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Winsen Winsen feiert seine Talente
Celler Land Winsen Winsen feiert seine Talente
17:43 21.11.2010
Von Simon Ziegler
Talentwettbewerb in Winsen - Das Finale Quelle: Peter Müller
Winsen (Aller)

Ach käme das leidige Thema Integration doch immer so unbeschwert und leicht daher wie in Winsen, man müsste gar nicht mehr drüber reden. Wie viel besser ist es, ein Publikum mit Comedy, Gesang, Bauchtanz, Theater und Akrobatik zu unterhalten als sich über Thilo-Sarrazin-Debatten zu ärgern, die am Ende bei so vielen Menschen ein so ungutes Gefühl hervorrufen?

Zehn Künstler, einzeln oder in Gruppen, traten am Sonnabend mit mehr oder weniger Migrationshintergrund in der Aula der Winser Realschule auf, nachdem sie sich in zwei Halbfinals für die Entscheidung des Talentwettbewerbs qualifiziert hatten. Da war zum Beispiel das „blaue Wunder“, ein Schlumpftanz der Thörener Kindergruppe. Zu einer kultigen Version des 90er-Jahre-Hits „Macarena“ versuchten die Kinder, den anspruchsvollen Synchrontanz zu imitieren, was – mit Verlaub – nicht ganz gelang. Machte nichts, der Spaßfaktor war hoch, so dass die Thörener am Ende mit dem zweiten Platz in der Kinder-Kategorie belohnt wurden, getoppt nur von der vierten Klasse der Winser Grundschule am Amtshof. Zur Gitarrenmusik von Lehrer Jürgen Kornas legten die Viertklässler eine flotte Variante der Bremer Stadtmusikanten auf die Bühne. Theater, Musik und strahlende Kideraugen – Jury und Publikum waren sich über den Sieger einig. Der dritte Platz ging an fünf türkische Mädchen der Tanzgruppe Wathlingen, die einen hübschen Bauchtanz in weiß-lila Kostümen auf die Bühne zauberten, natürlich zu orientalischen Klängen.

Wie beim ersten Talentwettbewerb vor zwei Jahren wurde außerdem ein Gewinner in der Gruppe Ü18 gesucht. Erstmals durfte das Publikum mitabstimmen, das neben einer Jury aus sieben Mitgliedern die besten Beiträge würdigte. Und auch in der Erwachsenen-Disziplin gab es keinen Dissens zwischen Jury und Zuschauern. Vicktoriya Ott und Anna Misyurin aus Celle waren die besten. Die beiden Spätaussiedlerinnen aus Russland präsentierten einen Sketch, der auf absurde Weise das Konkurrenzdenken von Frauen thematisierte, ehe sich alles in musikalischer Eintracht auflöste. „Dewzate“ nennt sich das Duo, was so viel wie „Die Mädels“ heißt. Die Plätze zwei und drei gingen an die Bauchtanzgruppe von Katharina Helfenstein aus Vorwerk und die Sängerin Irina Jans – womit alle drei Sieger einen russischen Hintergrund haben.

„Es gibt viele versteckte Talente. Die sollen gefördert werden“, sagte Moderator Udo Brand über den Sinn der im Kreis Celle einzigartigen Veranstaltung. Brand, der vom Multi-Kulti-Freundeskreis während des Tags der Niedersachsen in Celle „entdeckt“ wurde, führte charmant und humorvoll durch den Nachmittag. Ob es die von ihm prophezeite Verlängerung der Veranstaltung, also eine dritte Auflage des Winser Talentwettbewerbs geben wird, wollte Karina Ibrahimova, Vorsitzende des Multi-Kulti-Freundeskreises, noch nicht bestätigen. Das werde später entschieden, es sei nicht einfach gewesen, die Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sagte sie. Auch die gebürtige Aserbaidschanerin war überwältigt vom rundum gelungenen Talentwettbewerb. „Es war total schön.“