedt und Detlef Jeßnitz die Partei verlassen haben.

Wenn man es böse formulieren will, ist die Winser FDP voll im Bundestrend. Noch vor gut einem Jahr hatte Kreischef Ralf Überheim in Papenhorst euphorisch über ein „bombastisches Ergebnis“ bei der Bundestagswahl gejubelt. Inzwischen muss er froh sein, wenn die FDP in Winsen überhaupt weiterexistiert. Denn die Partei hat in der Gemeinde, immerhin eine der größten im Kreis Celle, gerade mal noch sechs Mitglieder. Zum Vergleich: Die Grünen im Celler Westkreis haben rund 25 Mitglieder. Erst dieser Tage kamen neue hinzu, wie die Winser Bürgermeisterkandidatin Gertrud Truffel sagte – auch das ist Bundestrend.

Das Zepter in die Hand nehmen will in Winsen jetzt Benjamin Völtz, der aber noch längst kein politisches Schwergewicht ist. Der 24-Jährige, vor zwei Jahren zum Mister Winsen gekürt, will sich am 1. Dezember für die Nachfolge des Winser Parteichefs Albrecht Hoppenstedt wählen lassen. „Wir wollen mit frischen Kräften durchstarten“, übt sich Völtz in Zweckoptmismus. Er arbeitet im Sozialamt des Landkreises Celle.

„Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“, kommentierte das Winser Grünen-Urgestein Julius H. Krizsan den Niedergang des politischen Konkurrenten. So ganz überraschend kommt für ihn der Parteiaustritt von Hoppenstedt aber nicht. „Ich habe nie verstanden, dass dieser ökologische Landwirt bei der FDP ist und sich bei dem neoliberalen Haufen wohlfühlt“, sagte Krizsan und dürfte damit nicht ganz falsch liegen. Denn bei den großen Themen im Westkreis – Wietzer Schlachthof und Wasserentnahme, Waller Biogasanlage sowie Schulpolitik – hat Hoppenstedt in den vergangenen Monaten ziemlich grüne Positionen vertreten.

Er selbst räumte ein, dass die Schnittmenge mit den Grünen ziemlich groß sei. Dennoch werde er zunächst als Parteiloser weitermachen, wie auch seine früheren FDP-Mitstreiter Jeßnitz und Redeker. Alle drei wollen ihr Mandat im Rat behalten und eine Fraktion bilden. Wie das Kind künftig genannt wird, ist noch nicht entschieden.

Für Verägerung hat die Austrittswelle bei der FDP-Kreistagsfraktion geführt. Von dem Parteiaustritt Hoppenstedts habe man aus der Presse erfahren, kritisierte Fraktionschef Edmund Riggers. Mit dem Waller habe es seit August keinen Kontakt mehr gegeben. Dazu passt, dass die CDU-FDP-Gruppe den Querdenker zuletzt geschnitten haben soll, wie Insider berichten. So soll Hoppenstedt zu einer gemeinsamen Sitzung der beiden Fraktionen keine Einladung erhalten haben.

Es sind trübe Zeiten für die FDP.