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Hintergrund „Das macht richtig Spaß“
Mehr Hintergrund „Das macht richtig Spaß“
15:13 28.12.2018
Michael Bastian betankt sein Hybridauto. Quelle: Kirsten Glatzer
Winsen

Kaum zu glauben, wie schnell man im E-Modus von der Ampel weg ist. Ruck, zuck ist man in Fahrt, das macht richtig Spaß“, zeigt sich Silke Bastian begeistert von ihrem lautlosen Fortbewegungsmittel. Seit einigen Wochen sind die Eheleute Bastian Besitzer eines Hybridfahrzeugs. Den Ausschlag, sich dafür zu entscheiden, gaben letztlich die Nachbarn – seit über einem Jahr selbst im Besitz eines solchen Autos und sehr zufrieden damit.

„An ein reines E-Fahrzeug würde ich mich im Moment noch nicht rantrauen“, gibt Michael Bastian zu bedenken. „Ich bin mir nicht sicher, ob das für uns derzeit plan- und umsetzbar wäre. Aber ich denke, dass ein Hybridfahrzeuge fürs Erste eine gute Zwischenlösung ist.“ Den Benzin-Motor nutzt er nach eigener Auskunft nur zu rund zehn Prozent. Die Strecke Winsen – Celle – Winsen sei problemlos im reinen E-Modus zu bewältigen, für die Fahrt nach Hannover und zurück gehe es dann allerdings nicht ohne Benzin-Motor. Ihm sei jedoch durchaus bewusst, dass die Herstellung und Entsorgung der Batterien auch nicht gerade umweltfreundlich sei. „Das alles ist mit Sicherheit noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber die Entwicklung geht ja immer weiter“, so Bastian.

Politik setzt ehrgeizige Ziele

Vor acht Jahren verkündete die Bundesregierung das ehrgeizige Ziel, bis Ende 2020 eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland zuzulassen. Inzwischen wurde die Frist um zwei Jahre auf 2022 verlängert. Allerdings sind hierzulande nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamts derzeit nur rund 150.000 reine Elektro­autos und solche mit Plug-in-Hybridmotor angemeldet. Ein Drittel der elektrisch angetriebenen Fahrzeu­ge wurde allein 2018 zugelassen. Das ist zwar eine positive Entwicklung, aber ob das angestrebte Ziel erreicht werden kann, wird sich erst noch zeigen. Für viele ist es auch eine Kostenfrage, denn E-Autos sind nun mal deutlich teurer in der Anschaffung als „normale“.

E-Mobilität wird gefördert

Um die E-Mobilität zu fördern, wurde 2015 auch das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) erlassen, dass die Nutzung elektrisch betriebener Fahrzeuge begünstigen soll. Die müssen dafür besonders gekennzeichnet sein. Anders als oft vermutet, gibt es das „E“ auf dem Nummernschild aber nicht nur für reine Elektroautos. Auch sogenannte Plug-in-Hybride, Hybrid-Fahrzeuge mit einem externen Ladeanschluss, können ein E-Kennzeichen erhalten – vorausgesetzt sie stoßen entweder maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer aus oder können im rein elektrischen Fahrbetrieb eine Strecke von mindestens 40 Kilometern bewältigen. Ebenfalls berechtigt für eine E-Zulassung sind Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb. Hierbei wird die Energie durch die Brennstoffzelle erzeugt, womit der Elektromotor des Fahrzeugs angetrieben wird.

Vorteile des E-Kennzeichens

Zu den Vorteilen des E-Kennzeichens gehören zum Beispiel spezielle Parkplätze mit Ladestation, vergünstigte oder kostenlose Parkplätze sowie das Fahren auf der Busspur und Ausnahmen bei Zufahrtsbeschränkungen. Ein automatisches Anrecht darauf haben Fahrer von Autos mit E-Kennzeichen jedoch nicht. Es liegt im Ermessen jeder Kommune, ob sie die Voraussetzungen für solche Privilegien schafft oder nicht.

Das Bundesverkehrsministerium untersuchte in seinem Fortschrittbericht zur Umsetzung des Elektromobilitätsgesetzes die Lage in den deutschen Städten. Demnach wird es erst in 22 Prozent der Kommunen angewendet. Die Analyse des Bundes brachte zudem große Informationslücken in den kommunalen Verwaltungen zutage.

Wie steht es ums kostenfreie Parken?

Auch Christine Hartwich aus Winsen, die selbst ein Hybridfahrzeug fährt, war zunächst ratlos, was das kostenfreie Parken in Celle angeht. „Ich habe vergeblich versucht, im Internet etwas darüber herauszufinden.“ Schließlich fragte sie einen Behördenmitarbeiter, der gerade Strafzettel ausstellte – und bekam folgende Auskunft: Auf den öffentlichen Parkplätzen in Celle dürfe sie ihr Fahrzeug mit Parkscheibe versehen für eine Stunde kostenfrei abstellen. Gleiches gelte zum Beispiel für die Parkpalette am Freibad.

