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Winsen Schlagabtausch in Winsen
Celler Land Winsen Schlagabtausch in Winsen
14:50 05.10.2018
Von Andreas Babel
Stritten beim CZ-Podium in Winsen über Sachthemen: Bürgermeister Dirk Oelmann (SPD, links) und Bürgermeister-Kandidat Florian Hemme (CDU, rechts). CZ-Redakteur Simon Ziegler (Zweiter von links) und CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber  moderierten den Abend. Quelle: David Borghoff
Winsen

Es war ein launiger Donnerstagabend in der Aula der Oberschule im Allertal in Winsen. Deutlich war das Ergebnis einer Probeabstimmung zur Winser Bürgermeisterwahl am 21. Oktober: 59,2 Prozent der gültigen abgegebenen 272 Stimmen entfielen auf Amtsinhaber Dirk Oelmann (SPD). 111 Stimmen erhielt sein Herausforderer für die Wahl um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Winsen, Florian Hemme (CDU). Das ergibt 40,8 Prozent bei dieser nicht repräsentativen geheimen Abstimmung. Die CZ hatte zu einer Podiumsdiskussion der beiden Kandidaten eingeladen und fast 500 Interessierte kamen.

Die beiden Kandidaten kennen sich seit vielen Jahren. Dirk Oelmann (51) hat sich in seiner ersten, bislang siebeneinhalbjährigen Amtszeit deutlich profiliert. Florian Hemme (33), Sohn des langjährigen Winser Bürgermeisters Wilfried Hemme, war vor seiner Zeit als Pastor der Hannoverschen Landeskirche unter anderem Vorsitzender des MTV Fichte Winsen. Die Kandidaten duzen sich, schenkten sich aber am Donnerstagabend nichts. Hemme warf Oelmann mehrfach vor, unehrlich zu sein und Themen absichtlich in der heißen Phase des Wahlkampfs platziert zu haben. Oelmann merkte des Öfteren an, dass Hemme „das historische Wissen“ fehle und dass er ihn noch bei keiner der jüngeren Ratssitzungen hat begrüßen können.

Ortsentwicklung: Oelmann hatte es leicht, konnte er doch auf eine lange Liste an Projekten verweisen, die während seiner Amtszeit verwirklicht worden sind. Er stellte sich als Wirtschaftsförderer dar: „Investoren müssen angesprochen werden. Von allein kommt keiner auf die Idee, ausgerechnet in Winsen zu bauen“, sagte er. Hemme war da skeptisch. Er meinte, man müsse auseinanderdividieren, durch welche Effekte sich Gewerbetreibende entscheiden, in der Gemeinde Winsen zu investieren. Er möchte mehr Bürgerbeteiligung im Vorfeld von Projekten. „Mangelnde Bürgerbeteiligung kann ich in Winsen nicht sehen“, meinte Oelmann. Sein Schwerpunkt richte sich darauf, Winsen für Familien („Vater, Mutter, Kind, Oma und Uropa“) attraktiv und barrierefrei zu gestalten.

Sportpark: In der übernächsten Woche soll der erste Spatenstich für den Sportpark im Allertal getätigt werden, kündigte Oelmann an. Dieser Termin liegt für den Amtsinhaber genauso günstig vor dem Wahlabend wie der Tag der offenen Tür im frisch sanierten Rathaus-Erdgeschoss, der für den 19. Oktober terminiert wurde. Hemme meinte, dass Oelmann vor drei Jahren selbst nicht mehr an den Sportpark geglaubt habe und Flächen tauschen wollte. „Ich bin derjenige, der den Sportpark durchgesetzt hat“, entgegnete Oelmann.

