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Winsen Sunshine-Musik macht Kultur-Sommerfest zum heiteren Vergnügen
Celler Land Winsen Sunshine-Musik macht Kultur-Sommerfest zum heiteren Vergnügen
18:54 29.08.2010
Die „Marshmallows“ mit (von links) Sigrun Krüger, Jens-Uwe Kersten und Ulli Kiehm bei ihrem Auftritt im Winser Kulturcafé „nebenan“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Winsen (Aller)

Die drei quietschfidelen Musiker setzten anhaltende Begeisterung gegen anhaltenden Regen, insbesondere, als sie nach der Pause in neuem Outfit als „Trio Zuckerhut“ südamerikanische Sunshine-Stimmung verbreiteten. Das begeisterte Publikum, das die für das Sommerfest vorgesehene weite Rasenfläche auf dem Kirchplatz gegen die Innenräume des Cafés eintauschen musste, wurde dadurch quasi in die intime Enge früherer Jazzkeller und Beatclubs zurückversetzt, eine Situation, die der jazzig-bea­tigen Musik einen Rahmen mit authentischem Reiz verlieh. Und die „Marshmallows“ fühlten sich spürbar wohl, während sie wie eine Marching-Band von Raum zu Raum zogen.

Sie boten mitreißende Musik, die berührte, oszillierte und einen melancholisch umschmeichelte. Musik zum Fingerschnipsen und Fußwippen. Musik, die vor Leichtigkeit davon-schwebte, die im Ohr hängen blieb und eine äußerst aufregende Dynamik entfaltete. Süchtig machende Kultschlager aus einem reichen und vielfarbigen Repertoire von Oldtime Jazz bis Bossa Nova, von der Knef bis zu den Beatles, vom Wannsee bis zur Sesamstraße. Bester Pop, für den Zeit keine Rolle spielt. Da erklangen sogar Stücke wie „The Girl From Ipanema“ und „Cabaret“, „Yellow Submarine“ und „Kriminaltango“ vollkommen neu, weil sie mit eigener poetischer Lyrik angereichert plötzlich anders, vielleicht freier zu atmen schienen.

Zu dieser unbeschwerten Atmosphäre trugen auch die literarischen Vorträge von Hermann Wiedenroth bei: Mit seinen mundartgefärbten Beiträgen unter anderem von Wilhelm Busch („Maler Klecksel“) und Siegfried Lenz („So zärtlich war Suleyken“) lieferte er heitere Satire der leisen Zwischentöne und verdeutlichte den amüsiert lauschenden Zuhörern auf vergnügliche Weise, warum Suleykens Masuren mit ihrer „unterschwelligen Intelligenz“ sehr viel Ähnlichkeit mit den Heidjern haben. Bei solch heiterem Programm konnte einem der Regen wirklich egal sein.

Von Rolf-Dieter Diehl