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Winsen Knabenchor Hannover in Winsen: Musikalischer Gemischtwarenladen
Celler Land Winsen Knabenchor Hannover in Winsen: Musikalischer Gemischtwarenladen
10:01 18.02.2014
Der Knabenchor Hannover bestätigte bei seinem Auftritt in der evangelischen Kirche - in Winsen seinen exquisiten Ruf. Quelle: Benjamin Westhoff
Winsen (Aller)

Da staunte man doch ein wenig: In Winsen hat nicht die Evangelische Kirchengemeinde, sondern der ortsansässige Kulturkreis den Knabenchor Hannover erstmals wieder seit 20 Jahren in die Allergemeinde geholt. Das Konzert fand aber naturgemäß in der evangelischen Kirche statt. Wo auch sonst hätte man in Winsen einen so großen Chor unterbringen können. Erstaunlich: Das Konzert war zwar sehr gut besucht, aber keineswegs ausverkauft, was man doch vielleicht hätte erwarten können bei diesem Chor, der national und teilweise auch international einen sehr guten Ruf hat.

Die Programmzusammenstellung in Winsen allerdings war wenig überzeugend. Wie im musikalischen Gemischtwarenladen folgten Stücke vieler Epochen direkt hintereinander ohne dass in irgendeiner Weise erkennbar geworden wäre, warum diese Stücke ausgewählt wurden. Diese Programmfolge gab höchstens insofern einen Sinn, als sie auf die finale Bach-Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ hinzuzuführen schien. Gerade das im vorhergehenden Block gesungene „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy schien als Vorbereitung auf den Bach ausgewählt worden zu sein. Außerdem: Die Stücke von Bach und Mendelssohn waren sowohl kompositorisch als auch sängerisch die Höhepunkte des Abends, der mit früher Chormusik, in wenig lockerer Art gesungen, eher problematisch begann. Dass diese Stücke nicht so wirkten wie sie es könnten, lag dabei weniger am Chor als an der Tatsache, dass diese Werke in der Interpretation des Chorleiters Jörg Breiding zu wenig die Freude am Singen vermittelte. Vielleicht waren sie auch schlichtweg noch nicht zu Ende probiert. Auch bei den nachfolgenden Stücken der späten Romantik und klassischen Moderne entstanden zwiespältige Eindrücke. Man freute sich ob der gezeigten sängerischen Qualität, fragte sich aber immer wieder, ob es nicht weitaus Interessanteres und Aufführenswerteres in der Chorliteratur gibt.

Ganz anders hingegen die doppelchörige Bach-Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Nun zeigte der Chor, zu welch musikalischen Höchstleistungen er fähig ist. Und er deutete auch den Wortsinn der Motette wunderbar aus. Breiding ließ auffallend schnell singen, was den jungen Sängern aber keine Mühe bereitete, sondern sie im Gegenteil geradezu brillieren ließ. Keine Frage: Da bestätigte sich mal wieder der exquisite Ruf des Chores, der irritierenderweise immer noch Knabenchor Hannover heißt, obwohl in Wirklichkeit weniger Knaben als junge Männer bis hin zum mittleren Alter den Klang des Chores prägen. Drei Solostücke steuerte übrigens noch der aus Wietze stammende Organist Axel Ladeur bei. Speziell die 2. Orgelsonate von Mendelssohn gelang ihm bestens.

Von Reinald Hanke