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Winsen Nachwuchs für Winser Besenbinder
Celler Land Winsen Nachwuchs für Winser Besenbinder
18:23 08.01.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Winsen (Aller)

So Franz Xaver von Schönwerth, in einem seiner Märchen. Wir wissen also nun, wo und wie die Besenbinder in früherer Zeit ihr Material „bezogen“. Zumindest die Tradition wird weiter fortgeführt. Die „Winser Bessenbinners von 1921“ laden am ersten Samstag im Jahr zu einem Treffen ein. Ort ist die Pastorenkoppel, da steht auch, versteckt im Walde, ein Unterstand. Das Gelände gehört der Kirche, daher der Name mit dem christlichen Bezug.

„Wir sind kein Verein, sondern eine Zunft. Und diese gibt es seit fast 100 Jahren. Ursprünglich wurde hier nur ,Platt‘ gesprochen. Aber die Jungen können das leider nicht mehr“, erklären Manfred Ohlhoff, der Chef der Truppe und sein Vorgänger Dieter Pohland. Das Ganze ist eine reine Männerdomäne. Da ändert auch ein 100jähriges Jubiläum nichts. Und Nachwuchssorgen kennt diese Zunft auch nicht. Elf „Neue“ sind da. Um Geselle zu werden, bedarf es einer dreijährigen, ununterbrochenen Teilnahme an diesen Januartreffen. Und volljährig muss „Mann“ sein. Schon wegen der vielen Schlückchen, die wärmend durch die Kehlen gluckern.

Natürlich müssen auch Besen gebunden werden. Heute mindestens einen Besen zu binden ist Pflicht. Das wird jedem Probanden beigebracht. Besenbinden war auch früher kein Ausbildungs- oder Lehrberuf. In der kalten Jahreszeit, wenn die tägliche Arbeit auf den Bauernhöfen nicht mehr den ganzen Tag beanspruchte, ging es zum Birkenreisig schneiden in den Wald. Mal mit oder auch ohne Genehmigung. Das Besenbinden, nicht nur zum Eigenbedarf, brachte dann auch etwas Kleingeld in die Haushaltskasse. Eine Winsener Familie lieferte die Besen sogar bis nach Amerika. Jetzt werden die Besen nur noch für den Eigenbedarf hergestellt. Keine Bezugsquelle also für bekanntlich weibliche Brockenhexen und, es gibt auch keine Rennbesen, wie bei Harry Potter. Inzwischen gibt es aber schon einige Zünfte, die ihren Ursprung hier in Winsen haben. „Wer dreimal hintereinander fehlt, ist raus, er kriegt keine Einladung mehr“ - gedruckt auf edlem Papier, Plattdeutsch getextet.

Der Höhepunkt. Das Lagerfeuer knistert. Es haben sich alle um den wärmenden Mittelpunkt versammelt. Ohlhoff wird acht neue Gesellen ernennen. Acht? Das wird sich noch zeigen. In Ungnade gefallen sind die Besen von Holger Stahl und Rolf Bornheber. Beide haben nun ein weiteres Jahr Zeit, sich zu bewähren. Und deren Besen verglühen im Lagerfeuer. Beide nehmen es gelassen. In Kürze wird ein Bus eintreffen, der die Teilnehmer zur nächsten Station bringt. Ehrensache, dass keiner mehr mit dem Auto fährt. Und früher war auch alles anders. Da brachte jeder mindestens eine Pulle Klaren mit, das war Pflicht. Bier war für Softies. Heute läuft es etwas geruhsamer. Man macht Abstriche. Aber Frauen wird s auch in Zukunft nicht geben, bei den „Winser Bessenbinners von 1921“. Das ist amtlich.

Von Wieland Schäfer