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Winsen Hemme will ins rote Rathaus
Celler Land Winsen Hemme will ins rote Rathaus
16:55 12.11.2010
Von Simon Ziegler
Florian Hemme "auf dem Weg ins Winser Rathaus" Quelle: Torsten Volkmer
Winsen (Aller)

Soll keiner sagen, er wisse nicht, was da auf ihn zukommt. „Mein Vater war manchmal an sieben Abenden in der Woche unterwegs. Mich schreckt das nicht ab. Ich habe fast neun Jahre hautnah miterlebt, mit welcher Hingabe man dieses Amt ausübt“, sagt Florian Hemme selbstbewusst. Er will bei der Winser Bürgermeisterwahl am 13. Februar 2011 in die Fußstapfen seines Vaters Wilfried treten, der im August nach langer Krankheit verstorben war.

Seine Ankündigung hat in der Gemeinde viele überrascht, denn die Konstellation ist ja nicht gerade alltäglich. Ein Jungspund, der kaum Erfahrungen in der Politik hat, tritt gegen die erfahrenen Haudegen seiner Partei an, um das politische Erbe des Vaters fortzuführen. Aber für Hemme ist das keine Trauerarbeit, er meint die Kandidatur völlig ernst. „Ich habe viel Zuspruch erhalten. Auch meine Mutter und mein Bruder stehen hinter mir“, sagt der 25-jährige Student der evangelischen Theologie im Wintergarten seines Elternhauses. In Winsen lebt er, wenn er nicht an der Universität Göttingen der Wissenschaft nachgeht.

Als Außenseiter sieht sich Hemme junior längst nicht. „Erst die CDU-Basis überzeugen, dann das Volk abstimmen lassen“, beschreibt er kurz und knapp seinen Weg ins Winser Rathaus. Unverbraucht, kommunikativ, bürgernah – so sieht sich der Mann, der politisch in keine Schublade gepresst werden will. Hemme hält konservative Werte hoch („Familie ist der Keim der Gesellschaft“), sympathisiert mit den Castor-Gegnern im Wendland und begrüßt es prinzipiell, dass der Unternehmer Jürgen Lindhorst in der Heimat investiert. „Ich bedauere, dass die Debatte um die Biogasanlage in Walle emotional so aufgeladen ist, vielleicht hat sich die Sachlage durch den Britenabzug aber verändert“, sagt der Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, der seit wenigen Tagen CDU-Mitglied ist.

In Winsen ist er stark verwurzelt. Der Werder-Bremen-Fan engagiert sich als Jugendwart beim MTV Fichte Winsen, hat dort die 100-Jahr-Feier maßgeblich mitorganisiert, war vier Jahre Vorstand im Gemeindejugendring und auch im Präventionsrat hat er mitgearbeitet. „Wenn ich Bürgermeister werde, lege ich beim Studium eine Pause ein“, sagt der stämmige Mann, der eigentlich Pastor werden will.

Dass die anderen Kandidaten politisch mehr Erfahrung haben, ficht ihn nicht an. „Gesetze kann man lernen, Menschlichkeit hat man.“ Und genau darauf setzt der jüngste Bewerber.

Weitere Kandidaten der CDU:

Die Winser CDU wird am Donnerstag die Mitglieder abstimmen lassen, wer für die Partei bei der Wahl gegen den SPD-Kandidaten Dirk Oelmann antreten soll. Laut Parteichef Christian Peters bewerben sich neben Hemme Ratsherr Gero von Hardenberg, die Ratsvorsitzende Wiltrud Schumann und Hergen Korte von der Wathlinger Samtgemeindeverwaltung. Rund 10900 Bürger dürfen am 13. Februar den neuen Bürgermeister wählen.

Am Donnerstag hat Bergens Bürgermeister Rainer Prokop (CDU) im Berger Rat Spekulationen zurückgewiesen, auch er würde in Winsen antreten. „Die Gerüchte nerven. Ich kaufe keinen Grund in Winsen, ich ziehe nicht nach Winsen und ich kandidiere dort nicht.“