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Winsen Spitzls Kabarett in Winsen: Scharf bis valentinesk
Celler Land Winsen Spitzls Kabarett in Winsen: Scharf bis valentinesk
21:59 18.09.2016
Kabarettist Kai Spitzl im Café „nebenan“ in Winsen. Quelle: Michael Schäfer
Winsen (Aller)

Leichtfüßig kommt Spitzls Art des Kabaretts daher, nicht bedeutungsschwer oder vorsichtig suchend, nein, eher als Furioso, dabei aber immer entspannt und locker. Und vieles wirkt durch die geschickte Machart wie improvisiert, was aber sicher nur in wenigen Momenten der Fall ist.

Überhaupt: Immer wenn man als Zuhörer sicher zu sein glaubt, dann findet Spitzl aufs Neue einen Dreh, wie er diese Erwartungshaltung unterläuft. Einmal steuert er spürbar auf die Pointe zu, um diese dann im letzten Moment geschickt zu umgehen, dann setzt er eine inhaltlich krasse Pointe so schnell, dass man sich fast überfahren fühlt. Danach formuliert er wie im Vorbeigehen eine Absurdität, deren Witz man erst nachträglich kapiert: „Gerade hat mich der Tankwart auf dem Handy angerufen, dass ich an der Kasse mein Telefon liegen gelassen habe.“ Das liest und spricht sich so selbstverständlich, dass man gar nicht merkt, dass diese Logik ja wohl nicht stimmen kann. Denn wie soll das mit dem Anruf sein, wenn der Apparat fehlt ...?

Typisch für den Spitzl-Humor ist diese fast valentineske Szene eher nicht. Zumeist greift Spitzl an. Und zwar präzise und sprachstark. Und alles andere als zahm. „Systemfehler Globalisierung“ nennt Spitzl sein neuestes Programm, das er in Kürze im berühmten Berliner Kabarett „Wühlmäuse“ spielen wird.

Ach ja, dieser Hochkaräter des Kabaretts war nicht auf einer großen Bühne in Hannover oder im Celler Schlosstheater zu Gast – nein, er war im kleinen Winser Kulturcafé „nebenan“, dessen künstlerischer Leiter Matthias Riemann mit diesem Abend seinen Abschied als Veranstaltungsorganisator in Winsen gegeben hat. Sein Arbeitgeber hat ihn nach Hannover versetzt.

Für Winsen und die Freunde der qualitativ großen Kleinkunst in der ganzen Region wird dieser Weggang ein großer Verlust sein. Hannover hingegen darf sich freuen auf Riemanns neue Aktivitäten dort.

Von Rainald Hanke