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Winsen Vortrag über „Kinder als NS-Opfer“
Celler Land Winsen Vortrag über „Kinder als NS-Opfer“
14:04 02.11.2018
Von Simon Ziegler
Auf dem Nienhäger Friedhof hat Andreas Babel am 3. März 2017 einen kleinen Teddy neben den Grabstein für Jan Krupa (geboren am 15.7.1944 und gestorben am 8.1.1945 im Kinderlager Papenhorst) neben einen kleinen blühenden Krokus gestellt. Quelle: Andreas Babel
Winsen

Im Winser Cafè nebenan, Küsterdamm 9, startet am Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr, eine neue Reihe mit zeitgeschichtlichen und gesellschaftspolitischen Themen. Den Anfang macht der Journalist Andreas Babel mit einem traurigen Thema: Kinder als NS-Opfer heißt sein Vortrag. Kinder wurden nicht nur im Konzentrationslager Bergen-Belsen Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten, sondern auch in anderen Einrichtungen.

Der Buchautor („Kindermord im Krankenhaus“) berichtet in Wort und Bild über das Schicksal von Kindern im Landkreis Celle und darüber hinaus. Seit 2010 erforscht er die Umstände, die zu der Tötung behinderter Kinder in einem Hamburger Kinderkrankenhaus geführt haben. Hier war unter anderem die spätere Leiterin der Celler AKH-Kinderabteilung, Dr. Helene Darges-Sonnemann, aktiv beteiligt. Als sie 1943 Hamburg mit 200 Kindern verließ und in Celle aufgenommen wurde, blieb sie hier. Ihre Einstellung behinderten Kindern gegenüber änderte sie nie. 45 der Kinder, es waren Säuglinge, wurden 1943 von Celle nach Schwarmstedt verlegt.

Auch über die "Kinder vom Bullenhuser Damm" wird er berichten. Am 20. April 1945 haben hier SS-Männer 20 jüdische Kinder und ihre Betreuer umgebracht, weil sie vertuschen wollten, dass an den Kindern im KZ Neuengamme Menschenversuche vorgenommen worden waren. Babel wird Fotos einiger der Kinder zeigen.

In Bergen und in Wietze gab es zum Ende des Zweiten Weltkrieges „Ausländer-Pflegestellen“. Hier mussten Zwangsarbeiterinnen, die in der Landwirtschaft eingesetzt waren, ihre Kinder zur Welt bringen, ehe sie wenige Tage später wieder arbeiten mussten. Die Kinder versorgte man in den Einrichtungen schlecht oder gar nicht, so dass viele von ihnen gewollt starben. In den beiden Orten ist der Umstand wenig bekannt. In Wietze existierte das Kinderlager wohl auch nur sechs Wochen lang. In Papenhorst und Unterlüß kamen in solchen Lagern Dutzende Kinder ums Leben.Nach dem Vortrag ist Zeit für Fragen und zur Diskussion.

Der Eintritt ist frei. Mehr als die Hälfte der Plätze ist schon vergeben. Deshalb wird um Anmeldung unter Telefon (05143) 1806 oder per E-Mail an nebenan@schleisieck.de gebeten.