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Winsen Gelungenes Kabarett im Grooden Hus in Winsen
Celler Land Winsen Gelungenes Kabarett im Grooden Hus in Winsen
22:56 11.09.2016
Weiß, wovon sie redet: die diplomierte Volkswirtin und Kabarettistin Anny Hartmann im Grooden Hus. Quelle: Michael Schäfer
Winsen (Aller)

Von Gedächtnislücken des Fußball-Kaisers Franz und „Ganovenehre“ zwischen Hoeneß und Winterkorn („… auch ein blinder Staat findet mal ein Winter-Korn“) über Briefkastenfirmen und Schleierfinanzierung in Panama bis zur Einrichtung von „Freeports“ zur steuerfreien Luxussammlung und glamourösen „Wer-hat-den-Längsten–Präsentation“: Anny Hartmann legt den Finger drauf und deckt auf, was „die Reichen immer reicher werden lässt“ und den Armen die Luft zum Atmen nimmt.

Ihre Plädoyers führen zum Fazit, dass zwischen Steueroasen und Terrorismusfinanzierung durchaus ein deutlicher Zusammenhang existiert: die Symbiose Geld und Waffen und „wir haben von nix was gewusst“.

Menschenrechte und demokratische Grundfreiheiten sind ein weiteres Anliegen der Kabarettistin. Da steht der Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten – „laut Genfer Konvention nicht einmal im Kriegskampf erlaubt“ – in Deutschland in einer Reihe mit einer Fraternisierung mit einer zunehmend radikalisierten Türkei und einer seltsamen Form von Duldung und Adaption von US-Praktiken, wie den bewaffneten Drohneneinsatz in Kampfgebieten mit deutlichen Zivilbevölkerungsopfern, Guantanamo-Gefangenen und einer „Watchlist“, die gegen Terroristenverfolgung helfen soll, tatsächlich aber Denunziationen Vorschub leistet.

„Es ist echt schwierig mit der Einordnung von Terroristen – eine optische Hilfe: Mann mit Bart – Moslem, Mann mit Bombengürtel – Terrorist, Mann mit Pappnase – Karnevalist“, witzelt Hartmann. Dann wird sie wieder ernst: „Wir Deutschen haben Angst und die wird geschürt“, das mache Objektivität und fundierte Meinungsbildung schwierig. „Und das mit einer linksgerichteten Fehlsichtigkeit im eigenen Land“. So würden aktuell 370 rechtskräftige Haftbefehle gegen Rechtsextremisten nicht vollstreckt – weil sie nicht zu finden seien. „Da muss man sich nach der Effizienz des Verfassungsschutzes fragen.“

Nach der Pause hat Anny Hartmann dann noch einiges zum Thema Flüchtlingspolitik, dem Internationalen Währungsfonds, über Wirtschaftsbündnisse, Handelsabkommen und Steuern zu sagen. Die diplomierte Volkswirtin weiß, wovon sie redet. Eine Herzensangelegenheit in dem Zusammenhang: „Meiner Meinung nach würde die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens viel bewirken“. Und zum Schluss gibt´s noch eine Prise Frauenrecht – von der Frauenquote in Aufsichtsräten bis zu „Weisheiten“ im Zuge des Weltfrauentages und der versöhnlich-heiteren Prognose: Morgen wird´s besser!“

Von Doris Hennies