Kostenlos Strom tanken

In den Parkhäusern Südwall und Nordwall sowie in der Tiefgarage der Congress Union kann zwar nicht gebührenfrei geparkt, aber immerhin kostenlos Strom getankt werden. Dieser Service gilt für Parkhauskunden im Kurzparkerbereich und ist über die Einfahrtskarte nutzbar, es ist nach wie vor nur die Parkzeit im Kurzparkertarif zu entrichten. Für Dauerparkkunden ist die Nutzung der Ladesäulen hingegen nicht möglich.

Schnellladesäulen der SVO

Auch die SVO betreibt fünf Schnelllladesäulen, die bis zu 22 Kilowatt pro Stunde liefern können, wodurch sich die Ladezeit erheblich verkürzt. In Celle sind sie an der Sprengerstraße 2, an der Kanzleistraße 4/Ecke Schloßplatz sowie an der Mühlenstraße 14 in der Nähe der City Fahrschule Krug zu finden. Außerdem jeweils eine in Wietzendorf und Suderburg.

Den Strom an den SVO-Ladesäulen gibt es kostenfrei rund um die Uhr an allen Tagen im Jahr, und es wird auch keine spezielle Ladekarte benötigt. Kostenloses Stromtanken und Parken für die Dauer des Ladevorgangs ist im Landkreis Celle außerdem bei der Touristinformation in Winsen täglich von 6 bis 22 Uhr möglich.

Eine Million Ladepunkte werden benötigt

Und wie sieht es mit der Anzahl der Ladesäulen aus, also der für die Verkehrswende so zwingend erforderlichen Infrastruktur? Derzeit gibt es etwa 12.600 in Deutschland. Ein Großteil der Ladestationen (85 Prozent) befindet sich allerdings im halböffentlichen oder privaten Bereich. Also in der Garage oder im Carport des Eigenheims, in Tiefgaragen von Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern oder auf unternehmenseigenen Parkplätzen. Auch Familie Bastian hat ihre private Stromtankstelle im Carport und zusätzlich noch eine Solaranlage bei sich auf dem Hausdach, die mehr Strom produziert, als sie verbraucht. „Wir produzieren unseren Strom selbst“, freut sich Michael Bastian.

Die Bundesregierung stellte im März 2017 eine Förderungssumme von 300 Millionen Euro zur Verfügung. Bei einem Preis von etwa 30.000 Euro pro Ladestation ließen sich davon bis zu 10.000 davon aufstellen. Um die Stromversorgung von einer Millionen Elektrofahrzeuge durch ein flächendeckendes E-Tankstellennetz gewährleisten zu können, seien aber mindestens 70.000 Normal- und 7000 Schnellladepunkte nötig, rechnete der Bundesverband Freier Tankstellen (bft) in einer aktualisierten Studie aus.

In der Region Aller-Leine-Tal geht es voran

In der Leader-Region Aller-Leine-Tal geht’s jedenfalls voran mit der Zahl von Ladestationen. „Leader“ nennt sich ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Im Rahmen dieser Förderung wurde das Vorhaben „allersäule“ vom Landesamt für regionale Entwicklung bewilligt. Es sieht bis Ende September 2019 die Installation von mindestens zwei Ladepunkten für E-Fahrzeuge in jeder der acht (Samt-)Gemeinden des Aller-Leine-Tals vor. In Winsen sind Ladestationen am Hallenbad sowie am Rathaus geplant. Die Region wird also immer attraktiver für „Elektromobilisten“.

Das bisweilen beklagte Lade-Chaos dürfte bald der Vergangenheit angehören. Auch kleine Betreiber einzelner Ladestationen bieten das Roaming in den Lade-Netzwerken – und oft zu gleichen Bedingungen für alle Angehörigen im ladenetz.de, intercharge- oder PlugSurfing-Verbund. Endgültig vereinheitlicht wird smartes Laden wohl 2019. Mit ISO 15118 soll dann ein internationaler Standard verabschiedet sein.

Ladestandard hat sich durchgesetzt

Und noch ein Problem hat sich dank der Ladesäulenverordnung nahezu erledigt: Seit dem Jahr 2017 müssen alle neuen Ladepunkte mit dem Combined Charging System (CCS) ausgestattet sein. Dieser Ladestandard hat sich sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten durchgesetzt. CCS ist ein internationaler Ladestandard für Elektrofahrzeuge und allgemein in der Lage, mit seinem standardisierten Steckersystem sowohl Gleichstrom- als auch Wechselstromladeverfahren zu realisieren.

Steuern sparen mit E-Autos

Für reine Elektrofahrzeuge sieht das Kraftfahrzeugsteuergesetz eine befristete Steuerbefreiung vor. Sie beträgt zehn Jahre bei einer Erstzulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2020. Nach Ablauf des steuerbefreiten Zeitraums unterliegen die Fahrzeuge einer gewichtsorientierten Besteuerung, die 50 Prozent der Steuer für Nutzfahrzeuge entspricht. Hybridfahrzeuge und Elektrofahrzeuge, die mit einem Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer ausgestattet sind (sogenannte Range-Extender-Fahrzeuge) gelten hingegen nicht als Elektrofahrzeuge im Sinne des Kraftfahrzeugsteuergesetzes und sind somit nicht steuerbegünstigt.

Von Kirsten Glatzer

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