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Winsen Jazz auf hohem Niveau in Winsen
Celler Land Winsen Jazz auf hohem Niveau in Winsen
13:51 14.12.2016
Zu der Veranstaltungsreihe „Soirée am 3. Advent“ des Kulturkreis Winsen kam die Jazzmusikerin Anja Ritterbusch mit ihrer Band nach Winsen ins Groode Hus. Quelle: Michael Schäfer
Winsen (Aller)

Nachdem in den letzten Jahren die Publikumsnachfrage für die traditionelle klassische Soirée im Advent zurückgegangen ist, hat man dieses Jahr mit Anja Ritterbusch einen Geheimtipp aus der Jazz-Szene engagiert. Das war eine glückliche Entscheidung, denn es kamen wieder mehr Menschen zum sehr gelungenen Konzert.

Das Konzert geriet sehr stimmungsvoll. Es bot hohes Niveau und keineswegs gefälligen und leicht verdaulichen Mainstream- oder Oldtime-Jazz sondern zeitgemäß-heutige, fast coole Klänge mit viel Fantasie. Ritterbusch hatte drei hervorragende musikalische Mitstreiter mitgebracht: den Bassisten Peter Schwebs, den kreativen Eike Wulfmeier am Piano und die dezent im Hintergrund bleibende, aber immer präsente Schlagzeugerin Lizzy Scharnofske. Im Mittelpunkt stand aber Anja Ritterbusch mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, die einerseits jugendlich frisch klang, andererseits aber geradezu abgeklärte Reife ausstrahlte.

Ritterbusch hat musikalisch einen Hang zum Melancholischen, was zur Folge hat, dass sie eher Stücke in verhaltenen Tempi singt. Eike Wulfmeier am Flügel, zusammen mit der Sängerin derjenige, der die meisten Stücke für die Formation schreibt, ist ein wunderbarer Jazzpianist, der sich weniger durch viele Töne in Erinnerung hält als durch seine Konzentration auf Wesentliches. Das hat Stil und Niveau und passt ideal zur Art von Ritterbusch, die die großen Spannungsbögen wie selbstverständlich zu halten in der Lage ist. Natürlich hilft ihr dabei sowohl der Bassist als auch die Schlagzeugerin, aber letztlich ist der Garant für die Unverwechselbarkeit dieser Musik Ritterbuschs faszinierende Stimme.

Ob die Eigenkompositionen „Winter’s night“ oder „Change of Season“ oder die kongeniale Bearbeitung von Rilkes Gedicht „Liebeslied“ für Sprechgesang und Jazzformation, da hatte jedes Stück seinen Reiz. Gerade die Rilke-Bearbeitung zeigte, dass Ritterbusch nicht künstlerisch oberflächlich agiert. Sie ließ sich nicht von der Musikalität der Rilke-Sprache dazu verleiten, diese direkt und damit platt in Musik umzusetzen. Im Gegenteil beließ sie dieses Gedicht weitgehend in einem musikunterlegten, eigenständigen Sprechgesang, der ungemein stark wirkte.

Einziges Manko des Abends: Die Stücke ähnelten sich zu stark. Trotzdem: Ein starkes Kontrastprogramm zu den vielen „normalen“ Adventskonzerten in der Region.

Von Reinald Hanke