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Hintergrund Fünf Sieger bei Celler IHK-Wettbewerb "Lokalhelden"
Mehr Hintergrund Fünf Sieger bei Celler IHK-Wettbewerb "Lokalhelden"
18:38 30.07.2014
Das sind die Celler - Lokalhelden (von links): - Steffen Dreger, Jens - Wolckenhaar, - Dörte Hirschfeld, Rainer Samleit, - Pia Ortmann und Tjark Klindworth. Quelle: Alex Sorokin
Celle

Was im Frühjahr als Aufruf zum Wettbewerb an alle potenziellen Existenzgründer herausging, hat sich knapp ein halbes Jahr später als überzeugenden Erfolg gezeigt: Rund 20 Geschäftsideen für den Bereich der Celler Innenstadt wurden eingereicht und von Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der unterstützenden Partner bewertet. „Nicht jede Idee war realisierungsreif, aber wir waren doch überrascht, wie ernstzunehmend und durchdacht auch bereits in der Anfangsphase die Entwürfe waren“, fasst Michael Wilkens zusammen.

Nachdem im ersten Abschnitt eine einfache Eingabe und Begründung einer Geschäftsidee zur Teilnahme genügten, wurden die Anforderungen im zweiten Schritt schon detaillierter – es galt, einen seriösen Businessplan aufzustellen – unter Berücksichtigung der örtlichen Lage, dem Ziel, das Bild und die Geschäftswelt der Celler Altstadt kreativ mitzugestalten und attraktiv zu bereichern. „Es gab viele Geschäftsideen, die sich dafür eignen würden. Entscheidend für die Auswahl der Jury war der Stand der Ausarbeitung und Planung sowie die Wahrscheinlichkeit, dass sich so ein angedachtes Unternehmen nicht nur realisieren, sondern auch Bestand haben könnte“, so Wilkens.

Kopf-an-Kopf-Rennenum den ersten Platz

Fünf Preisträger und Finalisten wurden schließlich, nach einer persönlichen Darstellung ihres Konzepts, ausgewählt. „Neben den beiden ersten Plätzen, die sich wirklich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert haben, haben wir drei dritte Plätze vergeben. Das war eigentlich so nicht vorgesehen, hat sich aber aus der ganzen Entwicklung ergeben, weil diese drei Geschäftsideen qualitativ und entwicklungsmäßig gleichwertig nebeneinander standen – mit doch deutlichem Abstand zu den nachfolgenden Wettbewerbern“, erläuterte der Celler IHK-Geschäftsstellenleiter.

„Das Wettbewerbspaket lief von Anfang an erfolgreich und hat sehr viel positives Feedback von vielen Seiten bekommen. Die Betreuung wird auf verschiedene Weise auch weiterhin laufen“, sagte Wilkens.

Magenbitter undalte Stühle

Dörte Hirschfeld ist die glückliche Siegerin des IHK-Wettbewerbs „Helden gesucht“. Wie eine Heldin fühlt sie sich nicht unbedingt, aber auf alle Fälle realisiert sie mit ihrer Geschäftsidee hundertprozentig „ihr Ding“. Wie schon in der offiziellen Begründung der Jury betont, passt ihre Geschäftsidee eben auch perfekt zu Celle, der historischen Altstadt und dem Gedanken, die Attraktivität der Innenstadt und seiner Geschäfte zu erhöhen. Ihr Plus außerdem: Sie hat schon einige Schritte in Richtung Realisierung getan. „Ich werde einen ganz besonderen Laden an der Bergstraße eröffnen. Dort wird es zum einen den ,Alten Provisor‘ wieder zu kaufen geben, darüber hinaus aber auch Nugatspezialitäten und Pfefferminzplätzchen – und natürlich auch meine aufbereiteten antiken Stühle.“

Das kleine Fachwerkhaus an der Bergstraße 12 hat sie bereits erworben und baut es derzeit um und aus. Den „Alten Provisor“ hat sie schon viele Jahre für den Besitzer der „Alten Ratsapotheke“ hergestellt – ein spezieller Magenbitter aus ausgesuchten Kräutern nach einem alten, geheimen Rezept der Apothekerfamilie Greve – bis die Apotheke geschlossen wurde. Ihr ehemaliger Arbeitgeber hat ihr die Lizenz für den stadtbekannten und beliebten Likör überlassen. Und dieser soll nun auch das Haupt-Standbein ihres Geschäfts werden.

