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Winsen Humor aus Bayern im Geiste Karl Valentins
Celler Land Winsen Humor aus Bayern im Geiste Karl Valentins
17:43 18.05.2014
Das Duo „Hasemanns Töchter“ - aus Bayern trat in Winsen auf. Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

Da hatte der Veranstalter, das Winser Café Nebenan, ja mal wieder ein äußerst glückliches Händchen: Das Duo „Hasemanns Töchter“, bestehend aus den schauspielerischen, kabarettistischen und musikalischen Multitalenten Maria Hafner und Julia Loibl, erwies sich bei seinem Gastspiel in Winsen als echter Knaller. Vorausgesetzt natürlich, dass man halbwegs der bayerischen Sprache mächtig war, nicht nur Spaß am bayerischen Humor hatte, sondern auch bereit war, sich auf „Über-acht-Ecken-Denken-Logik“ à la Karl Valentin einzulassen. Wer dieses vielleicht aktuell abgedrehteste Kabarett- und Volkssängerduo noch nicht erlebt hat, dem kann man nur versuchen, mit Vergleichen klar zu machen, was man bei den Hasemannschen Töchtern erleben konnte.

Da war zunächst einmal viel bayerischer Humor à la Biermösl-Blosn. Noch präsenter war ein subversiver Widerstandsgeist. Besonders auffällig aber war die sprachliche und musikalische Sensibilität, die immer wieder in gekonnten Ironisierungen und Parodien zum Ausdruck kam. Dabei entstanden mit den beiden Schwestern aus dem Hause Hasemann zwei dermaßen skurrile Kunstfiguren im Geiste Karl Valentins und der wieder belebten altbayerischen Volkssängertradition, dass man schon staunen musste, wenn jemand diese Figuren nicht als solche wahrnahm. Genau das aber war an diesem Abend zu erleben, denn nicht nur die Aufführung machte höllischen Spaß, sondern auch die Tatsache, dass es ein paar Leute im Publikum gab, die offensichtlich dermaßen überfordert waren, dass sie die ganze Zeit wie gelähmt dabei saßen. Die hatten wohl einen Schlagerabend erwartet wie im Musikantenstadl. Nun, das gab es genau nicht. Hier gab es zwei Dirndln, singend und Akkordeon spielend, auf dem Weg zu Punk mit Halleluja. Und genau deshalb war die Mehrheit wohl auch zu Recht begeistert.

Reinald Hanke

Von Reinald Hanke