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Winsen Mehrheit für Speckhahn-Expansion in Winsen
Celler Land Winsen Mehrheit für Speckhahn-Expansion in Winsen
16:35 01.06.2017
Von Christian Link
Quelle: Alex Sorokin
Winsen (Aller)

Das neue Lagergebäude soll auf einem unbebauten Grundstück am Mühlenweg entstehen, das von Wohnhäusern gesäumt wird. Für dieses Gebiet gibt es derzeit keinen gültigen Bebauungsplan. Weil der Hallenbau nach Ansicht des Landkreises Celle gegen das sogenannte Einfügungsgebot (Paragraf 34 Baugesetzbuch) verstößt, müsste die Lagerhalle aber zunächst durch ein solches Konzept abgesegnet werden.

Fraglich ist dabei vor allem eines: Wo hört das allgemeine Wohngebiet auf und wo fängt das Mischgebiet an? Denn nur in letzterem kann eine Lagerhalle gebaut werden. Für Bürgermeister Dirk Oelmann ist die Sache eigentlich klar. „Vom Charakter her handelt es sich um ein Mischgebiet“, argumentierte er in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses und verwies unter anderem auf die gut 50 Meter entfernte Tankstelle, die in einem allgemeinen Wohngebiet nicht möglich wäre.

Einige direkte Nachbarn sehen das anders. „Das Ziel des Bebauungsplans der Innenentwicklung kann nicht sein, einem störenden Gewerbebetrieb die Möglichkeit zu geben, sich in einem ruhigen Wohngebiet anzusiedeln“, lautet der schriftliche Einwand eines Anwohners. Sechs Stellungnahmen von Bürgern sind bei der Gemeinde eingegangen. „Hier wird lediglich zugunsten eines einzelnen Betreibers und zum Nachteil aller Anwohner etwas angestrebt, was in diesem Rahmen mit Sicherheit nicht die Belange der Wirtschaft fördert“, bemängelt ein anderer Nachbar. Sein Wohnhaus würde laut Bebauungsplan plötzlich in einem Mischgebiet liegen. Dadurch sieht er das Recht auf Unversehrtheit für sich und seine Familie bedroht. Er schlägt stattdessen vor, das Reifenlager in ein dafür ausgewiesenes Gewerbegebiet auszulagern.

Das Autohaus sucht bereits das Gespräch mit den Anwohnern und will die Bedenken durch Aufklärung zerstreuen. "Einige Nachbarn haben gedacht, wir bauen dort eine Werkstatt und daraufhin ihre Einwände formuliert", sagte Geschäftsführer Ralph Tintemann auf CZ-Anfrage. Die Lagerhalle werde die Anwohner aber kaum stören, tatsächlich bringe die Erweiterung sogar Vorteile. "Durch den Parkplatz wollen wir die Situation für unsere Nachbarn entspannen", erläutert Tintemann. Die 30 Autohaus-Mitarbeiter müssten dann nicht mehr in den Straßen parken.

Doch auch Landkreis und Gewerbeaufsichtsamt äußern Bedenken, ob durch die zusätzliche Lärmbelastung von Lagerhalle und Parkplatz die zulässigen Schallschutzwerte eingehalten werden. „Die Zweifel des Gewerbeaufsichtsamts werden ausgeräumt. Es wird noch ein direktes Immissionsschutzgutachten für die Halle gemacht“, kündigte Gemeindeplaner Benjamin von Ahlen in der Sitzung an. Bürgermeister Oelmann hält die Bedenken zum Fahrzeugverkehr auf dem Parkplatz für übertrieben: „Da wird ja nicht ständig rauf und runter gefahren." Es sei nur mit dem üblichen Berufsverkehr zu rechnen. Er begrüßte auch die Reduzierung der in den Straßen geparkten Fahrzeuge. Oelmann: "Das kann nur gut für alle sein."

Der Bauausschuss folgte der Argumentation der Gemeindeverwaltung mit knapper 5:4-Mehrheit. Die CDU-Fraktion sowie Bernd Harding von der UWG/FDP-Gruppe votierten dagegen. Die entscheidende Abstimmung im Rat, der in dieser Sache das letzte Wort hat, dürfte spannend werden. Sie wird voraussichtlich in der nächsten Sitzung am 20. Juni stattfinden.