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Winsen Waller Großprojekt wird abgespeckt
Celler Land Winsen Waller Großprojekt wird abgespeckt
17:12 12.02.2010
Von Simon Ziegler
Info-Veranstaltung zum Öko-Gebiet in Walle vor vollen Haus Quelle: Peter Müller
Walle

Das „Ökologische Gewerbegebiet Walle“ wird nicht realisiert. Die Investorengruppe um Jürgen Lindhorst hat während des Informationsabends am Donnerstag im Waller Sportheim bekannt gegeben, dass nur noch der Plan verfolgt wird, eine Zwei-Megawatt-Biogasanlage zu bauen, die Energie für das Britencamp in Bergen-Hohne liefern soll. Aufgrund der vielfach vorgetragenen Kritik werde die Firma „Sand und Kies“ (Saki) eine Produktionsstätte an einem anderen Lindhorst-Standort in Autobahnnähe errichten. Dort soll Bankettschälgut, das am Rand von Landes- und Bundesstraßen sowie Autobahnen entsteht, wiederaufbereitet werden. Auch das Vorhaben der „Lindhorst Garten- und Landschaftsbau GmbH“, die von Jürgen Lindhorst junior geleitet wird, und Abwärme der Biogasanlage nutzen wollte, um Resthölzer zu Brennstoffpellets zu verarbeiten, wird nicht in der Sandkuhle nordwestlich von Walle errichtet, sondern ins Gewerbegebiet Schmalhorn verlegt. Mit dem Rückzug der beiden Partner handele es sich nicht mehr um ein Gewerbegebiet, sondern um eine „Sonderfläche Biogasanlage“, so der Firmenchef.

Die Investorengruppe hatte sich zudem bemüht, der Bevölkerung Ängste zu nehmen. Der Verkehr werde hauptsächlich über Feldwege aus Richtung Meißendorf und aus Richtung Bergen anrollen. Schall- und Geruchsbelästigungen würden nicht entstehen. Da der Baugrund tiefer liege, würde die Landschaft zudem optisch nicht beeinträchtigt, hieß es.

Trotz dieses Entgegenkommens wurde Lindhorst während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung heftig kritisiert. Der FDP-Politiker Albrecht Hoppenstedt sagte, dass im gesamten Landkreis Celle kein anderes Dorf in den vergangenen fünf Jahren so viele Großprojekte verkraften musste. Damit spielte er auf die beiden bereits bestehenden Biogasanlagen sowie den Riesenkuhstall von Hans-Hermann Hemme an. Hoppenstedt: „Sie werden hier keine weitere Toleranz mehr finden.“

Der Waller Ortsbürgermeister Reiner Wilke (SPD) gab sich kompromissbereit. „Die Proteste sind nicht gegen das Projekt an sich. Das ist wirtschaftlich klug. Die Biogasanlage gehört aber ins bestehende Gewerbegebiet Taube Bünte. Da ist Platz“, sagte Wilke. Dem widersprach Winsens Bauamtsleiter Berthold Walter: „In dem Gewerbegebiet sind solche Anlagen nicht zulässig, da Gewerbeanlagen dort nur bis zu einer Höhe von 7,50 Metern gebaut werden dürfen.“

Auch zahlreiche Waller Bürger meldeten sich unter großem Beifall zu Wort. So fürchtet Waldemar Prechtel, dass sich noch andere Betriebe ansiedeln, zum Beispiel eine Schweinemast, „wenn Sie erst mal den Fuß in der Tür haben“. Bürger wie Ulrich Scheibner, die vorsichtig nach einem Kompromiss fragten, hatten dagegen einen schweren Stand. Das musste auch der stellvertretende Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Falke (CDU) erfahren. „Ich finde es hervorragend, dass ein Winser Unternehmer hier investiert“, sagte er. Seine Äußerungen kamen im Sportheim aber gar nicht gut an.

Die Fronten in Walle sind nach wie vor verhärtet. Am Ende appellierte Lindhorst an die Waller Bürger, ihre Haltung zu überdenken. „Es geht nur miteinander. Wir haben etwas gegeben, jetzt seid ihr dran zu überlegen, dass vielleicht doch nicht alles so schlecht ist.“