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Winsen Roma-Familie aus Winsen droht Abschiebung
Celler Land Winsen Roma-Familie aus Winsen droht Abschiebung
21:20 26.05.2015
Von Simon Ziegler
Hoffen auf die Härtefallkommission: Isidora, Tamara Vasic, "Patin" Renate Walter mit Antonia, Zorica und Borko Ilic (von links). Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

"Vorbild für Integration" war ein großer CZ-Bericht im Oktober 2014 überschrieben. Familie Ilic aus Belgrad, obwohl erst wenige Monate in der Gemeinde Winsen, galt schon als gut eingebunden in die Gesellschaft. Vater Borko Ilic lernt Deutsch und hilft auf dem Museumshof aus, die Töchter Zorica (9 Jahre) und Isidora (6 Jahre) gehen in Schule und Kindergarten. Doch ihr Asylantrag wurde abgelehnt, jetzt droht die Abschiebung, berichtet die Winser Integrationsbeauftragte Karina Ibrahimova.

Vermutlich hätte die Familie Deutschland längst verlassen und nach Serbien zurückkehren müssen, wäre Tamara Vasic nicht schwanger gewesen. Bis zur Geburt des Babys konnte die Familie nicht abgeschoben werden. Antonia wurde vor rund sieben Wochen geboren. Ausgerechnet am internationalen Roma-Tag, als auch in Winsen im Grooden Hus eine Veranstaltung stattfand, kam das jüngste Familienmitglied zur Welt. Jetzt kann es mit der Abschiebung ganz schnell gehen, so die Befürchtung.

Die Ilics sind Roma aus Serbien. Das Land wird genau wie Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sicheres Herkunftsland eingestuft. In Serbien, so sieht es der Gesetzgeber, werden Roma zwar diskriminiert, aber nicht systematisch verfolgt. Insofern war es keine Überraschung, dass ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Vielen Flüchtlingen aus Serbien geht es genauso.

Trotzdem kämpft Ibrahimova unverdrossen weiter, dass die Familie in Winsen bleiben darf. Ihr fallen viele Gründe ein, warum die Familie "bleiben muss". Der Vater habe ein Jobangebot bei einer hiesigen Firma erhalten. Hätte er eine Arbeitserlaubnis, hätte er dort bereits anfangen können. Dann würde die Familie nicht auf Leistungen der deutschen Sozialkassen angewiesen sein. Der gemeinnützige Job auf dem Museumshof. Die gelungene Integration der beiden älteren Töchter. "Solche Familien zu verlieren, ist für Deutschland ein großer Verlust", sagt Ibrahimova.

Das sieht Renate Walter genauso. Sie hat sich im Projekt "Hand in Hand" als Patin um die Familie gekümmert. "Ich war fast jeden Nachmittag da", berichtet Walter, der die serbischen Flüchtlinge ans Herz gewachsen sind. Sie hat nicht nur Deutsch mit Borko Ilic und Tamara Vasic und den Kindern gelernt, sondern ein enges Verhältnis zu ihnen aufgebaut – so eng, dass sie im April bei der Entbindung der jüngsten Tochter im Krankenhaus dabei war. "Für die Kinder bin ich die Oma", sagt Renate Walter. Sollte die Familie tatsächlich abgeschoben werden, will sie nie wieder als Patin für "Hand in Hand" zur Verfügung stehen. "Man hat das Herz so reingehängt", sagt sie. Eine neue Enttäuschung will sie sich ersparen.

Doch so weit ist es noch nicht. Die Familie wird mit Hilfe von Ibrahimova noch in dieser Woche einen Antrag bei der Härtefallkommission stellen. Das muss jetzt umgehend passieren, andernfalls, das soll die Ausländerbehörde bereits signalisiert haben, wird ein Termin für die Abschiebung angeordnet. Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann hatte sich im vergangenen Jahr ebenfalls eingeschaltet. In einem Brief an das Bundesamt für Migration bezeichnete er die serbische Familie als Vorbild für Integration. "Das sind definitiv keine Wirtschaftsflüchtlinge", sagte er gestern der CZ. In ihrem Heimatland seien "Leib und Leben" bedroht.

In Belgrad würde die Familie eine sehr unsichere Zukunft, Ausgrenzung und Diskriminierung erwarten. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Borko Ilic, "in Serbien haben wir keine Chance, die Kinder haben keine Perspektive, ich habe große Angst." Das Baby werde keine Anerkennung finden, fürchtet er. Ilic weiß nicht einmal, wo die Familie in Serbien leben soll.