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Winsen Katharina Sellheim gibt Klaviersoiree in Winsen
Celler Land Winsen Katharina Sellheim gibt Klaviersoiree in Winsen
09:07 14.12.2011
KONZERT: Klaviersoiree Sellheim. - Katharina Sellheim. Quelle: Alex Sorokin
Winsen (Aller)

Anfangs spielte Sellheim Lachenmanns Schubert-Variationen. Zunächst konnte man ein wenig irritiert sein ob der ganz und gar unschubertschen Gestaltung des Themas, aber schon bald erwies sich, dass diese Art der geradezu unterkühlten Interpretation dem Lachenmann-Stück durchaus gut tat. Sellheim zeigte hier einen gelungenen Ansatz im Umgang mit Musik über Musik.

Weniger gelungen dann allerdings das erste Hauptstück des Abends, den „Moments Musicaux“ von Schubert. Die ersten vier Stücke erstarben allesamt in einer Langsamkeit, die man sich nur dann erlauben kann, wenn man entsprechend intensiv zu gestalten in der Lage ist. Das war hier aber nicht zu erkennen. Sellheim pauschalierte Schuberts Musik zu einem Klangkontinuum, dem jede Spitze genommen wurde. Die vielen ganz leisen Stellen zu laut, die überraschenden Akzente kamen mit Vorankündigung und selten wirklich kräftig genug. Die kurzen sogenannten Staccatonoten waren selten wirklich kurz, sondern näherten sich einem Einheitsanschlagstypus an. Da hat es sich Sellheim zu einfach gemacht. Das setzte sich in gesteigerter Form fort beim vierten Stück. Dieses Perpetuum Mobile, das so leicht dahinschlendernd, tänzelnd oder auch huschend klingen kann, wenn man die linke Hand wirklich hüpfend und die rechte ganz gebunden spielt wie es in den Noten steht, statt wie hier in beiden Händen fast gleichartig artikuliert, war kaum zu erkennen.

Dass der Mittelteil dann komplett ausein–anderfiel ob des zu langsamen Tempos und des offensichtlichen Nichtwahrnehmens der Tatsache, dass die jeweils letzte Note im Takt hier immer eine doppelte Funktion als Nachklang und Auftakt hat, das war dann schon nicht mehr verwunderlich. Es folgte ein gehämmertes fünftes Stück und mit dem abschließenden Allegretto endlich eine gelungene Wiedergabe schubertscher Verinnerlichung.

Es folgte Beethovens Sturm-Sonate op. 31, 2 – nun gelang der Pianistin zwei Sätze lang eine höchst eindringliche Auffächerung des beethovenschen Klangkosmos auf hohem Niveau. Sie vermittelte überzeugend das Zukunftsweisende und Moderne dieser Musik und zeigte die differenzierenden Elemente musikalischer Gestaltung, die sie vorher vermissen ließ. Allerdings schloss sie das Stück enttäuschend mit einem belanglos dahinplätschernden Schusssatz ab.

Von Reinald Hanke