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Hintergrund Jungunternehmer mit 66 Jahren
Mehr Hintergrund Jungunternehmer mit 66 Jahren
19:02 25.11.2010
Von Oliver Schreiber
Wolfgang Scholz (rechts) hat sich auf seine "alten Tage" noch einmal selbstständig gemacht. Sein Sohn Marcel unterstützt ihn dabei. Quelle: Oliver Schreiber
Wathlingen

Wolfgang Scholz lacht. „Es ist bestimmt nicht mein Ziel, ein zweiter Mark Zuckerberg zu werden. Aber natürlich sollte sich der Aufwand schon rentieren.“ Der seit zwei Jahren pensionierte Diplom-Ingenieur aus Wathlingen ist unter die Firmengründer gegangen und folgt damit einem allgemeinen Trend, der aus den USA nach Deutschland über den großen Teich herüber geschwappt ist: Immer mehr Rentner machen sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben selbstständig. Berufung statt Beruf.

Genau wie Zuckerberg, den seine Geschäftsidee „Facebook“ zum Milliardär machte, hat Scholz das Internet für sich als Firmen-Plattform entdeckt. Mit „MyTeach.de“ will der Wathlinger ein möglichst breites Kundenspektrum erreichen, um den durchaus diffizilen und oftmals auch diffusen Umgang mit dem Computer via Internet zu lehren.

Speziell im Visier hat er aber auch seine Altersgruppe. So ist letztlich auch seine Geschäftsidee entstanden. „Viele Gleichaltrige in meinem Freundeskreis haben sich im gesetzten Alter PCs zugelegt, sind im Umgang damit aber meist ungeübt. Und da sie wussten, dass ich mich mit der ganzen Materie auskenne, haben sie mich oft um Hilfe gebeten. Dabei ist dann die Idee entstanden, dass ich meine Hilfe auch gewerblich anbieten könnte“, erklärt Scholz.

Im Florida-Urlaub vor zwei Jahren mit seiner Ehefrau Rita, mit der er seit 46 Jahren glücklich verheiratet ist, reifte dann der Gedanke zum Entschluss. „Nach über 45 Jahren im Berufsleben fragt man sich schon, wie man sein Rentnerdasein sinnvoll nutzen kann. Nur Tennis zu spielen hat mir einfach nicht gereicht“, sagt Scholz.

An Langeweile leidet der im schlesischen Hirschberg geborene Scholz wirklich nicht. Der Hobbymaler, Amateurfilmer und Bonsai-Züchter ist Vorsitzender des Tennis-Clubs Wathlingen und auch in der Kommunalpolitik in beratender Tätigkeit aktiv. Nebenbei halten ihn auch seine beiden Enkelkinder Celine (12) und Laurine (6) auf Trab. Scholz hat drei Söhne – Stefan (46), Marcel (44) und Tobias (42). Marcel ist auch der Webmaster von „MyTeach.de“.

Scholz blickt als Diplom-Ingenieur auf ein bewegtes Berufsleben mit vielen unterschiedlichen Tätigkeiten zurück, unter anderem auch mit mehrjährigen Auslandsaufenthalten in Südkorea und Belgien. Zuletzt war er Hauptabteilungsleiter der Informatik und des Controllings beim Chemie-Unternehmen Solvay in Hannover.

Erfahrungen mit einem kleinen eigenen Betrieb hat Scholz auch schon. Von 1970 bis 1974 führte er zusammen mit seiner Ehefrau Rita in Wathlingen neben seiner Tätigkeit als Ingenieur bei Siemens ganz nebenbei ein kleines Lebensmittelgeschäft.

In sein jetziges Projekt haben er und sein Sohn Marcel bisher mehr als 1500 Stunden Arbeit investiert. „Ich bin selbst mal gespannt, was sich aus dieser Idee entwickeln wird. Großen Reichtum erwarte ich nicht“, sagt Scholz. Und lacht wieder. Auch bei Mark Zuckerberg fing alles mit einer Idee an.

Das ist „MyTeach.de“

Wolfgang Scholz‘ Internetfirma „MyTeach.de“ ist nach einer mehrmonatigen Testphase nun offiziell in Betrieb. Der Wathlinger bietet dort Computerkurse in verschiedenster Form an – vom Basiswissen bis hin zu komplexeren Themen. „Der Nutzer muss im Prinzip nur seinen Computer einschalten können. Ab da kann er über MyTeach alles Wissenswerte selber erlernen oder an Online-Schulungen teilnehmen. Das war auch die Grundidee der Firma“, erklärt Scholz.

Er hat rund 80 Videos zwischen vier und sieben Minuten Länge erstellt und vertont, in denen er einzelne Schritte anschaulich darstellt. Weitere Kurzfilme sind in Bearbeitung. Der User muss nicht in Anleitungen blättern, sondern wird parallel zum Gebrauch sowohl visuell als auch akustisch über MyTeach angewiesen. Er kann das Video anhalten, die Schritte ausführen und dann nach dem Prinzip „Learning by doing“ immer weiter fortfahren.

Scholz hat alles im Repertoire – beginnend mit zwei Windows-Grundkursen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bearbeitung von Fotos und Videos (noch in Vorbereitung) sowie die Nutzung des Internets sind weitere Schwerpunkte in seinem umfangreichen Angebot.

Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit, online über das Internet vom 66-Jährigen geschult zu werden. „Das ist ein zusätzliches Angebot zu den Kursen. Nach Vereinbarung können sich drei, vier Leute mit mir über das Internet und das Telefon zusammenschalten und an einer Schulung teilnehmen. Ich biete ihnen dann die Möglichkeit, sich auf meinen Rechner aufzuschalten und am eigenen Bildschirm die Schulung zu verfolgen, parallel dazu läuft die Erklärung über die Telefonkonferenz und es können jederzeit Fragen gestellt werden. Wenn der Wunsch besteht, könnte ich mich auch auf ihren Rechner schalten, um bei Problemen besser helfen zu können“, erläutert Scholz.

Zu seiner Zielgruppe gehören neben Anfängern und Fortgeschrittenen auch Firmen. „Dies hätte den Kosten- und auch Zeitvorteil, dass die Mitarbeiter beispielsweise nicht extern geschult werden müssen, sondern direkt an ihrem Arbeitsplatz“, so Scholz.