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Winsen Wölfe reißen acht Schafe
Celler Land Winsen Wölfe reißen acht Schafe
18:08 10.09.2013
Um die genauen Bissverletzungen zu dokumentieren, wurde den Tieren auf der Wiese das Fell abgezogen. Bundesförster Jörg-Rüdiger Tilk an dem Tier, das von den Wölfen auch angefressen wurde.  Quelle: Joachim Gries
Meißendorf

Vermutlich Wölfe haben in der Nacht zu gestern bei Meißendorf auf einer eingezäunten Weide acht Schafe gerissen. Zwei weitere Tiere mussten eingeschläfert werden, weil sie durch Bisse in den Hals schwer verletzt worden waren. Zwei Tiere wurden zudem leicht verletzt.

Ein Nachbar hatte die toten Schafe gestern Morgen auf der Weide entdeckt und die Besitzerin in Meißendorf angerufen. Elsbeth Hasselmann wiederum informierte Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk, der ebenfalls in Meißendorf wohnt. Er stimmte sich mit seinem Kollegen Helge John aus Eschede ab, der eigentlich zuständig gewesen wäre. „Ich leiste Amtshilfe“, meint der Bundesförster, der auf dem Truppenübungsplatz Bergen seinen Dienst versieht. Dort lebt eine Wolfsfamilie mit wenigstens vier Welpen.

Tilk und sein Kollege Jörn Struck verschafften sich auf der Weide einen ersten Überblick, fotografierten die Gegebenheiten und nahmen auch den Zaun unter die Lupe. Der wies keinerlei Löcher auf, allerdings war ein Pfahl abgebrochen, sodass Schafe, vermutlich vom Wolf getrieben, auf den benachbarten Acker liefen. Später drängten sie auf die Wiese zurück. Neben den Hufabdrücken der Schafe stellte er auf dem Ackerboden auch Pfotenabdrücke fest. „Eindeutig Caniden“, sagt er, was gleichermaßen Wolf und Hund als Urheber der Attacke auf die Schafe bedeuten kann. Und er stellte auch unterschiedlich große Pfotenabdrücke fest. „Wenn es der Wolf war, hat er die Welpen mitgebracht“, sagt der Förster.

Tilk sagt aber nicht, dass es „seine“ Wölfe vom Truppenübungsplatz waren, dessen Grenze in etwa 800 Metern Entfernung verläuft. Es wäre der erste Übergriff von Wölfen auf Nutztiere, den er zu dokumentieren hat. Das Ergebnis soll so präzise wie möglich sein, damit Experten feststellen können, dass es tatsächlich der Wolf war. Dazu gehört auch, dass den Schafen das Fell abgezogen wird, um Bisse deutlich zu erkennen. Die Tiere zeigen Bisse in den Hals – so tötet der Wolf. Ein Schaf ist erheblich angefressen, auch andere zeigen Fraßspuren.

Hasselmann nahm bisher an, dass ihre Tiere – eine Kreuzung aus Schwarzkopf- und Suffolk-Schafen – auf der eingezäunten Weide etwa 500 Meter von ihrem Hof entfernt sicher seien. „Es ist nicht weit vom Dorf, da sind die nächsten Häuser“, sagt sie und zeigt zum Breliendamm. Auch den Zaun aus Drahtgeflecht hat sie bisher für ausreichend gehalten. Den Schaden beziffert sie pro Tier auf mindestens 130 Euro. Die verbliebenen Schafe stehen im Regen und betrachten das Treiben der Männer, die die Kadaver untersuchen.

Von Joachim Gries