Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Hintergrund Immer mehr Rentner arbeiten
Mehr Hintergrund Immer mehr Rentner arbeiten
15:07 17.12.2018
Von Gunther Meinrenken
Viele Senioren müssen jeden Cent zweimal umdrehen. Weil die Rente zu karg ist, sind immer mehr ältere Menschen gezwungen, auch nach der Pensionierung einer Arbeit nachzugehen. Quelle: Stephanie Pilick
Celle

„Sehr geehrte Frau Liebknecht (Name geändert), aufgrund der Höhe Ihrer Rente ist es möglich, dass Ihnen – ergänzend zu Ihrer Rente – Grundsicherungsleistungen zustehen“, teilt immer häufiger der Rentenversicherungsträger seinen „Neurentnern“ mit, da die errechneten Leistungen sich immer öfter auf einer unteren Einkommensebene bewegen. In dem Rentenbescheid heißt es dann weiter: „Die Grundsicherung ist eine Sozialleistung, die älteren oder medizinisch bedingt dauerhaft voll erwerbsgeminderten Menschen den notwendigen Lebensunterhalt sicher soll.“

Das führt aber auch immer häufiger dazu, dass die Zahl der erwerbstätigen älteren Niedersachsen weiter ansteigt. Nach einer Erhebung des Landesamts für Statistik waren im vergangenen Jahr rund 113.700 Menschen im Alter von 65 oder mehr Jahren erwerbstätig. Dies sind etwa viermal so viele als fünf Jahre zuvor.

Die Entwicklung spiegele die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre, heißt es dazu im aktuellen Statistischen Monatsheft. Es gebe die Tendenz, dass immer mehr ältere Menschen über den eigentlichen Rentenbeginn hinaus erwerbstätig sind, solange die Gesundheit mitspielt.

Das hat nach Meinung von Sabine Kellner, Leiterin des Beratungszentrums Celle des Sozialverbands Deutschland, mehrere Gründe: „Unter anderem ein geringes Einkommen, massive Einschnitte in das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung oder auch wachsende Vorsorgelücken durch Arbeitslosigkeit. – Wir befürchten aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Jahre eine Zunahme von Altersarmut.“ Die sei ein Spiegelbild des jeweiligen Erwerbslebens, wobei sich jeweilige berufliche Entscheidungen auf späteres finanzielles Auskommen ausrichten. „Deshalb ist es auch wichtig, junge Menschen so früh wie möglich für das Thema zu sensibilisieren“, empfiehlt Kellner.

Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbunds hängen die gestiegenen Zahlen vor allem mit dem gestiegenen Armutsrisiko älterer Menschen zusammen. „Viele sind darauf angewiesen, ihre mickrige Rente mit Nebenjobs aufzubessern“, sagte kürzlich der Vorsitzende des DGB-Bezirks Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Mehrdad Payandeh.

Als erwerbstätig im statistischen Sinn gelten alle Menschen ab dem 15. Lebensjahr, die pro Woche mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit arbeiten. Der Anteil der Erwerbstätigen im Rentenalter liegt demnach inzwischen bei rund sieben Prozent. Vor zehn Jahren betrug diese Quote noch 3,2 Prozent. Seither sei sie kontinuierlich angestiegen.

Nach Angaben Payandehs hatten im Jahr 2005 in Niedersachsen noch 11,6 Prozent aller Rentner ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Im vergangenen Jahr seien es bereits 17 Prozent gewesen. Das sei eine Zunahme der Altersarmut um 47 Prozent. „In keiner anderen Personengruppe ist die Armut so rasant angestiegen“.

Gründe für die zunehmende Altersarmut werden vor allem in niedrigen Löhnen, befristeten Jobs oder Brüchen im Erwerbsleben der Beschäftigten aufgrund von Erziehungs- und Pflegezeiten oder Arbeitslosigkeit gesehen.

Für den Sozialverband Deutschland ist das Thema Altersarmut nicht neu. Kellner: „Wir beobachten seit Jahren die Zunahme von Armut in unserer Gesellschaft.“ Auch Kinderarmut sei ein Thema. „Daher sagen wir Jung und Alt gegen Altersarmut. Nur gemeinsam kann man Armut bekämpfen. Ein Gegeneinander der Generationen darf es nicht geben.“ Die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft finde kaum statt, Kino-, Theater- oder Café-Besuche fehlten. Die Folge seien Alterseinsamkeit und Rückzug. „Armut bedeutet nur eine geringe bis keine Teilhabe“, so Kellners.

Hintergrund Was geschieht in Trauen? - Im Dienste der Raumfahrt

Knapp hinter der Celler Landkreisgrenze liegt Trauen und das dortige Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ein hoher Zaun umgibt die Fläche.

13.12.2018

Was ist heute wichtig für Schüler? Was braucht es, damit sie sich selbst verwirklichen können? Margret Rasfeld hat die ein oder andere Antwort darauf.

03.12.2018

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat das Überschwemmungsgebiet entlang der Fuhse neu ermittelt.

29.11.2018