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Winsen Treibjagd: Wildschwein unter Auto
Celler Land Winsen Treibjagd: Wildschwein unter Auto
17:29 19.12.2011
Unter dem Landrover von Franziska und Jan Oostijen endete die Wildsau, die am Sonnabend bei Wolthausen als erstes Tier einer ganzen Rotte auf die Bundesstrafle 3 gelaufen war. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Wolthausen

Franziska Oostijen und ihr Man Jan hatten Glück, als sie am Sonnabendvormittag gegen 11 Uhr auf der Bundesstraße 3 bei Wolthausen einen Wildunfall hatten: Kurz vor einem Baum kam der Landrover zu stehen. Der Wagen ließ sich nicht mehr lenken, nachdem das Ehepaar eine Wildsau überrollt hatte, die sich unter dem Fahrzeug verkeilt hatte. Das Wildschwein war das erste einer Rotte von etwa 15 Tieren, die am hellen Tag die Fahrbahn überquerten. „Die waren voller Panik“, sagt die 59-Jährige. Sie macht eine Treibjagd für das ungewöhnliche Verhalten der Tiere verantwortlich. Sie seien von Jägern aufgeschreckt worden und geflüchtet.

Auf ihrer Fahrt von Bergen nach Celle war das Ehepaar durch Offen gekommen. Hier hatten kleine Schilder am Fahrbahnrand auf eine Treibjagd hingewiesen. Oostijen war entsprechend vorsichtig gefahren. Südlich von Grunewald standen keine Schilder mehr, die auf erhöhte Gefahr durch Wildwechsel hinwiesen. Etwa 400 Meter vor der Kurve vor Wolthausen rannten dann ohne Vorwarnung die Borstenviecher auf die Straße.

Wie wäre es ausgegangen, wenn ein Polo, vielleicht mit fünf Leuten besetzt, das Tier überfahren hätte, fragt sich Franziska Oostijen. Den Schaden an ihrem robusten Fahrzeug schätzt sie auf mehrere Tausend Euro. „Das Auto ist im Eimer“, sagt die Bergerin. Ein Gutachter muss klären, ob der Schaden nicht sogar den Zeitwert übersteigt, dann wird es nichts mit der Reparatur. Eigentlich wollten sie mit dem Wagen in den Weihnachtsurlaub fahren, jetzt muss wohl ein Leihwagen genommen werden.

Die Bergerin erinnert sich, dass sich bereits im vergangenen Jahr bei einer Treibjagd ein schwerer Wildunfall auf der B 3 ereignet hatte. „Unser Unfall war definitiv eine Folge der Jagd“, ist sie sicher. Deshalb ihre Frage: Warum wiesen am Sonnabend bei Wolthausen keine Schilder auf die zweite Treibjagd hin?

„Das muss man nicht machen, aber es empfiehlt sich. Das sollte man machen“, sagt Kreisjägermeister Hans Knoop. Er werbe immer dafür, dass die Hegeringe mit Schildern auf Treib- oder Drückjagden hinweisen. Es sei unproblematisch, auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit dem Landkreis oder der Stadt Celle als Verkehrsbehörde zu vereinbaren. Beide seien sehr entgegenkommend, Kosten entstünden dabei nicht.

Das bestätigt Jörg Plesse vom Hegering Winsen/Aller. Die Kreisstraßenmeisterei in Lachendorf stelle den Jägern auch die notwendigen Schilder kostenlos zur Verfügung. Ihm war eine Jagd bei Wolthausen am Sonnabend nicht bekannt. Auch Frank Dahlem von der Revierförsterei Jägerei sprach von nur einer Jagd bei Offen. Die habe 800 Meter Abstand zur B 3 gehalten.

Grenze eine Treibjagd nicht direkt an die Bundesstraße an, werde es schwierig mit einer Tempobeschränkung, räumt Knoop ein. Doch Wildschweine könnten bei einer Jagd durchaus über sechs Kilometer laufen, um an anderer Stelle Deckung zu suchen.

Von Joachim Gries