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Winsen Wanderausstellung „Die Zwerge kommen“ auf Winser Museumshof
Celler Land Winsen Wanderausstellung „Die Zwerge kommen“ auf Winser Museumshof
10:17 08.08.2017
Auf dem Museumshof wurde die Ausstellung „Die Zwerge kommen“ eröffnet. Hanna fand die kleinen Zeitgenossen sichtlich spannend. Quelle: Oliver Knoblich (2)
Winsen (Aller)

„Die Zwerge kommen“ heißt die Präsentation, die in ausgewählten Exponaten die Kulturgeschichte des Zwerges darstellt, konzipiert von der Sozialwissenschaftlerin Etta Bengen aus Oldenburg, die den lustigen Wesen in Märchen und Sagen, in Politik wie Werbung und natürlich im Garten auf die kleinen Fersen rückt.

Wie Felicitas Bergner, wissenschaftliche Mitarbeiterin auf dem Winser Museumshof, bemerkte haben Zwerge und Riesen die Menschen schon immer beschäftigt. Als „Abweichungen“ vom „Normalen“ wurden ihnen von jeher besondere Eigenschaften zugeschrieben. Als Gartenzwerg wird er geliebt, gehasst, gestohlen und zerstört, ja er hat ganze Nachbarschaftsprozesse ausgelöst. In der Werbung halten die ulkigen Sympathieträger sogar für Tiefkühlerbsen her. Als „Striegistaler Zwerge“ schmunzeln die bärtigen Halunken auf den Verpackungen von Familien-Camembert und Kümmelkäs’ und Gregor Gysi sowie Joschka Fischer findet man als Eierbecher-Zwerge.

Entstanden ist der serielle Gartenzwerg Ende des 19. Jahrhunderts in thüringischen Terrakottawaren-Fabriken. Offenbar hatten die Sagen- und Märchenillustrationen der Zwerge, Gnome, Erdmanntjes und Twarge, der Querg, Wichtel, Heinzelmännchen und Unnererdsche die Gnömchenmacher in Thüringen angeregt, den Zwerg um 1871 aus Ton zu kreieren. Als Väter der Gartenzwerge gelten Philipp Griebel und August Heissner aus Gräfenroda. Schon Goethe aber sprach 1797 von farbigen Zwergen im Garten und 1689 wurden in Salzburg 28 groteske Figuren aus Marmor im Zwerglgarten aufgestellt. Weniger der Hofzwerg, eher der Zwerg als Bergmann, also der wahre Kern, sei jedoch schon zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert zu finden. Damals war Venedig eine Hochburg der Glasmacherkunst und für die Herstellung von reinstem Kristallglas wurden besondere Rohstoffe gebraucht. Also wurden kleinwüchsige Menschen, Zwerge, bis in den Harz, geschickt. Zwergensagen, die Venetianersagen entstehen. Auch in Bannetze waren die Zwerge und in der Heide kursiert manch Zwergensage, von der Etta Bengen zu erzählen weiß.

Von Aneka Schult