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Winsen Plädoyer für die Winser Ortsumgehung
Celler Land Winsen Plädoyer für die Winser Ortsumgehung
17:05 09.07.2018
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

„Die Verkehrssituation im Moment ist eine Katastrophe, das ist geschäftsschädigend“, sagt Fleischer Jan Kleinschmidt. Die Automassen brächten keine Laufkundschaft und die Winser hätten keine Lust, in den Ortskern zu fahren, sagt Kleinschmidt, der eine Ortsumgehung für den richtigen Weg hält. Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass Umgehungsstraßen Orte schon „kaputtgemacht“ hätten, weil mit dem Verkehr auch das Leben verschwunden sei. Diese Gefahr sieht Kleinschmidt für Winsen aber nicht, solange die Poststraße die Haupteinkaufsstraße bleibe.

„Die Idee einer Umgehungsstraße ist großartig und lange überfällig. Wir ersticken im Verkehr. Besonders am Freitag und Samstag kollabiert hier alles“, berichtet Andrea Tanke, Chefin der Pusteblume an der Poststraße. „Wenn dann noch ein Unfall auf der Autobahn dazukommt, stehen die Lkw und Autos dicht an dicht.“ Die Geschäftsleute und Bürger im Ortskern leideten sehr, sagt die frühere Vorsitzende des Gewerbevereins. „Es ist eine ständige Lärm- und Schmutzbelästigung.“ Die desaströse Verkehrssituation schrecke viele ab, ins Dorf zu kommen. „Hinzu kommt, das wir ein Parkplatzproblem haben. Die Menschen, die mit ihrem Auto im Stau stehen, sind auch keine potentiellen Kunden, sondern nur ‚Durchfahrer‘, klagt Tanke.

In Winsen hatte die Ratsgruppe „Gemeinsam für Winsen“ das Thema auf die Tagesordnung der Lokalpolitik gehoben. Sie hatte vorgeschlagen, Gespräche über eine mögliche Ausweichstrecke – favorisiert wird eine Westumgehung – anzustoßen.

„Im Sinne und zum Wohle des Ortes, der unter den ständigen Autobahnsperrungen und dem damit verbundenen Verkehr sehr leidet, plädiere ich eindeutig für eine Ortsumgehung“, sagt auch der Apotheker Hubertus Nehring. Eine Umgehung um die Gemeinde führe dazu, dass die Kunden vor Ort schneller die Geschäfte erreichten. Denn die Verkehrsbelastung könnte auch dazu führen, dass Ortsansässige gar nicht mehr mit dem Auto in Richtung Ortsmitte fahren, um noch kurz etwas zu besorgen, gibt der Apotheker zu bedenken. Es sei fraglich, ob der zusätzliche Verkehr durch Winsen zu einem Umsatzplus bei den Winser Geschäften führt – „oder ob diejenigen, die im Stau festhängen, nicht schon so genervt sind, dass sie keine Lust haben, noch an der Apotheke zu halten“, sagt Nehring.

„Eine Ortsumgehung würde ich sehr begrüßen“, sagt Elke Hornbostel von der Emma-Boutique. Der Verkehr auf der Poststraße sei sehr belastend. „Ich kann die Tür nicht offen stehen lassen, da der Lärm und die Abgase es unerträglich machen“, berichtet die Geschäftsfrau. Etliche Kunden kämen kaum noch nach Winsen, da ihnen der Verkehr „viel zu nervig“ sei. Auch Fußgänger hätten Probleme, weil man kaum noch die Straße überqueren könne.

40, 20, 300, 4. Was soll dieser geheimnisvolle Zahlencode bedeuten? Am Samstag trafen sich insgesamt 40 tatkräftige Helfer, um mit 20 Fahrzeugen und 300 Tonnen Mineralgemisch rund 4 Kilometer Wege rund um Wolthausen und Wittbeck zu sanieren. Dieser zweimal im Jahr – jeweils am ersten Samstag im Februar und Juli – stattfindende Hand- und Spanndienst funktioniert in den beiden Orten so gut, dass sogar schon einige Bürgermeister aus dem Stadtgebiet Bergen bei Ortsbürgermeister Christian Peters angerufen haben, um sich von ihm über den Ablauf und die versicherungstechnischen Aspekte aufklären zu lassen.

08.07.2018

Der geplante Aldi-Umzug in Winsen schien längst unter Dach und Fach zu sein. Doch dem ist nicht so, sagt CDU-Bürgermeisterkandidat Florian Hemme. Der finale Satzungsbeschluss zur Bauleitplanung stehe noch aus. „Wenn sich alle daran halten, was sie bisher gesagt haben, steht es im Gemeinderat 15 zu 15 – damit wäre der Bebauungsplan abgelehnt“, betont Hemme. Er hält es für realistisch, dass das gesamte Vorhaben somit noch gestoppt wird.

Simon Ziegler 05.07.2018

Der Winser Bürgermeister Dirk Oelmann (SPD) hat sich klar hinter den Vorschlag einer Ortsumgehung für die Gemeinde gestellt. „Ja, wir brauchen eine Umgehung“, sagte er auf CZ-Anfrage. Winsen leide mehrfach im Jahr an einem regelrechten „Verkehrsinfarkt“, erklärte Oelmann mit Blick auf die zahlreichen Staus auf der A7. Die Folgen sind bekannt: Autofahrer suchen sich eine Ausweichroute und verstopfen regelmäßig das Winser Ortszentrum.

Simon Ziegler 02.07.2018