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Winsen Syrische Flüchtlingsfamilie findet in Winsen eine neue Heimat
Celler Land Winsen Syrische Flüchtlingsfamilie findet in Winsen eine neue Heimat
17:42 13.01.2014
Nur, Rajab, Shaban, Mohamed und Ahmed Kahil (von links) sind aus Aleppo nach Deutschland geflüchtet. Die Kinder besuchen schon den Kindergarten Allerstraße in Winsen.  Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

Geduldig erklärt Karina Ibrahimova der Familie Kahil die vorliegenden Formulare. Die Migrationsbeauftragte in Winsen kümmert sich um die erste syrische Flüchtlingsfamilie, die in der Gemeinde lebt. Mit Unterstützung von Ibrahimova versuchen Ahmad und Nur Kahil mit ihren zwei Kindern, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden. Hilfe bekommen sie dabei auch von Shaban (21), Nurs Bruder, der bereits seit einem Jahr in Deutschland lebt und sich schon recht gut auf Deutsch verständigen kann.

Auch Nur Kahil (23) macht Fortschritte, weiß Ibrahimova: „Sie versteht schon sehr viel von dem, was gesprochen wird. Das Antworten fällt etwas schwerer.“ Einmal in der Woche besuchen die Neuankömmlinge einen dreistündigen Sprachkurs, in dem Grundkenntnisse in Deutsch vermittelt und alltägliche Gesprächssituationen geübt werden. „Alle möchten gerne Deutsch lernen“, berichtet Ibrahimova, „das Sprachgefühl ist vorhanden“.

Am 4. Juli des vergangenen Jahres sind Ahmad und Nur Kahil mit ihren Kindern Rajab (6) und Mohamed (3) im Durchgangslager Friedland angekommen. Die Lage in Syrien war aufgrund des Bürgerkrieges für die Familie unerträglich geworden. Die Familie kommt aus Aleppo, der zweitgrößten Stadt des Landes, wo Regierungstruppen und Rebellen seit vielen Monaten um die Macht kämpfen.

Ahmad Kahil (33) war vor einigen Jahren bereits zu Besuch in Deutschland, deshalb fasste die Familie schließlich den Entschluss, hierher zu kommen. Nach einer beschwerlichen Reise – erst mit dem Schiff, dann auf dem Landweg – und zwei Monaten Aufenthalt in Friedland kamen sie mit dem Bus nach Winsen.

Für die beiden Kinder wurde im Kindergarten Allerstraße kurzfristig ein Platz gefunden. Klar gab es Schwierigkeiten mit der Verständigung, berichtet Nur Kahil: „Am Anfang war Rajab ein wenig traurig, weil er nichts verstanden hat.“ Ihr Bruder ergänzt: „Jetzt kann er schon besser Deutsch als ich.“ Die Kinder sind so begeistert von dem Kindergarten, dass sie sogar an den Weihnachtsfeiertagen dorthin wollten, erzählt Shaban Kahil: „Sie sind morgens aufgestanden und haben gefragt, wann wir in den Kindergarten gehen.“ Auch Behörden wie das Sozialamt unterstützten die syrische Familie, sagt Ibrahimova: „Es sind immer alle vernünftig, freundlich und herzlich – auch wenn mal nichts verstanden wird.“ Eine Hürde stellt jedoch die umfangreiche Bürokratie dar: „Wie kann man dieser Familie zehnseitige Formulare mit Fachbegriffen in die Hand drücken, ohne ihnen beim Ausfüllen und Übersetzen zu helfen?“

Ein weiteres Problem sei die Unterbringung. Die Sozialwohnung, in der die Familie zurzeit wohnt, kommt als längerfristiger Wohnsitz nicht infrage, sagt Ibrahimova. Die Kahils haben keinen Anspruch mehr nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, weil eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wurde. Es bestehe zwar Anspruch auf Leistungen des Jobcenters. Mit dem Bleiberecht müssen sie die für Asylbewerber gedachte Unterkunft aber verlassen. Daher ist die Familie erneut auf der Suche: “Wir brauchen dringend eine Wohnung oder ein Haus für die vierköpfige Familie“, berichtet die Migrationsbeauftragte. Dabei ist der Familie besonders eines wichtig: Sie möchte gerne in Winsen bleiben.

Deutschland hatte sich zunächst bereit erklärt, 5000 Flüchtlinge aufzunehmen. Die Innenministerkonferenz entschied im Dezember, dass 5000 weitere Syrienflüchtlinge in Deutschland Schutz finden sollen. Das hat Auswirkungen auf die Landkreise und Gemeinden vor Ort. Immer mehr Kommunen im Kreis Celle suchen Wohnraum für Flüchtlinge aus Syrien.

Mit dem 2012 in Winsen gegründeten Projekt Hand in Hand unterstützen Einheimische Migranten. Auch für die Familie aus Syrien wird jetzt ein Pate gesucht. Wer beim Deutsch lernen helfen möchte oder Tipps für die Wohnungssuche hat, kann sich bei der Migrationsbeauftragten melden. Ibrahimova ist mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr unter ☏ (05143) 988868 oder unter karina.ibrahimova@winsen-aller.de zu erreichen.

Von Stefanie Franke