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Winsen Winser Kulturcafè zeigt Resümee eines künstlerischen Schaffens
Celler Land Winsen Winser Kulturcafè zeigt Resümee eines künstlerischen Schaffens
22:56 11.09.2016
Eine kleine, aber sehr feine Ausstellung im Winser Kulturcafé „nebenan“ : Friederike Witt-Schiedung vor ihrem Bild „Das neue Venedig“ von 2006. Quelle: Michael Schäfer
Winsen (Aller)

Dann war diese Eröffnung auch noch gleichzeitig Geburtstagsfeier der ausstellenden Künstlerin Friederike Witt-Schiedung, die wenige Tage zuvor 75 Jahre alt geworden ist und die Ausstellung dazu nutzte, ein künstlerisches Resümee ihres Schaffens zu ziehen. So nennt sich die bis zum 18. Dezember zu besichtigende Ausstellung auch „Fazit“.

Wenn man dem von Kenntnis anderer Werke Witt-Schiedungs unverstellten ersten Blick trauen kann, dann fühlt sich die Künstlerin wohl bis heute nicht so frei wie man das vielleicht erwarten könnte. Auf jeden Fall sind ihre collagierten, grafisch oder in Mischtechniken gestalteten Figurenbilder nie Herr ihres eigenen Tuns. Sie hängen fast immer an Fäden, die sie zu steuern scheinen, ja von denen diese geradezu abhängig wirken. Da sind einerseits ihre schön anzusehenden „Könige der Völlerei“ aus dem Jahr 2013, die entstanden sind als eine kritische Auseinandersetzung mit dem Hype, der heute rund ums Kochen und Essen gemacht wird. Diese Figuren hängen wie Marionetten an Fäden, die sie ganz offensichtlich zappeln lassen, bei denen aber unklar ist, wer diese Fäden in der Hand hat. Auch die vier zusammen gehörenden Bilder mit dem Titel „Tanz des Lebens“ zeigen Witt-Schiedungs nur bedingten Glauben an die Selbstentscheidungsfähigkeit von Menschen, denn diese Figuren hängen gleichfalls alle an Schnüren. Am eindrucksvollsten ist die auf einen Torso reduzierte Figur, die an ganz vielen, straff gespannten Schnüren hängt: Eine kleine, aber sehr feine Ausstellung, die man als kunstsinniger Mensch nicht verpassen sollte.

Von Reinald Hanke