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Winsen Schwarzer Humor und seelische Wunden
Celler Land Winsen Schwarzer Humor und seelische Wunden
20:35 13.06.2011
Eines der Bilder aus der Ausstellung von Frank Schult im Winser Kulturcafé „nebenan“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Winsen (Aller)

In seinen in unterschiedlichen Mischtechniken erstellten Arbeiten visualisiert er seine subjektive Wahrnehmung von Macht und Gewalt, Krieg und Unterdrückung. In teilweise schrillen und skurrilen Kompositionen zeigt er, wie er die Dinge, die Menschen und deren Zusammenhänge sieht. Die knapp zwanzig Bilder – alle ohne Titel – mögen vielleicht im Einzelfall verspielt-naiv wirken, aber spätestens auf den zweiten Blick lassen sie tiefgründige Einblicke erkennen, die nicht immer leicht verdaulich sind und die er dem Betrachter wie einen Spiegel vorhält: Sie spiegeln vor dem Hintergrund des Erlebten immer wieder Träume, Einsichten, Erfahrungen und seelische Prozesse. Verborgenes und Bedrohliches wird körperhaft in szenischen Varianten schwarzen Humors festgehalten. Neben den sich subtil aus dem Hintergrund herauslösenden Strukturen und Körpern finden sich mitunter fast scherenschnitthaft magische Abbildungen des Bösen in einer mystischen Seelenlandschaft. Aber auch Zynismus, Absurdität und Perspektivlosigkeit erhalten in Schults Darstellungen ein Gesicht. Wenn auch – wie etwa in seinem Bild mit Schachfiguren ähnelnden uniformen Figuren – ein Gesicht, dem alles Individuelle fremd zu sein scheint. Wie eine Hammelherde, die dem „Schwarzen Mann“ willenlos folgt. Wie die Gesichter der Schergen in Morinas Gedichten.

Die Ausstellung im Café „nebenan“ ist bis zum 4. September sonntags bis freitags (außer an Feiertagen) von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl