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Winsen Neuer Investor für Waller Biogasanlage
Celler Land Winsen Neuer Investor für Waller Biogasanlage
18:08 09.09.2016
Von Simon Ziegler
Walle

Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann rechnet damit, dass die Anlage in der Sandkuhle Walle im Jahr 2017 errichtet wird. „Ich hätte es besser gefunden, wenn die Firma Lindhorst das gemacht hätte. Jetzt haben wir es mit einem fremden Unternehmen zu tun“, sagte er. Mit der Firma Osters & Voß habe die Gemeinde noch keine Gespräche geführt. Es soll sich um ein eigenständiges Unternehmen und nicht um eine Tochterfirma des Lindhorstschen Firmen-Imperiums handeln, heißt es. Osters & Voß stellt sich im Internet als „eines der größten landtechnischen Lohnunternehmen Deutschlands mit regionalem Schwerpunkt in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt“ vor. Die Firma bewirtschafte zudem mehrere Biogasanlagen.

Den Plänen soll ein Tausch zugrunde liegen. Demnach haben Lindhorst und der neue Investor zwei Bauvorhaben getauscht. Die Winser realisieren ein von den Brandenburgern geplantes Projekt, im Gegenzug wird Osters & Voß die in Walle geplante Biogasanlage errichten. Hintergrund ist nach CZ-Informationen, dass Jürgen Lindhorst senior nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft seine Kinder nicht mit dem umstrittenen Projekt belasten wollte. Der Firmenpatriarch hat die Geschäftsführung der Lindhorst-Gruppe inzwischen abgegeben. Er ist jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Das Projekt in der Sandkuhle Walle hatte seit seiner ersten Vorstellung 2009 hohe Wellen geschlagen. In Walle gründeten Einwohner eine Bürgerinitiative, die jahrelang gegen das Lindhorst-Vorhaben protestierte. Es kam zu etlichen Verwerfungen in der Winser Kommunalpolitik. Der Gemeinderat verabschiedete schließlich Ende 2011 die Bauleitplanung. Trotzdem wurde bis heute nicht mit dem Bau begonnen, auch weil es juristische Auseinandersetzungen gab.

Die Gemeinde Winsen hat jetzt keine Aktien mehr in der Planung. Der Ball liegt beim Gewerbeaufsichtsamt in Celle. „Die Planung für die Anlage wurde etwas geändert, deswegen wird auch ein Änderungsgenehmigungsverfahren durchgeführt. Im Wesentlichen entfällt das ursprünglich geplante Blockheizkraftwerk. Das erzeugte Biogas soll aufbereitet und fast vollständig in das Erdgasnetz eingespeist werden“, so die Aufsichtsbehörde.

Die Bürgerinitiative kündigt unterdessen bereits ihren Protest an. „Wir fürchten eine gewaltige Verschlechterung für unser Dorf“, sagte BI-Sprecher Heinz Glinke zu den neuen Plänen. Nach seinen Angaben soll die Inputmenge erhöht werden, so dass mehr Lkw-Verkehr zu erwarten ist. „Wir haben so nebenbei erfahren, dass die Inputmenge von 43.000 Tonnen auf 57.000 Tonnen jährlich erhöht wurde“, sagte Glinke, nachdem er mit Walles Ortsbürgermeisterin Annette Ahrens beim Gewerbeaufsichtsamt war. Er fordert neue Verkehrs- und Lärmgutachten. Glinke rechnet damit, dass erneut Waller Bürger juristisch gegen die Anlage vorgehen könnten.