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Winsen Meißendorf: Kleiner Dorfladen gibt auf
Celler Land Winsen Meißendorf: Kleiner Dorfladen gibt auf
17:52 19.12.2013
Von Simon Ziegler
„Wenn jeder Meißendorfer hier für zehn Euro in der Woche eingekauft hätte, dann hätte der Laden existieren können.“ Armin Bansleben muss sein Geschäft in Meißendorf schließen. Quelle: Anne Friesenborg
Meißendorf

Er ist traurig, wütend, enttäuscht. 30 Jahre war Armin Bansleben mit seinem Supermarkt in Meißendorf. Jetzt hat er aufgegeben, dieser Tage schließt er seinen Laden zu. Für immer. Im November brach der Verkauf bei Obst und Gemüse ein. Dazu kommen die hohen Energiepreise, die sich in fünf Jahren verdoppelt haben. „Ich ziehe jetzt die Reißleine“, sagt Bansleben und kann seine Tränen kaum unterdrücken.

Die hohen Energiepreise sind die eine Seite der Medaille. Die andere besagt, dass die Bürger zu wenig bei ihm eingekauft haben. „Wenn jeder Meißendorfer hier für zehn Euro in der Woche eingekauft hätte, dann hätte der Laden existieren können“, rechnet Bansleben vor.

Früher hatte der 57-Jährige sogar zwei weitere Geschäfte. In Walle musste er vor acht Jahren schließen, in Jeversen war schon vor zehn Jahren Schluss. Bansleben war immer selbstständiger Unternehmer, Edeka lieferte die Waren und gab ihm Preisempfehlungen. „Das hat Jahrzehnte gut funktioniert, in den achtziger Jahren waren wir ein richtig guter Edeka-Kunde. Doch dann öffneten nach und nach die großen Märkte in Winsen – Lidl, Aldi, Rewe, Rossmann und das E-Center. Vor allem mit den Preisen der Discounter kann es einer wie Bansleben nicht aufnehmen. Obwohl es auch bei ihm viele günstige No-Name-Produkte gibt.

In Meißendorf hat er im Lauf der Jahre einen für das kleine Dorf erstaunlichen Supermarkt errichtet. Immer wieder hat er viel Geld investiert. Für die Getränke gab es einen Drive-In, eine Fleischtheke versorgte die Kunden mit frischer Ware. Eine Lotto-Stelle war genauso Teil des Dorfladens wie die kleine Bäckerei. Bei Bansleben gab es eigentlich alles, sieben Tage in der Woche. Am Sonntag backte er immer frische Brötchen für die Kunden.

Nur der Zeitgeist weist schon lange in eine andere Richtung. Viele Bürger wollen zwar im Dorf einkaufen können, aber die großen Einkäufe machen sie woanders. Von ein paar verkauften Zigaretten kann kein Ladenbesitzer leben.

Und während in anderen Dörfern wie in Adelheidsdorf die Dorfgemeinschaft dabei ist, einen neuen Dorfladen ins Leben zu rufen, begann am Dienstag der Ausverkauf in Meißendorf. Die Waren gibt es für die Hälfte, schon am Mittwoch war ein Großteil der Restbestände verramscht. Viele Meißendorfer haben traurig auf die Nachricht vom Ende des Marktes reagiert. „Ein Stück Lebensqualität geht verloren“, sagt Dietmar Söhnholz. „Ich kann das gar nicht glauben, hier war immer was los“, meint Kerstin Hornbostel. „Das tut einem wirklich leid. Ich nehme an, die Meißendorfer haben ihn zu wenig unterstützt“, glaubt Otto Weber. Vor allem für ältere Menschen ohne Auto ist die Geschäftsaufgabe ein echtes Problem.

Fünf Aushilfskräfte hat Bansleben beschäftigt. Auch sie müssen sich nach einem neuen Job umsehen. Was jetzt für ihn kommt? Er weiß es nicht: „Ich habe keine Ahnung, was wird.“