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Winsen Nach der Schule ist Feierabend: Winser Oberschule streicht Hausaufgaben
Celler Land Winsen Nach der Schule ist Feierabend: Winser Oberschule streicht Hausaufgaben
19:56 22.05.2014
Von Carsten Richter
Winsen (Aller)

Davon haben wohl schon Generationen von Schülern geträumt: nach dem Ende des Unterrichts nach Hause fahren – und einfach tun und lassen, was man will. An der Schule im Allertal, der neu benannten Oberschule in Winsen mit Außenstelle in Wietze, wird dieser Traum vom kommenden Schuljahr an Realität: In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Schulvorstand mit großer Mehrheit die Abschaffung der Hausaufgaben in den Jahrgängen 5 bis 7 beschlossen. „Wir wollen einen neuen pädagogischen Weg gehen“, erklärt Oberschuldirektor Bodo Theel. Die durch den Wegfall der Hausaufgaben gewonnene Lernzeit solle in zusätzliche Übungs- und Arbeitsphasen investiert werden.

„Natürlich geht es nicht ohne Hausaufgaben“, stellt Theel klar. Es gebe auch im Rahmen des regulären Unterrichts schon die Möglichkeit Hausaufgaben anzufertigen, doch eine individuelle Betreuung sei dort nicht möglich. In erster Linie gehe es ihm um die Schüler selbst. „Viele Kinder sind lange unterwegs. Durch den Ganztagsunterricht verbringen sie oftmals mehr als 45 Stunden in der Woche in der Schule oder auf den Schulwegen“, sagt Theel, „da fehlt ihnen ganz einfach die Zeit und die Kraft für zusätzliche Aufgaben zu Hause“.

Auf die individuelle Förderung einzelner Schüler ist die Schule im Allertal auch bislang schon ausgerichtet – zwei Mal pro Woche werden besondere Hausaufgabenstunden angeboten. Die fallen mit dem Verzicht weg, allerdings könnte man dieses Konzept vertiefen, so Theel. „Da gibt es mehrere Modelle, die sich landesweit bewährt haben.“ Wofür man sich entscheidet, hänge stark von den Anmeldezahlen für die neuen fünften Klassen ab. Die Einrichtung sogenannter Lerntheken sei eine Möglichkeit.

Auch Kerstin Mönnich, Elternvertreterin im Schulvorstand, steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Durch die Berufstätigkeit der Eltern sei eine Hausaufgabenbetreuung zu Hause kaum noch möglich. „Besonders schwächere Schüler aber müssen im Unterricht aufgefangen werden“, meint Mönnich.

Als Lehrer kommt für Schulleiter Theel noch der pädagogische Aspekt hinzu: „Allein schon die Kontrolle der Hausaufgaben und gegebenenfalls Einträge ins Klassenbuch kosten Zeit“, sagt Theel, „dadurch gehen regelmäßig 20 Minuten vom Unterricht ab.“

Bemerkenswert: Unter den Schülern selbst ist die Begeisterung vom Hausaufgabenverzicht zumindest teilweise verhalten. Klar sei der Wegfall gut, da er einen Zeitgewinn bedeute, sagt Schülersprecherin Rachel-Ann Thumann, „besser aber wäre eine Abschaffung in den Abschlussklassen“. Als Schülerin der zehnten Klasse weiß sie: „Da muss man eh schon viel für die Prüfungen lernen“. Eine Ausweitung auf alle Klassen sei möglich, sagt Theel, die Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder individuelles Vokabellernen werde aber ohnehin weiterhin zu Hause erfolgen.