Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Winsen Schwierige CDU-Suche beendet
Celler Land Winsen Schwierige CDU-Suche beendet
16:12 19.11.2010
Von Simon Ziegler
CDU entscheidet über Bürgermeister-Kandidaten Quelle: Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Damit hatte er am Schluss wohl auch nicht mehr gerechnet. Überrascht nahm Gero Graf von Hardenberg das knappe Votum der Mitglieder zur Kenntnis. Der 52-jährige Landwirt wird versuchen, für die CDU erneut das Winser Rathaus zu gewinnen. Die Chancen stehen wohl nicht schlecht. Von Hardenberg dürfte als CDU-Mann automatisch der Favorit sein – seine Wahl wird aber auch davon abhängen, ob sich die Partei geschlossen hinter ihn stellt. Und geschlossen hat sich die Winser CDU bei der Kandidatensuche in den vergangenen Wochen nicht gerade gezeigt, was sich auch am Donnerstag im Gasthaus „Stadt Bremen“ fortsetzte.

Die eindringlichen Mahnungen des CDU-Kreischefs Karl-Heinrich Langspecht fielen nur begrenzt auf fruchtbaren Boden. Langspecht wollte verhindern, dass die bei der internen Parteiabstimmung unterlegenen Kandidaten als Einzelbewerber ihr Glück versuchen könnten. Doch von Hardenberg machte unmissverständlich klar, dass er die Dinge anders sieht. Er werde in jedem Fall antreten, auch ohne die Unterstützung der CDU, ließ er gar keine Zweifel an seinen Ambitionen aufkommen.

Dass die CDU derzeit ungewöhnlich nervös daherkommt, macht eine Posse um Florian Hemme deutlich, den Sohn des verstorbenen Bürgermeisters. Der kritisierte nach einer erstaunlich selbstbewussten und souveränen Rede, wie mit ihm nach der Bekanntgabe seiner Bewerbung parteiintern umgegangen worden sei. So sei ihm an den Kopf geschleudert worden, „wenn die CDU das Rathaus verliert, du deinem toten Vater keinen Gefallen getan hast“. Und deshalb mache er eine Einzelkandidatur im Februar davon abhängig, wie sich die Partei ihm gegenüber in den kommenden Wochen verhält, so der 25-Jährige. Starker Tobak, das saß.

Schließlich bekam der externe Bewerber, Wathlingens Samtgemeinde-Vize Hergen Korte, zu spüren, was einzelne Mitglieder davon halten, dass ein Parteiloser für die CDU ins Rennen gehen könnte, der nicht mal in Winsen wohnt, sondern in Nienhagen. Nämlich ziemlich wenig, obwohl Korte wohl der Favorit der Parteispitze war. „Verwaltungskompetenz ist nicht schädlich“, hatte Langspecht eingangs der dreistündigen Veranstaltung gesagt, was als kaum versteckte Empfehlung verstanden werden musste, Korte zu wählen. Der ließ aber ungeschickterweise ein klares Bekenntnis vermissen, im Falle seiner Wahl zügig in die Westkreis-Gemeinde zu ziehen. Verbessert hat das seine Position nicht.

So kam, was kommen musste. Keiner schaffte die absolute Mehrheit. Korte landete bei 16 Stimmen, von Hardenberg bei neun, Hemme bei acht und die vierte Bewerberin Wiltrud Schumann bei drei Stimmen. Eine Stichwahl war nötig.

Und die setzte dem spannenden Abend die Krone auf. Denn Korte hätte es gereicht, drei weitere Stimmen zu gewinnen. Der 46-Jährige bekam aber lediglich 17 Stimmen, von Hardenberg 20. Offensichtlich gab es zwei Fraktionen in der Partei: eine pro Korte, die andere für einen Winser Kandidaten.

Gero Graf von Hardenberg wird am 13. Februar gegen Dirk Oelmann (SPD), Albrecht Hoppenstedt (parteilos), Gertrud Truffel (Grüne) und Wilhelm Claus Köhler (SPB) antreten. Der CDU-Kandidat stammt aus einer alten Adelsfamilie, deren Ursprünge weit ins Hochmittelalter nach Nörten-Hardenberg zurückgehen. Der Landwirt ist verheiratet und hat drei Kinder. Er sitzt seit neun Jahren im Gemeinderat und vertritt als Vorsitzender des Gewerbevereins die Interessen der Wirtschaft. Vor allem aber ist er in Winsen recht populär. Der 52-Jährige ist zum Beispiel Veranstalter der in jedem Jahr stark besuchten Hoffeste auf seinem gepachteten Gut Holtau.