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Hintergrund CZ-Expertentelefon: Wie mit Tabletten umgehen?
Mehr Hintergrund CZ-Expertentelefon: Wie mit Tabletten umgehen?
20:37 12.05.2015
Informierten die CZ-Leser über das Thema Schlaganfall (von links): Professor Dr. Wolfgang Heide, Professor Dr. Eckhard Rickels und Oberarzt Richard Glombik. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Die Frage, was Patienten bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten beachten müssen, stand bei den Anrufern des CZ-Expertentelefons am Montag zum Thema Schlaganfall im Mittelpunkt.

So hat ein Mann vom Zahnarzt die Empfehlung bekommen, sich ein paar Zähne ziehen zu lassen. Der Patient nahm Tabletten zur Blutverdünnung ein, um zum Beispiel einem Herzinfarkt vorzubeugen. Nun fragte er sich, ob er generell vor Operationen das Medikament absetzen müsse, damit er beim Eingriff nicht verblute. Gleichzeitig befürchtete er, dass dabei die Gefahr einen Schlaganfall zu bekommen, erhöht sei.

Prof. Dr. Eckhard Rickels erklärte, dass es sich dabei um eine Risikoabschätzung handele. Da gehe es um die Frage, wie dringend die Operation ist: ob es sich dabei nur um einen kosmetischen Eingriff handelt oder der Eingriff lebenswichtig ist. Dazu sollte man sich ausführlich mit dem behandelnden Arzt unterhalten. Im Krankenhaus könnten Gerinnungshemmer verabreicht werden, die ganz kurz wirken, so dass der Patient zur Operation auf einem Normallevel ist.

Außerdem beschäftigte sich Rickels, AKH-Chefarzt für Neurotraumatologie, mit dem Fall des Bruders eines Anrufers. Weil dieser ein Flimmern vor den Augen hatte – was ein Vorbote für einen Schlaganfall sein kann – ließ er sich in der Klinik untersuchen. Dabei wurde nichts Beunruhigendes festgestellt, woraufhin der Patient entlassen wurde. Am selben Abend bekam derjenige dann doch einen Schlaganfall.

"Bei all der Diagnostik gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Immer wieder gibt es Leute, die trotz der vielen Prognosemöglichkeiten einen Schlaganfall bekommen", betont Rickels. Vielleicht habe der Bruder eine Herzrhythmusstörung gehabt, die unregelmäßig auftritt. Das Risiko eines Schlaganfalls könne man im Allgemeinen minimieren, in dem man sich fettarm ernährt, regelmäßig Sport treibt, einen niedrigen Blutzuckerwert hat und keinen zu hohen Blutdruck.

Bei Prof. Dr. Wolfgang Heide meldete sich eine Dame, deren Eltern Schlaganfälle erlebt hatten. Sie selbst leidet unter erhöhtem Blutdruck und hohen Cholesterinwerten und muss deswegen drei oder vier verschiedene Tabletten nehmen. Von einem Medikament bekam sie Magenprobleme und fragte deswegen Heide um Rat.

Auf eines dieser Medikamente könne sie in Absprache mit dem behandelnden Arzt wahrscheinlich verzichten, so der AKH-Chefarzt der Neurologischen Klinik. Schließlich sei dieses zur Primärprophylaxe nicht geeignet, sondern erst, wenn bereits ein Schlaganfall eingetreten ist.

Ein anderer Anrufer hatte schon zwei Schlaganfälle erlitten. Außerdem wurde bei ihm ein Vorhofflimmern festgestellt, deswegen wurde ihm ein starker Blutverdünner verschrieben. Als Nebenwirkung treten in seinem Fall blaue Flecken auf. Als Alternative empfahl Heide neuartige Medikamente, die weniger Blutergüsse verursachen. Noch intensiver erforscht werden müssen dazu jedoch mögliche Gegenmittel, falls eine schwere Blutung auftritt. Das müsse man im Hinterkopf behalten.

Von Dagny Rößler