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Winsen Winser Rat beschließt Gedenktafel für Tischler Wilhelm Scheinhardt
Celler Land Winsen Winser Rat beschließt Gedenktafel für Tischler Wilhelm Scheinhardt
18:12 16.12.2013
Von Simon Ziegler
Wilhelm Scheinhardt und seine Frau Alwine versteckten und versorgten neun französische Häftlinge bis zum Einmarsch der britischen Armee.
Winsen (Aller)

Nun ist es offiziell: Die Gemeinde Winsen wird am Niefindthaus neben dem Rathaus eine Gedenktafel zu Ehren des Südwinser Tischlers Wilhelm Scheinhardt aufstellen, der während der sogenannten Todesmärsche im April 1945 neun französische KZ-Häftlinge versteckte und ihnen das Leben rettete. Die Entscheidung im Gemeinderat fiel am Freitag bei drei Enthaltungen ohne Gegenstimme eindeutig aus – das Votum gilt als einstimmig.

Allerdings war man sich im Winser Gemeinderat keineswegs einig. Die UWG gab zu bedenken, dass es inzwischen neue Erkenntnisse gebe. Auch andere Bürger hätten in Winsen Widerstand geleistet. „Die einen werden benannt, die anderen nicht. Wir stehen nicht unter Zeitdruck“, plädierte Horst Arndt dafür, die Sache noch nicht zu entscheiden, sondern stattdessen auch das Wirken von anderen Bürgern in Winsern zu untersuchen und auch sie eventuell zu ehren.

Ja, es stimme, die Welt dreht sich, es werde immer neue Erkenntnisse geben, erwiderte Bürgermeister Dirk Oelmann. Die Geschichte von Wilhelm Scheinhardt, die der frühere Ratsherr Julius Krizsan aufgeschrieben hat, sei außerordentlich gut recherchiert. „Für mich wäre es eine Schande, würden wir diesen Beschluss nicht einstimmig hinbekommen“, sagte er in Richtung UWG. Der zuständige Fachausschussvorsitzende Hans-Günter Grunke (CDU) betonte, über die Gedenktafel sei lange und sehr behutsam beraten worden. Alle Gremien hätten sich zuvor einstimmig dafür ausgesprochen, warb er um breite Zustimmung.

So weit, die Gedenktafel für Scheinhardt abzulehnen, wollte die UWG dann doch nicht gehen. Ohnehin sei man nicht dagegen, die Erinnerung an Wilhelm Scheinhardt in Form einer Tafel festzuhalten, wie Ratsfrau Karin Bußmann festhielt.

Die Gedenktafel wird vermutlich im Frühjahr während einer Feierstunde präsentiert. Das Einschreiten des Kommunisten Scheinhardt sei eine „absolute Heldentat“ gewesen, hatte zuvor Krizsan betont. Die Firma Trispel aus Celle ist bereit, die 70 mal 100 Zentimeter große beschichtete Metallplatte kostenlos zu fertigen.

Vom 7. bis zum 10. April 1945 trieb die SS mehr als 4000 Häftlinge aus KZ-Arbeitslagern durch Winsen. Scheinhardt und seine Frau Alwine versteckten und versorgten neun französische Häftlinge bis zum Einmarsch der britischen Armee.