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Winsen Traumjob Bürgermeister
Celler Land Winsen Traumjob Bürgermeister
17:17 27.09.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Winsen

SÜDWINSEN. Dirk Oelmann ist ein selbstbewusster Mann. Er sagt Sätze wie: „Ich glaube, dass meine Amtszeit der Gemeinde gut getan hat.“ Oder: „Unterm Strich gibt mir der Erfolg Recht.“ Oder auch: „Es ist mein Traumjob. Ich will ihn weitermachen.“ Oelmann sagt, er habe ein gutes Gefühl für die Wahl am 21. Oktober. „Ich bekomme eine gute Rückkopplung, eine Wechselstimmung ist in Winsen überhaupt nicht zu erkennen.“

Oelmann sieht sich als Macher. Er ist keiner, der jahrelang plant und am Ende kommt nichts dabei heraus. Der 51-Jährige packt die Dinge an. Neue Krippen und Kitas, die Entwicklung des Ortskerns, der Bau der neuen Sporthalle plus Jugendzentrum, die Realisierung des seit Jahrzehnten diskutierten Sportparks am Schulzentrum, das neue Verwaltungsgebäude und einiges mehr – in den vergangenen Jahren hat sich Winsen in einem Tempo entwickelt, in dem keine andere Gemeinde der Region mithalten kann.

Natürlich ist für diese Entwicklung nicht allein Dirk Oelmann verantwortlich. Aber in seinem Büro im ersten Stock des Rathauses laufen die Fäden nun mal zusammen. Und Oelmann ist einer, der Klartext spricht. Bei der Diskussion um die Abschaffung der Straßenbeiträge hat er zu einem frühen Zeitpunkt eindeutig Stellung bezogen. Die 25 Jahre alten Sportpark-Pläne, die nie entscheidend vorangekommen sind, habe er zerrissen, berichtet er. „Ich habe gesagt, entweder die Gemeinde macht es anders oder gar nicht.“ Jetzt wird erst die neue Sporthalle und das Jugendzentrum gebaut, nach und nach soll dann der Sportpark entstehen.

Dass seine Art polarisiert, liegt auf der Hand. Oelmann weiß das und es ist ihm egal. Für ihn zählt, was am Ende herauskommt. Und das kann sich in Winsen ja nun mal sehen lassen. „Winsen boomt“ hat die CZ vor ein paar Monaten geschrieben und auf einer Doppelseite die vielen Projekte im Ortskern aufgelistet.

Winsen hat in den vergangenen Jahren aber auch viele andere Schlagzeilen produziert. Der zerstrittene Gemeinderat hat sich so viele Scharmützel geliefert, dass Bürger reihenweise kopfschüttelnd die Sitzungen verließen. Oelmann hat vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit dazu beigetragen. Er war aufbrausend, impulsiv, emotional. In den vergangenen zwei, drei Jahren ist er – von ein paar Ausnahmen abgesehen – deutlich ruhiger geworden. „Ich habe mehr Sicherheit bekommen und ein gutes Team an meiner Seite. Wichtige Dinge werden immer im Team entschieden“, sagt der Verwaltungschef. Damit meint er in erster Linie seinen Verwaltungsvertreter Dirk Burghardi und Kämmerin Anke Schumann.

Wenn es besonders hoch hergeht, dann läuft er zur Hochform auf. Vor ein paar Wochen, als es um den Naturschutz an der Aller ging, hat die Kreisverwaltung von Landrat Klaus Wiswe ihn frontal angegriffen. Er würde durch tendenziöse Darstellungen die Arbeit der Kreisverwaltung diskreditieren – ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang. Doch Oelmann ist keiner, der klein beigibt. Der Winser Bürgermeister organisierte gemeinsam mit dem Landvolk eine gut besuchte Infoveranstaltung. Dort stellten sich dann nicht nur die Bürger, sondern auch die Winser CDU auf seine Seite. Besser hätte es für Oelmann gar nicht laufen können.

Der Winser Verwaltungschef, der im Jahr 2011 bei der Stichwahl den Waller Albrecht Hoppenstedt hauchdünn besiegte, bezeichnet sich selbst als „Rampensau“. Er fühlt sich in der vordersten Reihe wohl, keine Frage. Der 51-Jährige ist ein guter Redner. Und er gibt Vollgas. Damit ist nicht sein schnelles Auto gemeint, sondern sein Arbeitspensum. An manchen Tagen arbeitet er von 7.30 bis 21.30 Uhr. Als Bürgermeister hat er auch am Wochenende etliche Termine – von der Eröffnung des Schützenfestes bis hin zum Grußwort beim Feuerwehrfest. Und im Standesamt nimmt er noch immer Trauungen vor. Dirk Oelmann ist ja nicht nur derjenige, der sich an vorderster Front für die Bürger einsetzt. Er kann ein freundlicher und charmanter Gesprächspartner sein, der sich auf Augenhöhe mit den Bürgern unterhält.

Für ein solches Pensum braucht er eine intakte Familie. Dirk Oelmann, der sich gerne auf Fehmarn erholt, ist seit 25 Jahren mit Jutta verheiratet. Die beiden haben drei Töchter. Die Familie ist in der Region fest verwurzelt. Jutta Oelmann ist Südwinserin, ihr Mann wuchs in Klein Hehlen und Hambühren auf. Seit 25 Jahren wohnen sie in Südwinsen. Jutta Oelmann, die im Ganztag der Grundschule arbeitet, unterstützt die erneute Kandidatur ihres Mannes. Bei offiziellen Anlässen ist sie manchmal dabei, oft auch nicht. Sie legt Wert auf ein eigenständiges Leben. Mit „Frau Bürgermeisterin“ will sie nicht angesprochen werden.

Dass Oelmann eine zweite Amtszeit anstrebt, war lange nicht klar. Der Sozialdemokrat hatte sich nach Querelen im Gemeinderat Zeit gelassen. Schließlich entschied er, trotz der schwierigen politischen Lage wieder anzutreten. Er hat noch eine Menge vor. Der 51-Jährige macht sich für eine Umgehungsstraße stark, plant neue Baugebiete, will mehr Gewerbe ansiedeln. Auch neue Angebote für die Generation „60 plus“ hat er im Blick. Zudem ist die Schulfrage zuletzt wieder in den Fokus gerückt. Oelmann und sein Herausforderer Florian Hemme (CDU) wollen sich beide für die Möglichkeit einsetzen, in Winsen Abitur zu machen.

Politisch könnte es für den Amtsinhaber im Falle einer Wiederwahl einfacher werden. Nach dem Seitenwechsel von Wilhelm Claus Köhler zur SPD-Gruppe hat Oelmann wieder eine Mehrheit im Gemeinderat. Die Gruppe „Gemeinsam für Winsen“ ist seine Bastion in der Politik. Es ist eine bunte Gruppe, bestehend aus SPD, Grünen und der CDU-Abspaltung CDW. „Wir sind rot, wir sind grün, wir sind schwarz“, sagt Oelmann über das Sammelsurium. Das sei doch genau das, was der Bürger wolle, dass in der Politik parteiübergreifend zusammengearbeitet werde. Geht es nach ihm, wird er mit der bunten Gruppe bis zum Jahr 2026 die Weichen für die Gemeinde stellen.

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