Alte Dinge mit Geschichte haben Hirschfeld schon immer begeistert. Seit Jahren sammelt und restauriert sie alte Stühle und Sitzgelegenheiten, poliert sie auf, bezieht sie mit edlen Stoffen und verkauft die begehrten Einzelstücke auf speziellen Veranstaltungen, wie auserwählten Advents- und Weihnachtsmärkten oder Garten- und Einrichtungsausstellungen. Nun soll auch dieser Aspekt ihrer Kreativität einen festen, attraktiven Platz im geplanten Geschäft bekommen. „Wir arbeiten fest, um auch den repräsentativen Raum zu bekommen, den wir uns für unseren Laden vorstellen“. Unterstützt wird sie von ihrem Partner. „Es gibt noch einiges wegen der historischen Bausubstanz zu regeln – das Haus ist ja über 350 Jahre alt – das braucht eben seine Zeit. Aber wir hoffen trotzdem, dass wir noch im Herbst eröffnen können.“

Marchelle – ein Markt der Begegnung

„Der erste wäre noch schöner“, meint Rainer Samleit augenzwinkernd zu seinem 2. Platz im Wettbewerb. Aber er gönnt seiner Mitstreiterin den Erfolg – „sie stellt da wirklich etwas Tolles auf die Beine“. Vom Wettbewerb und der professionellen „Rundumbegleitung“ habe er sehr profitiert. „Es war mir wichtig, zu sehen, ob meine Idee und der dazu gehörende Businessplan auch unter der kritischen Bewertung von Fachleuten Bestand hat und auf einer soliden Grundlage besteht – und das hat die Auszeichnung mit dem zweiten Platz ja zusätzlich bestätigt.“

Der 51-jährige Marketingkaufmann hat einen langjährigen Freund und Arbeitskollegen mit ins Boot seines Geschäftsmodells geholt. Gemeinsam wollen sie die Idee „Marchelle“ – einen kleinen Markt und Marktplatz nun auch zeitnah realisieren. „Es soll ein Ort zum Einkaufen und sich Treffen entstehen“, erläutert Samleit, „das Warenangebot eher im Bereich Feinkost. Die Gestaltung ebenso ansprechend, dass man dort auch verweilen möchte.“

Die Geschäftsidee setzt auf Genuss und Entschleunigung. „Das passt auch zu Celle und seinen Bürgern“. Jetzt gilt es im nächsten Schritt zur Realisierung, eine passende Immobilie zu finden. Auch hier werden die Partner des Wettbewerbs den Finalisten unterstützen – vor allem die Immobilienfirmen sind da gefragt. Wenn alles gut geht, könnte „Marchelle“ noch in diesem Jahr eröffnet werden.

Senioren im Mittelpunkt des Interesses

Steffen Dreger ist mit seinem dritten Platz im Wettbewerb sehr zufrieden: „Ich hatte mir ein aufschlussreiches Feedback zu meiner Geschäftsidee und den Weg zur Realisierung gewünscht, und das habe ich bekommen.“ Sein Projekt hat etwas mit der Verknüpfung von Einzelhandel und Dienstleistung für Senioren zu tun – Genaueres möchte er, aus verständlichen Gründen, noch nicht verraten, denn zur tatsächlichen Umsetzung seines Plans sind noch ein paar Schritte notwendig – Zeit die ein Konkurrent nutzen könnte.

