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Winsen Zwischen Tourismus und Hähnchenmast
Celler Land Winsen Zwischen Tourismus und Hähnchenmast
19:08 24.02.2010
Gefragt waren vor allem die Ausf¸hrungen des Landrates Klaus Wiswe (Mitte). Quelle: Gert Neumann
Winsen (Aller)

„Eine lebendige Demokratie lebt vom Gespräch mit dem Bürger. Deshalb bin ich gerne der Einladung ins Winsener Grooden Hus gefolgt“, so Landrat Klaus Wiswe.

Unter dem Motto „Die Zukunft der Gemeinde Winsen im Westkreis“ hatte der örtliche Gewerbeverein zu einem Diskussionsabend eingeladen. Auf der einen Seite neben dem Landrat die Schulleiter Sieghart Junge (Realschule) und Roland Winkel (Hauptschule), der stellvertretende Winser Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Falke mitsamt Bauamtsleiter Berthold Walter. Auf der anderen gut 150 wissbegierige Bürger, die ihre Sorgen vortrugen.

Die Klärung der Frage, ob der Schulstandort Winsen in Gefahr sei, war zentral. „Ist er nicht“, brachte es der Landrat auf den Punkt. „Die Grundschulen werden überhaupt nicht angetastet. Ob Winsens Realschule geschlossen wird, hänge vom objektiven Vergleich in vier bis fünf Jahren mit den anderen Realschulen des Westkreises in Hambühren und Wietze ab. Fest stehe nur, bleiben die Schülerzahlen weiter rückläufig (wovon nach jetziger Lage ausgegangen werden muss), werde eine der drei Realschulen die Tore schließen müssen.“

Der Forderung, in Winsen ein Schulzentrum zu bauen, erteilte Wiswe eine Abfuhr: „Zu teuer wegen Baukosten (mindestens elf Millionen Euro), vermutlich überdimensioniert (wegen weiter sinkender Schülerzahlen) und zu hohe Folgekosten (wegen vermehrter Schülertransporte). Verteidigt wurden vom Landrat die aktuellen Sanierungskosten der Realschule Hambühren („Nur 50 Prozent der Baukosten in Winsen“).

Der Vorsitzende des ausrichtenden Winser Gewerbever-eins, Gero von Hardenberg, beklagte Leerstände von Geschäften und forderte Ideen ein, wie dem Missstand zu begegnen sei und Winsen als Wohn-, Zuzugs- und Einkaufs­ort attraktiver gemacht werden könne. Der Charme dörflichen Charakters solle erhalten und großplanerischer Handel außen vor bleiben. Der Landrat forderte auf, sich der Stärken der Gemeinde zu besinnen, mit denen sich auch in Winsen (Aller-Radweg, Museumsdorf, Meißendorfer Teiche) prächtig wuchern lasse.

Es gab auch kritische Stimmen. Vor allem zur Ansiedlung des geplanten Geflügelschlachthofes und dem Bau von Hähnchen-Mastställen. Dr. Albrecht Hoppenstedt zum Beispiel malte düstere Szenarien, unter anderem, dass die Touristen ausblieben. Dem hielt der Landrat entgegen, dass im Emsland (wo Investor Rothkötter sein Hähnchen-Imperium aufgebaut hat) fast Vollbeschäftigung herrsche und der Tourismus im Gegensatz zu Celle prächtig entwickelt habe.

Von Gert Neumann