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Winsen Stedden ist eine "Schlafstadt" mitten in der Natur
Celler Land Winsen Stedden ist eine "Schlafstadt" mitten in der Natur
16:22 17.07.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Stedden

Es ist nicht so, dass in Stedden das Leben pulsiert. Im Gegenteil. Der letzte Bus fährt mittags um 13.17 Uhr in Richtung Gut Holtau los. Und das auch nur, wenn man ihn vorher per Telefon bestellt hat. Nachmittags oder abends aus Stedden wegzukommen, geht nur mit dem eigenen Auto. Wer nicht nach Stedden will, wird dort nie ankommen. Vor vielen, vielen Jahren, als die Landesstraße zwischen Celle und Winsen gebaut wurde, war man in Stedden froh, dass die Straße weit weg ist, berichtet Hermann Höper. Die Steddener wollten auch nicht an die Bahnlinie Hambühren-Winsen angeschlossen werden. Der 82-Jährige hat sein ganzes Leben in dem Winser Ortsteil verbracht. Das Schöne an dem Ort sei, sagt er, dass man vom Leben draußen nichts mitbekomme.

Stedden ist ein kleines Idyll an der Aller. Das Dorf hat eine Bootsanlegestelle und gepflegte, große Grundstücke. Und drumherum ist nichts als Natur.

Gisela Müller-Elvers war viele Jahre Ortsbürgermeisterin. Bis zum vergangenen Jahr hat sie auch einen Tante-Emma-Laden am Dorfplatz betrieben. „Der Ort verändert sich“, berichtet die 84-Jährige und hat dabei vor allem das bäuerliche Leben im Blick. „Früher hatte der eine einen Trecker und der andere ein Pferd. Man hat sich gegenseitig unterstützt.“ Heute gibt es in Stedden keine Landwirtschaft mehr. Traurig sei das, sagt Müller-Elvers, denn die Landwirtschaft habe für den Zusammenhalt im Dorf gesorgt. Viele wollen heute ihre Ruhe haben und mit dem dörflichen Leben nicht viel zu tun haben. „Stedden ist Schlafstadt“, spottet Hermann Höper.

Früher lebten viel mehr Kinder in Stedden. Wenn Gisela Müller-Elvers nachmittags ihren Laden aufschloss, war der Platz voller Kinder, erinnert sie sich. Das ist heute anders. Wie in vielen anderen Orten ziehen auch in Stedden die Jungen weg.

Friederike Schiedung ist die Heimatpflegerin des 320-Seelen-Ortes. Vor 38 Jahren zog sie nach Stedden. Der Ortsname kommt von „Stelle“, an der gesiedelt wurde, erklärt die pensionierte Lehrerin, die mit ihrem Mann direkt am Waldrand wohnt. Sie kann viel über das kulturelle Leben erzählen, über Feste, den Chor und die Dorfgemeinschaft. Auch mit der sozialen Struktur Steddens hat sich Schiedung beschäftigt. So spielten Bessarabiendeutsche in Stedden eine größere Rolle, also Menschen, die einst vom Schwarzen Meer ins Celler Land kamen. Doch kulturelles Leben, tolle Landschaft und eine interessante Ortsgeschichte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es heute kaum noch Infrastruktur gibt. Fast kein ÖPNV, keine Gaststätte, kein Supermarkt. Im Alter könnte das ein Problem werden. Die 76-Jährige denkt darüber nach, mit ihrem Mann in einigen Jahren wieder in ihre Heimatstadt Uelzen zu ziehen.