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Winsen Wißmann-Trio begeistert mit eigenwilligen Jazz-Arrangements
Celler Land Winsen Wißmann-Trio begeistert mit eigenwilligen Jazz-Arrangements
21:01 21.04.2013
Schufen Jazzkeller-Atmosphäre: - (von links) Uli Wißmann (Gitarre), - Bernd Junker (Schlagzeug) und Grischka Zepf (Bass). Quelle: Anne Friesenborg
Winsen (Aller)

Selbst in ruhigen Momenten spürte man immer noch die Energie, etwa als bei Pat Methenys „Travels“ der wie in Watte eingepackte Gitarrensound für vorübergehende Erholung sorgte. Uli Wißmann (Gitarre), Grischka Zepf (Bass) und Bernd Junker (Schlagzeug) warteten mit variablen Drehzahlen auf, durchzogen ihren Jazz mal mit harten Rock-Rhythmen, mal mit Country- oder Latino-Kolorit. Diese virtuos begeisternden Musiker verbindet eine Liebe zu deftigen Nuancen ebenso wie zu weichen Sounds. Immer wieder brachten sie mit überraschenden harmonischen und stilistischen Wendungen neue Facetten in ihre Interpretationen. So horchten einige Zuhörer überrascht auf, als Wißmann mit tief empfundener Romantik sein ganz persönliches Erlebnis „Hamburg – Amsterdam“ in Töne fasste.

Es war bemerkenswert, wie überzeugend und inspiriert er sein Vokabular handhabte. Es verlieh ihm – getragen von der Begeisterung des fachkundigen Publikums – offensichtlich Flügel und ließ ihn bisweilen geradezu abheben wie bei seiner Eigenkomposition mit dem eigenwilligen Titel „Deine Sonne ist mein Mond“. So frei und unbeschwert von formalen Beschränkungen sind Wißmanns Endlos-Melodien selten geflossen wie hier oder auch in seinem Stück „Good time is beeing together“. Und seine kongenialen Kollegen mischten beherzt mit, als er seiner stupenden Fabulierkunst auf wechselnden Gitarren freien Raum gab. „Ihr kommt ja richtig in Fahrt“, schmunzelte Wißmann zwischen zwei Sets. Kein Wunder. Es war im wahrsten Wortsinn mitreißend, wenn er sich mit zunehmender Ekstase zu seinen dramaturgisch mustergültig aufgebauten melodischen Höhenflügen aufschwang. Und wenn er dann punktgenau da landete, wo die Musik nach einem Crescendo einen abrupten Stimmungswechsel vollzog, war es für Zepf und Junker ein offensichtliches Vergnügen, Wißmann seiner „leaderlichen“ Verantwortung zu entheben und sich in gleicher Weise auszutoben. Ein wahrhaft fesselndes Konzert.

Von Rolf-Dieter Diehl