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Winsen Historische Gräber in Winsen gerettet
Celler Land Winsen Historische Gräber in Winsen gerettet
16:58 04.11.2014
Von Simon Ziegler
Steinmetz Raphael Gebauer, Ahnenforscher Rainer Knop sowie Heinrich Mangels und Heinrich Lindhorst vom Winser Heimatverein (von links) haben sich um den Erhalt der Grabmale auf dem Friedhof gekümmert. Quelle: Benjamin Westhoff (2)
Winsen (Aller)

Sie haben Bäume gefällt und Wurzeln herausgenommen, sie haben Grabsteine gerichtet und die alten Steine gesäubert. Jetzt kann sich das Feld der historischen Grabmäler auf dem Winser Gemeindefriedhof wieder sehen lassen. Der Winser Heimatverein (WHV), Steinmetz Raphael Gebauer und Ahnenforscher Rainer Knop haben sich mithilfe des Bauhofes in den vergangenen Monaten um die alten Gräber gekümmert. Ein Schild in der Nähe des Eingangs weist Besucher jetzt auf das sogenannte Museumsfeld hin.

Denn das Feld war in keinem guten Zustand, als die Arbeiten im Frühjahr begannen. Hüfthoch stand das Gras rund um die alten Gräber, Bäume ließen kaum Sonne durchkommen, manche Grabplatte konnte man gar nicht mehr erkennen. Also hat der Heimatverein sich der Sache angenommen. Denn es gehöre zu seiner Aufgabe, nicht nur alte Häuser wiederaufzubauen, sondern insgesamt die Erhaltung der Winser Kulturgüter zu fördern, sagt WHV-Vorsitzender Heinrich Lindhorst. Dazu zähle auch das unter Denkmalschutz stehende Gräberfeld auf dem Friedhof. „Das ist unsere Vergangenheit, die hier liegt. Hier sind historisch wichtige Persönlichkeiten bestattet, die bedeutsam für die Geschichte unsere Gemeinde waren", so Lindhorst.

Da das Erscheinungsbild des Gräberfeldes schon längere Zeit nicht den Vorstellungen des Heimatvereins entsprach, habe man vor etwa einem Jahr die Bingo-Umweltstiftung kontaktiert. Sie erklärte sich bereit, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen. Steinmetzmeister Gebauer leistete fachliche Hilfestellung und besserte manchen Grabstein aus, der im Laufe der Jahrhunderte gelitten hat. Künftig wird sich die Friedhofsverwaltung darum kümmern, dass die historischen Grabmale in einem vernünftigen Zustand bleiben.

Das Feld ist der älteste Teil des Friedhofs, der angelegt wurde, als auf der Begräbnisstätte an der Kirche kein Platz mehr war. Das erste Grab stammt aus dem Jahr 1820, erläutert Heinrich Mangels, auch er ist Mitglied im Heimatverein. Hier liegen Persönlichkeiten wie Georg Heinrich Scheffsky (1810 bis 1871), der Superintendent des Kirchspiels Winsen war. Der letzte Amtsvogt von Winsen, Louis von Reden (1793 bis 1856), wurde ebenfalls auf dem "Museumsfeld" begraben. Aber auch "ganz normale" Bürger wie Anna Sievers (1884 bis 1910) fanden in diesem Teil des Friedhofs ihre letzte Ruhe. Besonders dramatisch ist die Geschichte von Johann Heinrich Andreas Bode, der als Geselle beim Müller von Wolthausen angestellt war. Im Februar 1830 stieg das Hochwasser der Örtze stark an, Bode wollte zwei Kinder des Müllers retten, die beim Spielen ins Wasser gestürzt waren. "Dabei ist er dann selbst gestorben", berichtet Knop, der viel über die Geschichte der Toten im historischen Gräberfeld recherchiert hat.

Der Ahnenforscher, der auch im Vorstand der Johannes-Kirchengemeinde ist, hat für jeden Toten, soweit erforschbar, Lebensdaten, Kinder und Beruf zusammengetragen. Die Informationen sollen demnächst über die Seite der Gemeinde Winsen im Internet verfügbar gemacht werden. Sollte Interesse bestehen, will Knop auch Führungen über den Friedhof anbieten.