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Winsen Meißendorferin bei Autokauf zurecht misstrauisch: Auf keinen Fall Vorkasse
Celler Land Winsen Meißendorferin bei Autokauf zurecht misstrauisch: Auf keinen Fall Vorkasse
17:06 07.10.2015
Das angebotene Auto wird es gar nicht geben. Vielmehr geht es "Bastian Mertens" um Daten oder Geld der potenziellen Kunden. Quelle: Joachim Gries
Meißendorf

VW Touran 1.9 TDi, Baujahr 2006, 103.000 Kilometer auf dem Tacho, für 2800 Euro: Gisela Droste aus Meißendorf roch den Braten. Sie wollte das Auto nicht kaufen, aber rief aus kriminalistischem Interesse die in der Kleinanzeige angegebene Handynummer an. Trotz mehrmaliger Anrufe erreichte sie niemanden und hinterließ deshalb ihre Fragen auf der Mailbox. Die Antwort kam per E-Mail. Darin stellte sich „Autoverkäufer Bastian Mertens“ als Privatmann und Holländer vor, der sein Auto aus erster Hand, unfallfrei und ohne technische Probleme mit deutschen Papieren und deutschem Kennzeichen verkaufen will. Da sein Deutsch nicht gut sei, bat er Droste um Korrespondenz auf Englisch, zudem um ihre Telefonnummer und um ihren Wohnort. Seit die Meißendorferin nachhakte, wo sie den Wagen ansehen könne, schweigt „Mertens“.

Erschienen war die Kleinanzeige mit dem VW Touran vor zwei Wochen in der Celleschen Zeitung und in diversen anderen Blättern. Tausende Anzeigen in Tageszeitungen und Wochenblättern preisen neben Autos auch Trecker, Boote, Handys, Fernsehgeräte und teure Küchenmaschinen zu Schnäppchenpreisen an. Die Anbieter haben es auf Vorkasse abgesehen. Mit dem Geld machen sie sich dann aus dem Staub, die Waren gibt es nicht.

Drostes Tochter war vor einiger Zeit auf ein günstiges Wohnmobil gestoßen. Hier war nach SMS- und E-Mail-Kommunikation eine Übergabe am Hauptbahnhof von Leer vereinbart worden. Kurz vorher wurde die Frau aufgefordert, 3000 Euro zu überweisen. Das tat sie nicht – und war damit gut beraten. Auch wird von potenziellen Kunden verlangt, Überführungskosten vorab zu überweisen. Oder sie sollen eine Kopie ihres Personalausweises schicken. Die Täter haben dann neue Daten für ihre krummen Geschäfte.

Die CZ-Anzeigenabteilung hat ein Auge auf die Kleinanzeigen, die online aufgegeben werden. Ist die E-Mail-Adresse auffällig oder sind Adresse oder Kontonummer nicht plausibel, wird der Auftrag storniert. Doch hin und wieder rutscht eine Anzeige durch und wird veröffentlicht. Über die „faulen Kunden“, die es auf das Geld ihrer Leser abgesehen haben, tauschen sich Verlage in ganz Deutschland aus.

Das Vorgehen bezeichnet Polizeisprecher Thorsten Wallheinke als „relativ alten Hut“. Anzeigen mit betrügerischer Absicht seien auf jeden Fall strafrechtlich relevant. Wer geschädigt ist, sollte Anzeige erstatten.

Von Joachim Gries