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Winsen Winser Ritterturnier: Nachwuchssorgen bei den mittelalterlichen Mannschaften
Celler Land Winsen Winser Ritterturnier: Nachwuchssorgen bei den mittelalterlichen Mannschaften
17:55 09.05.2014
Von Simon Ziegler
Die Ritterschaft des goldenen Vlies hat einen - 18-Jährigen am Start – die große Ausnahme bei - den Mittelalter-Teams.  Quelle: CZ
Winsen (Aller)

Senioren, die sich mit Rollator zu ihren Pferden schieben, um anschließend gegen einen anderen Greis hoch zu Ross um die Ehre in der Stechbahn zu kämpfen; so weit ist es noch lange nicht. Und dennoch: Die Ritterschaften haben Nachwuchssorgen. Immer weniger junge Menschen wollen oder können sich das teure Hobby leisten. Wolfgang Enenkel von der Ritterschaft des goldenen Vlies, Stammgast bei den Rittermeisterschaften im Kreis Celle, schätzt, dass vor 20 Jahren die Sportler im Schnitt 30 Jahre alt waren. Heute seien fast alle zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Doch woran liegt es? Zum einen, sagt der 52-Jährige aus Horb im Schwarzwald, würden im Reitsport zu 80 oder 90 Prozent Mädchen und Frauen einsteigen. In der Mittelalterszene sind aber wie in der Show- und Stuntreiterei, das verrät schon allein ein Blick in die Teilnehmerliste des Winser Turniers am 24. und 25. Mai, vor allem Männer zu Hause.

Dazu kommt, dass Reiten Geld kostet. Ein Pferd zu beschaffen, es zu unterhalten und auszubilden – allein dafür kann man ein paar tausend Euro ausgeben. Als Teil einer Ritterschaft wird es noch teurer: Ausrüstung, Gewand und Schwert werden angeschafft. Je nachdem, wie authentisch die Ritter vorgehen, werden allein dafür bis zu 5000 Euro fällig – ganz abgesehen von den Fahrtkosten zu den einzelnen, weit verstreuten Veranstaltungen.

Kein Wunder also, dass in der Szene darüber gesprochen wird, wie junge Menschen für das Thema begeistert werden können. Nicht alle Reiter haben es so gut wie Wolfgang und Alfi Enenkel, seine Frau, die ebenfalls im Goldenen Vlies reitet. Den 18-jährigen Sohn Keeve, der erstmals vor ein paar Jahren bei einer Deutschen Meisterschaft in Hermannsburg dabei war, hat das Mittelalter- und Pferdefieber gepackt. „Mein Sohn ist da einfach hineingewachsen“, sagt der Vater. Der Filius wird folglich in zwei Wochen in Winsen in der Stechbahn um Punkte kämpfen – als einer der jüngsten Teilnehmer. Und nicht nur das: Nach seinem Abitur will Keeve eine Ausbildung zum Pferdedentalpraktiker machen, ehe er ein Studium der Pferdewirtschaft beginnt.

Für Nachwuchs in der Ritterschaft des goldenen Vlies ist also gesorgt. Fragt sich nur, wer die Reiter derjenigen Ritterschaften beerben soll, deren Kinder andere Pläne haben und ihre Freizeit nicht mit Training und Mittelalter verbringen wollen – damit nicht eines Tages wirklich Senioren ihren deutschen Meister suchen.