Wachstum: Hemme kann derzeit nicht erkennen, warum die Gemeinde unbedingt weiter wachsen sollte: „Haben wir denn tatsächlich eine Idee von unserer Gemeinde? Ich habe bei meinen 1000 Haustür-Gesprächen erfahren, dass sich die Menschen nicht mehr mitgenommen fühlen.“ Oelmann hat einen ganz anderen Eindruck: „Schau in Richtung Unterlüß! Das ist ein Ort, in dem langsam die Lichter ausgehen. Das ist ein Überlebenskampf der Kommunen. Viele Leute drängen heute in die Ballungsgebiete. Ich höre von den Bürgern, dass sie stolz auf ihr Winsen sind und auf das, was sich hier entwickelt hat.“

Naturschutz: Beim Thema Schutzgebiet rund um die Aller ging es hoch her, obwohl sich beide Kandidaten in diesem Punkt einig sind: Beide wollen erreichen, dass die Aller lediglich mit einem Landschafts- und nicht mit einem Naturschutzgebiet geschützt wird. Hemme meinte, dass man „nicht die Interessen des Menschen und der Natur gegeneinander ausspielen“ solle. Oelmann hielt seine kämpferische Einstellung gegen die Landkreisverwaltung aufrecht: „Ich sehe nicht ein, dass sich die Gemeinde Winsen vom Landkreis Celle ausbremsen lässt.“ Er bekräftigte seine Aussage, dass ein von der Landkreisverwaltung favorisiertes Naturschutzgebiet „realer Irrsinn“ sei, weil dann die Einschränkungen der Nutzung in der Alleraus eimmens seien. Hemme meinte, es sei sinnvoll, „Ruhe und Sachlichkeit in das Thema Allerschutz reinzubringen“.

Ortsumgehung: Eindeutig positionierte sich Oelmann für eine Straße, die den Fernverkehr um den Ortskern herumführt: „Wenn Winsen weiter Dorf bleiben will, dann brauchen wir die Umgehung.“ Hemme sprach sich für ein „ganzheitliches Verkehrskonzept“ aus, das die gesamte Gemeinde berücksichtige. „Ein Teil davon kann dann eine Ortsumgehung sein“, ergänzte Hemme. „Rumgeeiere“ und „Sag doch ja oder nein“ gab es Zwischenrufe in seine Richtung. Hemme meinte, dass eine Ortsumgehung mindestens 58 Millionen Euro kosten würde, und er könne nicht sagen, woher das Geld dafür kommen solle. Oelmann meinte, man müsse sich jetzt auf den Weg machen, wenn man eine Umgehung haben wolle, denn die Kosten würden immer höher werden.

Schulen: Streit gab es um die Grundschule. Hemme meinte, man hätte die Grundschule vor fünf Jahren trotz des Vetos des Landkreises größer als jetzt bauen sollen, „wenn man denn davon überzeugt war, dass die Kinderzahlen stimmen“. Er meinte, man hätte die Grundschule am Gildesweg nicht verkaufen dürfen.Oelmann erläuterte, dass der Verkauf des Gebäudes am Gildesweg an den Landkreis Voraussetzung dafür war, dass Winsen die Oberschule bekommt. Und für einen größeren Anbau an die jetzige Grundschule hätte der Landkreis seinertzeit keinen Kredit gewährt. Eine gute Lösung sei aber jetzt absehbar.

Zusammenfassung: Mitten in der Diskussion brachte es Oelmann auf den Punkt: „Wer sagt, dass es gut ist, wie sich Winsen entwickelt hat, der wählt Oelmann – wer sagt, es muss anders werden, wählt Hemme.“ Sein Gegenkandidat Hemme möchte vor allem eines: den Zusammenhalt in der Gemeinde einschließlich der Gemeindepolitik verbessern und fördern. Das letzte Wort haben die Wähler am Sonntag, 21. Oktober. Die neue Amtszeit beginnt am 10. März 2019.

Bei der Bürgermeisterwahl in Winsen gehen zwei Kandidaten ins Rennen: Dirk Oelmann und Florian Hemme. Bei einer Abstimmung am Ende der CZ-Podiumsdiskussion hatte der Amstinhaber die Nase vorn.

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