„Dem „Seniorenmarkt“ gehört die Zukunft – davon bin ich ganz grundsätzlich überzeugt. Der Wettbewerb hat mich animiert, mir ganz speziell für den Standort Celle Altstadt etwas auszudenken – so ist eine konkretere Geschäftsidee eigentlich erst entstanden. Dann habe ich daraus Schritt für Schritt ein richtiges Geschäftsmodell erarbeitet und war gespannt, wie die Profis aus den unterschiedlichen Bereichen das bewerten. Der Wettbewerb hat alle Seiten unter einen Hut gebracht. So konnte ich mir lange Wege und komplizierte Irrwege sparen.“

Der 34-jährige Industriekaufmann und Betriebswirt aus Wietze steht nicht gerade einen Schritt vor der Realisierung, „aber sie ist angedacht“. Zuvor möchte er aber noch weitere Infos sammeln, Beratungsgespräche in Anspruch nehmen und „noch an ein paar Schräubchen drehen“, um seine Geschäftsidee richtig perfekt zu machen und das Risiko soweit es geht zu minimieren.

„Die Begleitung während des Wettbewerbs war einwandfrei. Fragen wurden schnell und kompetent beantwortet, die Beratungsgespräche waren sehr hilfreich“, sagt Dreger.

Ein Café, in dem sich Jung und Alt wohlfühlen

„Für jeden soll etwas dabei sein“ fassen Pia Ortmann (22) und Tjark Klindworth (21) ihren Traum von einem ganz speziellen Café zusammen. Beide sind Bankangestellte und bleiben das wohl noch eine Weile. „Wir haben beide den gleichen Traum, uns mit einem ganz speziellen Café in Celle irgendwann einmal selbstständig zu machen. Aber das Ganze muss auch finanziell auf festen Beinen stehen, und davon sind wir doch noch etwas entfernt.“

Die beiden sind in Celle geboren und aufgewachsen. Mittlerweile wohnen sie auch mitten in der Altstadt – „da sieht man jeden Tag, wie schön und besonders gerade der Stadtkern ist – und das spornt uns mit unserer Geschäftsidee weiter an.“ Ein Ladenlokal hätten sie schon ins Auge gefasst, und der IHK Wettbewerb habe sie angestachelt, einer Realisierung entgegenzutreten und zumindest einmal die Chancen abzuchecken. Und die sind gar nicht so unrealistisch. „Wir haben ja noch Zeit und sind auch geduldig. Lieber arbeiten wir noch und feilen an unserem Konzept unseres Cafés, am speziellen Look, dem Speiseangebot, den Öffnungszeiten und was es sonst noch so geben soll. Wenn wir in die Umsetzung gehen, soll es perfekt werden“. Eine konkretere Beschreibung will das Paar nicht liefern – nur, dass eben alle Altersschichten sich dort wohlfühlen sollen – kein Café to go.

Fastfood – aber frisch, lecker und gesund

Die Geschäftsidee von Jens Wolkenhaar ist, wie er sagt „aus einer Freizeitlaune“ heraus entstanden. „Man hat schon mal gegrübelt, was es in Celle so gibt und was man eigentlich noch bräuchte. Der Wettbewerb hat die Sache kanalisiert.“ Das Projekt des 27-jährigen Fachkaufmanns für Marketing dreht sich um eine besondere Form von Fastfood-Lokal – schnell und unkompliziert, für Menschen, die nur eine beschränkt Zeit für Essen haben oder aufwenden wollen – die aber trotzdem Wert auf frische und gesunde Ernährung legen.

„Der Wettbewerb war für mich eine Herausforderung, wie man aus einer einfachen Idee heraus ein echtes Geschäftskonzept, mit Hand und Fuß von allen Seiten her, entwickeln und aufstellen kann. Ehrlich gesagt hab ich das Ganze nicht von Anfang an so ernst genommen, aber im Laufe der Zeit bekommt die Sache ein klares Gesicht und man wird ehrgeizig. Jetzt – auch mit dem unverhofften dritten Platz – reizt auch die Umsetzung des Plans … na mal sehen.“

Von Doris Hennies