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Winsen Kein leichter Job
Celler Land Winsen Kein leichter Job
16:59 21.11.2010
Von Simon Ziegler
Treffen Weihnachtsmänner aus ganz Deutschland in Winsen Quelle: Peter Müller
Winsen (Aller)

„Das ist ein knallharter Job“, sagt Willi Dahmen von der Celler Weihnachtsmannvermittlung. Denn neben einer gehörigen Portion Idealismus brauche man eine Menge pädagogisches Geschick, um an Heiligabend Kinder zu beglücken. Und natürlich sei ein hochwertiges Kostüm nötig, das bis zu 200 Euro koste, plus richtige Stiefel, Jutesack und Goldenes Buch. „Ein Wattebart geht gar nicht“, sagt der Mann, der seit über einem Vierteljahrhundert in Sachen Weihnachtsmann unterwegs ist.

Am Sonnabend war ein Training für Anwärter im Winser Jann Hinsch Hof angesetzt, denn Dahmen hat nicht genug Weihnachtsmänner. Eigentlich hat er nie genug. In jedem Jahr werde es aber schwieriger, Rauschebärte zu finden, die an Heiligabend Familien besuchen, sagt er. „Ich muss jetzt 100 bis 150 Anfragen stornieren.“

Acht Profi-Weihnachtsmänner und ein Engel unterstützten Dahmen bei der komplizierten Suche nach Nachwuchs. Weihnachtsmann ist aber nicht gleich Weihnachtsmann. Manche haben Mäntel (eher die europäische Variante), andere Zweiteiler (amerikanisch) und in Bayern tritt der Weihnachtsmann gelegentlich kirchlicher auf, fast wie ein roter Bischof. Und selbst in der Namensgebung unterscheidet man sich. Was in Norddeutschland der Weihnachtsmann ist, nennt sich in Bayern Christkind und im Rheinland Nikolaus. Die Sache ist aber noch komplexer: Wer der jungen Anwärter wusste schon, dass sie künftig einen Türken darstellen? Schließlich ist die historische Figur des Bischofs von Myra ein Mann aus Kleinasien, erfuhr man am Rande.

Leider kamen die Anwärter nicht so zahlreich wie erhofft. Nur rund zehn potenzielle Weihnachtsmänner interessierten sich für die anspruchsvolle Aufgabe, die ja auch nicht besonders gut bezahlt ist. Aber des Geldes wegen dürfe man das ohnehin nicht machen, finden die Männer mit den langen Bärten, die nur selten echt sind. Wolfgang Kunstein, Weihnachtsmann aus dem Winser Ortsteil Thören, lässt sich seinen haarigen Gesichtsschmuck dagegen seit Juni wachsen, damit er im Dezember was zu bieten hat. Das Zwischenergebnis im November kann sich jedenfalls sehen lassen.

Neben Kleidung und Historie wurde auch über Ehrenkodex (nie fluchen, kein Glühwein), Umgangsformen und die Frage gesprochen, ob die Kosten vorm Finanzamt absetzbar sind. Auch ein Weihnachtsmann denkt schließlich praktisch.

Ob die Weihnachtsmann-Werbung erfolgreich war, wird die nahe Zukunft zeigen. Gerald Franke aus Klein Hehlen war sich am Sonnabend noch nicht sicher. Er müsse noch überlegen, sagte der Celler angesichts der idealistischen Herkulesaufgabe. Eigentlich wollte er doch nur Kindern eine Freude machen.