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Winsen Proben zwischen Trecker-Anhänger und Pferdekutsche
Celler Land Winsen Proben zwischen Trecker-Anhänger und Pferdekutsche
19:26 16.03.2017
Von Jürgen Poestges
Preobenarbeit bei der „Scheunenrevue“: Patricia Schömburg (vorne links) und Souffleuse Steffi Rothe warm angezogen, während die Schauspieler ihre Szene spielen Kleines Foto: Die komplette Besetzung des Theaterstücks.. Quelle: Michael Schäfer (2)
Winsen (Aller)

GUT HOLTAU. Da ist es zwar auch nicht viel wärmer, auf jeden Fall aber trocken. Ein Anhänger steht hier, und eine Pferdekutsche. Dahinter dann ein paar Stehtische, Bänke, ein Sessel ... und die Bühne. Schnell wird noch auf einen Stuhl geklettert und ein Scheinwerfer angebracht. Damit die Probe nicht im Halbdunkel stattfinden muss.

„Wir haben schon geprobt, da waren es hier drin minus zehn Grad und wir hatten alle Skianzüge an“, erzählt Klaus Köhler lachend. „Aber daraus haben wir gelernt. Seitdem starten die Proben immer erst im Frühling.“ Er schlüpft für das aktuelle Stück der Laienspielgruppe „Mein Mann, der fährt zur See“, das ursprünglich vom Hamburger Ohnsorg-Theater stammt, in die Rolle von Friedrich Brammer, Bruder von Gastwirt Karl, der angeblich zur See fährt, aber eigentlich ins Gefängnis muss.

Jetzt ist erst einmal Proben angesagt. „Wie immer: Wer nicht auf der Bühne steht, der hält die Klappe“, ruft Patricia Schömburg. Sie ist hier die Chefin, hat die Gesamtleitung. Und gemeinsam mit Andrea Tanke und Ingrid Schröter bildet sie den „Erfinderklub“. Sie wählen die Stücke aus und besetzen die Rollen. Zehn feste Schauspieler gibt es inzwischen, dazu kommen ein Chor und eine Kapelle. Insgesamt stehen 38 Leute auf der Bühne.

Vor zehn Jahren hat die Hobbytruppe angefangen. Da war es „My Fair Lady“, was noch Open Air gespielt wurde. Mit dem Stück „Hossa!“, das die Film- und Fernsehszene der 70er Jahre persiflierte, gastierte die „Scheunenrevue“ zum ersten Mal in der CD-Kaserne. „Es kam die Anfrage, ob wir nicht auch mal bei ihnen spielen wollten“, erinnert sich Patricia Schömburg. „Und sie waren so begeistert von uns, dass sie uns jetzt wieder eingeladen haben.“

Deshalb geht es jetzt noch einmal in den Probemodus. „Wenn wir ein neues Stück einstudieren, treffen wir uns zweimal in der Woche, wenn die Premiere näher rückt, auch schon mal öfter“, sagt Schömburg. „Und an den Wochenenden verabreden wir uns, um das Bühnenbild zu bauen.“ Es ist alles Eigenarbeit bei der „Scheunenrevue“.

Ganz vorne auf einem Sessel sitzt Steffi Rothe. Dicke Jacke, Mütze auf dem Kopf, Textbuch auf den Knien. Sie ist die Souffleuse, gibt den Schauspielern das Stichwort, wenn sie mal steckenbleiben.

Auf der Bühne wird konzentriert gearbeitet. „Ulrike, jetzt zieh dir mal eine Jacke über, sonst wirst du noch krank. Es ist kalt hier“, ruft Patricia Schömburg. Gemeint ist Ulrike Nieschulz, die Hauptdarstellerin. „Wenn es auf die Aufführung zugeht, dann schlafe ich schon mal schlechter“, erzählt sie.

Gerade wird der Geburtstag von Wirtin Mary Brammer mit der Familie gefeiert. Auf seinen eigenen Auftritt wartet der „Nachwuchs“. Ferdinand Stabbauer (24) und Moritz Knop (23) sind neu in der Truppe und teilen sich die Rolle des Kellners Adrian Pott. „Wir sind froh, dass wir auch junge Leute für das Theaterspiel begeistern können“, sagt Schömburg. Und meint damit auch Franziska Walter (29). Die junge Frau ist seit ein paar Jahren dabei.

So „ganz nebenbei“ gehen die Schauspieler auch noch ihren normalen Berufen nach. Franziska Walter ist Vertriebsdisponentin, Moritz Knop technischer Berater, Ferdinand Stabbauer technischer Produktdesigner.

Patricia Schömburg arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung in einem Winser Betrieb. Ulrike Nieschulz ist im Sekretariat eines Planungsbüros für Tiefbau tätig. Klaus Köhler ist Finanzbeamter. Andrea Tanke und Ingrid Schröter haben beide ein eigenes Geschäft in Winsen.