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Winsen Volkslied als Perle der Erinnerung
Celler Land Winsen Volkslied als Perle der Erinnerung
13:55 22.04.2013
Da wurden Erinnerungen wach: Der Chor „pro arte musica“ hatte Volkslieder ins Programm genommen und begeisterte so die Zuhörer. Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

„So sei gegrüßt viel tausend Mal, holder Frühling“ – Wann wurde dieses von Schumann vertonte Lied wohl zuletzt so inbrünstig und aus vollem Herzen gesungen wie bei den beiden Konzerten des Chores „pro arte musica“ am Wochenende in Dat Groode Hus in Winsen? Die so ungewöhnlich lange entbehrte Sonne lachte dazu, als das 35-köpfige Ensemble unter der Leitung von Thomas Dust das versonnen lauschende Publikum an den facettenreich zum Ausdruck gebrachten Frühlingsgefühlen der Dichter und Komponisten teilhaben ließ. Und die leuchtend farbigen Oberteile der Musikanten ließen die Bühne wie ein buntes Blumenbeet erscheinen.

Mag der Begriff „Volksmusik“ hierzulande auch durch kommerzielle Dummdudelei zunehmend verkitscht werden, „pro arte musica“ präsentierte die beliebten Lieder aus früheren Generationen bei ihrem herzerfrischenden Auftritt als echte Perlen der Erinnerung. „Das Volkslied erlebt eine Renaissance“, erläuterte Dust. Und ließ den Worten Taten folgen. Einige der historischen Chorsätze waren durch moderne und pfiffige Stilelemente aufgepeppt worden, ohne sie jedoch dadurch ihres Charakters zu berauben. Und hier und da wurden sie durch einen schelmisch-augenzwinkernden Tonfall modifiziert. So stellte Dust bei „Der Kuckuck auf dem Zaune saß“ zum Vergnügen des Publikums fest, dass „der Kuckuck in diesem Lied rhythmisch gesehen ein Anarchist“ sei. Tatsächlich wusste der Chor immer wieder mit rhythmischen Finessen zu begeistern. Und mit zeitlos zwischen Leicht- und Schwermut changierenden beliebten Liedern über die Liebe wie „Dat du min Leevsten büst“. Da wurde im Publikum leise mitgesungen, schwelgerisch mit den Füßen gewippt oder sich flüsternd ausgetauscht. Und als Zugabe wurde am Ende – als wolle man ihn nun nie wieder fortlassen – noch einmal der holde Frühling begrüßt.

Von Rolf-Dieter Diehl