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Winsen Rot ist nicht zu bremsen
Celler Land Winsen Rot ist nicht zu bremsen
22:33 14.04.2013
Farbe trocknen lassen, Farbe mischen, - Farbe auftragen und wieder trocknen lassen: - Die spätere Dynamik der Bilder von Künstler - Ulrich Barth spiegelt sich im Fertigungsprozess wieder. Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

„Rot reißt ab, doch Blau hält die Verbindung“ – in der Ausstellung des Hannoveraner Malers Ulrich Barth im Kulturcafé „nebenan“ in Winsen übernehmen die Farben charakterspezifische Rollen, spielen sich die Bälle zu oder gegenseitig aus. Die Titel, die Barth seinen Ölgemälden und Aquarellen nach Fertigstellung verleiht, jonglieren mit diesen farblichen Eigenwilligkeiten. „Violett ist schräg drauf und Gelb gespalten“ heißt ein Bild. „Gelb verzweifelt an Blau und Rot ist nicht zu bremsen“ ein anderes. Fast meint man, in den Befindlichkeiten der Farben jene des Künstlers in bestimmten Momenten zu sehen. Gleichwie sich die Farben zueinander verhalten, sich formen und bewegen, sie bleiben im Bild-System von Ausdehnung und Begrenzung. „Farben sind materiell fest und doch, glaubt man den Titeln, bewegen sie sich, sie handeln“, bemerkt Pastor Matthias Riemann. „Sie sind auf der Leinwand fixiert und brechen diese Fixierung gleichzeitig auf, indem sie Raum für Assoziationen und inneren Ausdruck lassen.“

Der Schaffensprozess ist wesentlich: Das Zueinander von Wasser- und Ölfarben verlangt einen exzessiven, mitunter spontanen Umgang mit dem vorgesehenen Farbmaterial. „Im Fertigungsprozess spiegelt sich die Dynamik der aus den Bildern selbst sprechenden Bewegungen: Trocknen, mischen, auftragen, wieder trocknen, korrigieren, einfügen, trocknen, übermalen, sich abstoßen lassen“, so Riemann.

Andrea Hauser, freischaffende Kulturwissenschaftlerin aus Bremen, reflektierte in ihrer Einführung über die Farbe als „zentrales Gestaltungsmittel in der modernen Malerei seit Jackson Pollock“. Weniger das Motiv, als vielmehr die entstandenen Strukturen standen von nun an im Vordergrund. Ziel sei, dass etwas Neues entsteht, das nur „spontan oder durch Erfühlung erschlossen werden“ könne.

Treffen die Eigendynamik und materielle Beschaffenheit der Farbe auf den malerischen Duktus des Künstlers, geschieht das Unvorhergesehene. Bei Barths Ölgemälden sei der Einsatz der Grundfarbe, eine wasserlösliche Dispersionsfarbe, mittlerweile nur noch Weiß, als Korrekturmittel zentral, so Hauser. „Er konfrontiert das Fett der Ölfarbe mit dem Wasser der Dispersionsfarbe, was zu Abstoßreaktionen führt.“ Hier zeige sich der Einfluss der Ausbildung Barths zum Lithographen.

Von Aneka Schult