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Winsen Dirk Burghardi in Winsen durchgefallen
Celler Land Winsen Dirk Burghardi in Winsen durchgefallen
17:18 21.06.2017
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Während er selbst das Resultat mit Fassung trug, reagierte Bürgermeister Dirk Oelmann nach der gescheiterten Wahl emotional und impulsiv. „Ich bin schockiert und fassungslos über das Ergebnis. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ein verdienter Mitarbeiter mit so einem Ergebnis hier rausgeht“, sagte er vor dem Gremium, ehe kurzfristig die Sitzung unterbrochen wurde.

E-Mail um 4.54 Uhrverschickt

In einer E-Mail an seine Mitarbeiter, die er um 4.54 Uhr am Mittwochmorgen verschickte, legte Oelmann nach. „Ich bin zutiefst erschüttert und auch beschämt, dass Kollegen aus dem Gremium Rat zu so einer ungeheuerlichen und menschenverachtenden Tat fähig sind, einzig und allein, um mir zu schaden. In der Person von Herrn Burghardi kann diese Nichtwahl nicht begründet sein, denn zu keiner Zeit hat in irgendeinem Gremium oder in meiner Gegenwart ein Politiker dieser Gemeinde ein schlechtes Wort über Herrn Burghardi verloren“, schrieb der Bürgermeister. Außerdem stand kein anderer Kandidat zur Verfügung.

Die Wahl des Ersten Gemeinderates, also der Nummer zwei im Rathaus, war Tagesordnungspunkt 18 einer ansonsten recht harmonischen Ratssitzung. Nach einem Antrag von Bernd Harding (FDP) wurde geheim abgestimmt. Das Ergebnis lässt den Schluss zu, dass sich die 15 Vertreter von CDU, UWG, FDP und AfD entweder der Stimme enthielten oder mit Nein stimmten. Umgekehrt dürften die 14 Ja-Stimmen auf das Konto von SPD, CDW und Grünen gehen. Ein CDW-Vertreter fehlte.

Für Erstaunen sorgte nach der Sitzungsunterbrechung Susanne Rotermund (AfD). Im Vorfeld soll die AfD signalisiert haben, Burghardi zu wählen. Rotermund selbst sprach im Gemeinderat davon, dass die AfD-Fraktion ihre Meinung bezüglich Burghardi geändert habe. Das begründete sie mit zwei Vorlagen der Verwaltung zu den Themen Grundstückstausch im Gewerbegebiet sowie der Alten Molkerei, die beide auf der Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils der Ratssitzung standen. Was das mit der Wahl zum Ersten Gemeinderat zu tun hat, bleibt das Geheimnis der AfD – zumal Burghardi die Vorlagen gar nicht selbst geschrieben haben soll.

Der Gemeinderat hatte am Dienstag einen Nachfolger für Berthold Walter zu wählen, der offiziell bis Ende 2016 Teil der Verwaltung war. Die CDU hatte auf eine Ausschreibung der Stelle gedrängt, weil sie einen Juristen auf dem Posten des Ersten Gemeinderates sehen wollte, wie es hieß. Allerdings gibt es auch Stimmen, die glauben, dass die Partei einen CDU-Mann als Ersten Gemeinderat durchsetzen wollte, um diesen als Bürgermeister-Kandidaten aufzubauen. In Winsen wird nach Gemeinde-Angaben Ende 2018 wieder ein Bürgermeister gewählt.

Wie es jetzt in Winsen weitergeht, ist offen. Im Rathaus heißt es, dass „die Gemeinde verpflichtet ist, einen Ersten Gemeinderat zu haben“. Denkbar wäre es grundsätzlich, aus dem Pool der Kandidaten, die sich bisher beworben haben, einen auszuwählen. Genauso denkbar wäre eine erneute Ausschreibung.