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Winsen Pastor will ins rote Rathaus
Celler Land Winsen Pastor will ins rote Rathaus
17:52 26.09.2018
Von Simon Ziegler
Forian Hemme sieht sich als "Brückenbauer". Quelle: Oliver Knoblich
Winsen

MEISSENDORF. Sollte er die Wahl gewinnen, wäre er mit Abstand der jüngste hauptamtliche Bürgermeister im Kreis Celle: Florian Hemme, gerade 33 Jahre alt geworden, fühlt sich der Aufgabe dennoch „zu 100 Prozent gewachsen“, wie er sagt. „Natürlich habe ich Respekt davor. Und ein bisschen Demut gehört auch dazu“, sagt der CDU-Kandidat. Und überhaupt: Eine Gemeinde-Verwaltung zu führen, sei ja keine Frage des Alters.

Er ist am 21. Oktober der Herausforderer, wenn die Winser Bürger aufgerufen sind, einen Bürgermeister bis zum Jahr 2026 zu wählen. Die Winser Wahl ist auch deshalb spannend, weil die beiden Kandidaten so unterschiedlich sind: SPD gegen CDU, Verwaltungsmann gegen Pastor, erfahrener Politiker gegen jungen Gegner. Auch in ihrer persönlichen Art sind Dirk Oelmann und Florian Hemme unterschiedlich. Einerseits der zupackende, mitunter etwas ruppige Amtsinhaber, dort der um Ausgleich bemühte, manchmal fast schüchterne Herausforderer.

Hemme ist zwar erst 33 Jahre alt, dennoch muss er sich in Winsen um seine Bekanntheit keine Sorgen machen. Das hängt keineswegs nur damit zusammen, dass sein Vater Wilfried als Vorgänger von Oelmann selbst jahrelang Bürgermeister war. Mehr als fünf Jahre stand Florian Hemme an der Spitze des MTV Fichte Winsen, dem größten Sportverein in der Gemeinde. Auch im politischen Raum hat er bereits Spuren hinterlassen. Vor acht Jahren bewarb sich Hemme bei der CDU als Kandidat für die Bürgermeisterwahl. Damals, wenige Monate nach dem Tod seines Vaters, konnte er sich in der Partei nicht durchsetzen. Doch seine Bewerbungsrede machte schon damals deutlich, dass in der Partei ein großes Talent heranwächst.

Hemme ging seinen Weg in der CDU im Hintergrund weiter. Seit 2011 ist er Mitglied im Kreisvorstand. Er belebte den evangelischen Arbeitskreis in der Partei, deren Vorsitzender er bis heute ist. Und er intensivierte Kontakte. Der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Henning Otte gilt als Förderer von Hemme. Man kennt sich schon lange. „Mein Vater war einer der Ausbilder von Henning Otte bei der Sparkasse“, sagt Florian Hemme. Der Faden ist nie abgerissen. Hemmes Frau Jennifer arbeitete ab 2013 einige Jahre als Kreisgeschäftsführerin der CDU in Celle.

Florian Hemme ist – für einen Politiker eher untypisch – ein zurückhaltender Mensch. Ihm sind die lauten Töne fremd. Für ihn gelten auch im Wahlkampf die Regeln des fairen Miteinanders. Florian Hemme sieht sich als Brückenbauer, wie er sagt. Er will die Grabenkämpfe im zerstrittenen Gemeinderat hinter sich lassen. „Nur mit mir ist ein politischer Neuanfang möglich“, sagt der Kandidat. Er habe einige Kontakte in andere Parteien und Fraktionen. Das Lagerdenken in der Politik will der 33-Jährige auflösen.

Das Erscheinungsbild seiner Partei in den vergangenen Jahren will Hemme nicht kommentieren. „Ich bin nicht der CDU-Pressesprecher für die Vergangenheit“, erklärt er lapidar. Dabei gab es ja etliche Baustellen rund um die Winser Christdemokraten: Die Gründung der CDU-Abspaltung CDW, die Verhinderung von Dirk Burghardi zum Ersten Gemeinderat, Klagen gegen einen Ratsbeschluss oder zuletzt der Seitenwechsel von Wilhelm Claus Köhler zur SPD-Gruppe. „Mit all diesen Kämpfen habe ich nichts zu tun“, sagt Hemme. Auch mit Köhler, der selbst gerne als CDU-Kandidat angetreten wäre, liege er nicht im Clinch, betont Hemme. Beide leben in Meißendorf, man sieht sich immer wieder. „Wir können auch ein Kaltgetränk zusammen trinken“, sagt Hemme.

Er selbst wohnt seit Juni in dem Winser Ortsteil. Nach seinem Vikariat in Sülze hatte Hemme eine Pastorenstelle in Steinwedel übernommen. „Ich habe das gerne gemacht“, sagt Hemme. Und trotzdem zog es den Theologen nach gut einem Jahr zurück nach Winsen – in die raue Wirklichkeit der Lokalpolitik. Pastor und Bürgermeister, für den Winser haben beide Stellen viel miteinander zu tun. „Man arbeitet vormittags, nachmittags und abends, man hat es mit ehrenamtlichen Gremien zu tun und hat in beiden Berufen eine besondere Stellung“, sagt Hemme. Und fügt – halb im Scherz – hinzu: „Nur ist das Vertrauen in einen Pastor größer als in einen Bürgermeister.“

Florian Hemme hat schon viel erlebt. Dazu gehören auch schwere private Schicksalsschläge. 2016 verloren Florian und Jennifer Hemme ihre Tochter Lea Noemi. Sie wurde nur sieben Tage alt. „Der Tod des eigenen Kindes ist das Schlimmste, das einem passieren kann“, sagt Florian Hemme. Sein Glaube an Gott habe ihm geholfen, dass er nicht vollkommen aus der Bahn geworfen wurde. „Man bekommt in jungen Jahren einen anderen Blickwinkel aufs Leben.“ Es musste weitergehen. Vor gut einem Jahr wurde Sohn Fiete geboren.

Im Bürgermeisterwahlkampf setzt Hemme auf den direkten Kontakt. Er geht von Haustür zu Haustür, will mit möglichst vielen Bürgern in allen Ortsteilen ins Gespräch kommen. „Ich bin jeden Tag auf Achse“, sagt der Christdemokrat. Zu seinem Kontrahenten bei der Wahl will er nicht viel sagen. Gleichwohl lässt er durchblicken, dass ihn das öffentliche Bild von Dirk Oelmann als Macher ärgert. Beispiel Sportpark. Hemme kramt beim Pressegespräch einen CZ-Artikel aus dem Jahr 2014 hervor. Damals hieß es, dass die Winser CDU einen alten Vorschlag seines Vaters wieder auf die Agenda geholt habe. Hemmes Botschaft: Mag sein, dass Oelmann und die Verwaltung den Sportpark jetzt umsetzen, dessen Idee sei es aber nicht gewesen. Anderes Beispiel: die vielen Investitionen in Kitas und Krippen. Das sei eine kommunale Pflichtaufgabe, betont der CDU-Kandidat. Subtext: Niemand müsse sich die Neubauten im Kita-Bereich auf die Fahnen schreiben, es musste so oder so gemacht werden. Beim Verkauf der Grundschule am Gildesweg habe die Gemeinde vor Jahren einen Fehler gemacht. Schließlich platze die Grundschule am Amtshof heute aus allen Nähten.

Hemme glaubt an seine Chance, den Amtsinhaber am 21. Oktober zu besiegen. Einen Plan B, sollte es bei der Wahl schiefgehen, habe er nicht.

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