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Winsen Neues Schulmodell in Winsen
Celler Land Winsen Neues Schulmodell in Winsen
17:59 12.08.2010
Von Simon Ziegler
5000 Euro Scheckübergabe in Winsenan GS am Amtshof durch Dirk Oelmann an Schulleiterin Frau Laube Quelle: Peter Müller
Winsen (Aller)

Lea sitzt in der Mitte eines Stuhlkreises und erklärt Juline ein Spiel. Lea ist „Zweiti“, ist also in der zweiten Klasse. Juline wäre an anderen Schulen Erstklässlerin. Zwei Jahrgänge in einer Klasse, die Grundschule am Amtshof in Winsen geht neue Wege.

„Jahrgangsübergreifende Eingangsstufe“, an der Grundschule am Amtshof kurz „Jes“ genannt, heißt das Konzept des Kultusministeriums in Hannover, das schon von rund 100 Grundschulen in Niedersachsen umgesetzt wird. Im Kreis Celle hat neben der Winser Schule auch die Grundschule Hehlentor das pädagogische System zu diesem Schuljahr eingeführt. Die Älteren sollen die jüngeren Mitschüler buchstäblich an die Hand nehmen.

In Winsen sitzt in den neu gebildeten Klassen fast immer ein „Zweiti“ neben einem „Ersti“, sagt Lehrerin Sybille Hansen. Das eigentlich Besondere ist aber, dass die Schüler selbst entscheiden, was sie lernen. „Jeder hat seinen Lernplan. Ein Kind kann sagen, jetzt lerne ich Deutsch, während ein anderes Kind zur gleichen Zeit Mathe-Aufgaben löst“, erläutert Schulleiterin Sandra Laube. Dadurch würden sich die Kinder ihren Lernstoff selbst erschließen und individueller gefördert werden als bislang. Außerdem werden die Älteren geschult, den Jüngeren Lerninhalte zu erklären, wovon sie selbst profitieren, glaubt Laube. Die Eingangsstufe berücksichtige auch das unterschiedliche Lerntempo. Im Regelfall sind die Jungen und Mädchen zwei Jahre in der Eingangsstufe, möglich sind aber auch ein oder drei Jahre.

Das Kultusministerium will mit dem Konzept die Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen fördern. „Das große Interesse von Lehrkräften an Fortbildungsveranstaltungen lässt darauf schließen, dass sich in den nächsten Jahren immer mehr Grundschulen für die Einführung der flexiblen Eingangsstufe entscheiden werden“, sagte eine Sprecherin. Jede Grundschule könne selbst entscheiden, ob sie mit jahrgangsgemischten Klassen in der Eingangsstufe arbeiten will.

Die Winser Eltern hätten unterschiedlich auf das Jes-Projekt reagiert, sagt Schulelterratsvorsitzende Sabine Bachmann. „Sicherlich war der ein oder andere skeptisch. ‘Jes’ ist ja auch Neuland. Der Großteil der Eltern sieht die Einführung aber positiv“, so Bachmann. Die Eingangsstufe müsse sich jetzt in der Praxis beweisen.

Das weiß auch die Schulleitung. „Wir müssen Kinder reif für die weiterführenden Schulen machen“, ist Laube realistisch. Eineinhalb Jahre wurde das Projekt vorbereitet, Lehrer geschult, Anschaffungen getätigt, Schulen in Niedersachsen besucht, die bereits Erfahrungen mit der Jahrgangsübergreifenden Eingangsstufe haben. „Wir sind absolut sicher, dass es funktioniert“, sagt die Schulleiterin. Laube ist überzeugt, dass in den kommenden Jahren weitere Einrichtungen dem Winser Vorbild folgen werden. An mindestens zwei Schulen in der Stadt Celle gäbe es konkrete Pläne.