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Winsen Hauptschul-Gelände entzweit Winser Politiker
Celler Land Winsen Hauptschul-Gelände entzweit Winser Politiker
19:47 02.09.2016
Von Andreas Babel
Winsen (Aller)

Unter den 210 Besuchern waren auch mehr als 20 Flüchtlinge. Deren Stimmabgabe wird das Ergebnis der Probewahl – SPD (33,3 Prozent) vor der CDU (22,0), der WG CDW (12,0), der UWG (14,0), den Grünen (9,4), der FDP (6,0) und der AfD (3,3) – beeinflusst haben. Die Integration dieser Bevölkerungsgruppe bewerteten die sechs Kandidaten auf dem Podium als gelungen und vorbildlich – bis auf Bernd Paul Harding (FDP). Er habe mit Flüchtlingen gesprochen. Die hätten ihm gesagt, dass sie niemand auf der Straße anspreche und dass ihnen langweilig sei. „Die dürfen nicht rumsitzen. Wir müssen ihnen eine Aufgabe geben“, sagte der Liberale. Den größten Applaus des Abends erhielt Ina Boy (SPD), als sie sagte: „Sie sitzen doch mittendrin - sie machen sich Gedanken, wie Demokratie läuft.“

Hauptschul-Gelände: Deutlich wurden die Unterschiede bei der Frage, wie das einstige Hauptschul-Gelände genutzt werden soll. Horst Arndt (UWG) meinte, dass man dort ein Dorfgemeinschaftszentrum entwickeln solle. „Es könnte dort auch ein Gründerzentrum eingerichtet werden, denn wir brauchen Arbeitsplätze in Winsen. Ein unscheinbares Aldi-Gebäude dort hinzusetzen, lehnen wir komplett ab.“ Ina Boy (SPD) ist der Meinung, dass die Gemeinde nur den Haesler-Bau kaufen solle: „Über 5000 Schüler haben dort ihren Abschluss gemacht – da hängen Emotionen dran. Den gesamten Komplex zu kaufen, halten wir für ein Millionengrab.“ Ein Gründerzentrum solle man eher im geplanten Gewerbegebiet errichten, meinte Boy.

Hans-Werner Bersem (Grüne) stellte die Frage, was man denn mit dem Haesler-Bau vorhabe und wie teuer der Erwerb sei. „Es kursieren Zahlen zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Euro.“ Jannik Randolph ist klar dagegen, das gesamte Areal zu kaufen: „Das wäre ein Fass ohne Boden“, sagte der CDW-Mann. Er gab zu bedenken, dass ein Dorfgemeinschaftshaus barrierefrei sein müsse. „Und das wird nicht ganz einfach sein in diesem Bau.“ Der Sportpark habe für die CDW eine viel höhere Priorität. Für den Haesler-Bau stellt er sich ein „Haus der Vereine“ und eine zentrale Begegnungsstätte vor.

Der Liberale Harding brachte eine Nutzung des Geländes mit Wohnungen für Senioren und junge Familien ins Spiel. „Wir wollen keinen Industriebau à la Aldi. Wir sollten lieber einen Investor für vernünftige Wohnformen suchen.“ Christian Peters (CDU) führte aus, wie umfangreich die Gebäude auf dem Areal in den vergangenen zehn Jahren saniert worden sind. Die Häuser seien nicht so marode, „wie erzählt wird oder wo sie hin sollen“. Er möchte eine Nutzung für die VHS dort sichern, dem MTV Fichte Winsen und auch dem Wolthäuser Ortsrat Räume zur Verfügung stellen können. Einen Fahrstuhl einzubauen, das sei heute „nicht mehr die große Aktion“, meinte der Christdemokrat.

Sportpark: Randolph (CDW) meint, dass eine 400-Meter-Bahn definitiv in den geplanten Sportpark gehöre, „um ihn abzurunden“. Er schlug vor, Fördergelder dafür einzuwerben. Arndt (UWG) meinte, er habe sich „massiv“ dafür eingesetzt, dass solch eine Bahn in den Flächennutzungsplan eingezeichnet wird. Er meinte, dass man sich eine solche Bahn leisten könne, wo man jetzt 2,1 Millionen „für einen Verwaltungsneubau verbrät“, den man nicht benötige. Tourismus-Information und Bücherei seien andernorts gut untergebracht und die Kämmerei könne bleiben, wo sie ist.

Der Grüne Bersem machte sich stark für eine Alternative, nämlich für eine Finnbahn, die gelenkschonender und deshalb besser geeignet auch für Senioren sei. Peters (CDU) hob hervor, dass man nur die 300 Meter Differenz zwischen der ohnehin für den Schulsport benötigten 100-Meter-Bahn und dem Laufrund finanzieren müsse. „Wir werden es schaffen, Zuschüsse zu bekommen, um auch die letzten 300 Meter bauen zu können“, sagte Peters. Ina Boy (SPD) ist „froh über die Einigkeit, dass wir einen Platzhalter für die Bahn gesichert haben“. Wenn man eines Tages das Geld dafür habe, sei sie dafür, dass man solch eine Bahn realisiere. Harding (FDP) meinte, dass der Sportpark ohne 400-Meter-Bahn „nicht vorstellbar“ sei.

Ritterspiele: Größere Einigkeit gab es auch in Sachen Ritterspiele. „Selbstverständlich wollen wir, dass an den Ritterspielen festgehalten wird, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler. Eine Belebung für den Tourismus konnte auch nicht festgestellt werden.“ Randolph (CDW) verspricht für die Ritterspiele 2017 „volle Rückendeckung“. Man müsse aber die Kosten senken und versuchen, weitere Sponsoren zu finden. Arndt meinte: „Die UWG befürwortet generell die Ritterspiele, wir wollen aber kein Risiko für die Gemeinde.“ Die Einnahmen sollten der Gemeinde zufließen, den Rest (bis 50.000 Euro) könnten die Ritter behalten.

Bersem (Grüne) steht hinter den Spielen: „Die positiven Auswirkungen sind wirklich immens, aber das Risiko ganz bei der Gemeinde geht nicht.“ Man solle das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Ritterbund abwarten, meinte Boy (SPD), ehe man entscheide. „Wenn es uns gelingt, mehr Einnahmen zu generieren, dann sollten wir die Ritterspiele in Winsen belassen. Es gibt jetzt auch eine Ausfallversicherung für den Hochwasserfall.“

Harding (FDP) sprach sich „ohne wenn und aber“ für die Spiele aus, legte aber den Finger in eine andere Wunde: Bei den höchst defizitären Wirtschaftsbetrieben Allertal (WBA) liege „einiges im Argen“. Das meint übrigens auch Bersem, wenn er an die öffentlichen Grünanalgen denkt: „Der Pflegezustand ist sehr verbesserungswürdig.“