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Hintergrund Plattdütsche Gil in Celle: "Sprake nich unnergahn laten"
Mehr Hintergrund Plattdütsche Gil in Celle: "Sprake nich unnergahn laten"
17:34 26.10.2016
Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

Während in diesen Tagen die Plattdütsche Gill in Celle ihren 90. Geburtstag feiert und der Plattdüütsche Klönschnack vom Winser Heimatverein auf 20 Jahre zurückblickt, wird im Niedersächsischen Landtag in Hannover hohe Politik gemacht: Auch die Abgeordneten befassen sich mit der plattdeutschen Sprache: Die FDP-Fraktion möchte Niederdeutsch und Saterfriesisch durch die Verfassung schützen und fördern.

Wenn Ilse Hemme mit ihrem Enkel Landolph spricht, schnackt sie Platt mit ihm: „Mine Oma schnackt Platt und ick kann se verstoon“, sagt Landolph. Dabei schnackt Ilse Hemme schon immer Platt und ist seit acht Jahren Gillmester der Plattdütschen Gill, also Vorsitzende: „Zeitungsverleger Ernst Pfingsten, de sich jümmer as Onkel Ernst anschnacken laten het, is up de Idee kamen, inne Union enege Lüe tau hope tau raupen“, erinnert Hemme an die Gründung der Gill vor 90 Jahren. „Et wärn Schriftstellers, Schaulmesters, Dokters un Kop- un Handwerkslüe, de de plattdütsche Sprake nich unnergahn laten wollen – so word denne de Plattdütsche Gill Celle int Läben raupen.“

So wie der kleine Landolph seine Oma verstehen kann, gibt es noch viele junge Menschen, die zwar Plattdeutsch verstehen, aber kaum noch aktiv sprechen. Manche Großeltern sprechen mit ihren Enkeln Platt – aber eher aus nostalgischen Gründen.

Die niederdeutsche Sprache scheint also trotz aller Bemühungen langfristig vom Aussterben bedroht zu sein. Auch wenn in manchen Gemeinden Ortseingangsschilder in plattdeutscher Sprache aufgestellt werden. Auch wenn in Schulen Plattdeutsch-Lesewettbewerbe veranstaltet werden. Es fehlen Plattdeutsch-Muttersprachler, die mit den Kindern ungekünstelt Platt snacken können. Die Nachhaltigkeit bei den Kindern bleibt fraglich. Und Stadtführungen in Celle auf Plattdeutsch sind ebenfalls Fehlanzeige.

Der Hamburger Musiker Lars-Luis Linek, der für seine plattdeutschen Songs als Snutenhobel, also Mundharmonikaspieler, bekannt ist, durch Norddeutschland tourt und kürzlich beim Fest am Schloss auftrat, sieht Wellenbewegungen bei der Entwicklung der plattdeutschen Sprache: „Dat gifft ja immer so Wogen, dat geit mal op un dat geit mal dol. Totiets ward dat wedder leert in Scholen in Ostfriesland un in Ollenborger Land. Da frei i mick to. Dat geit mal op un dat geit mal dol. So richtig utstarben, glöv ick, ward dat nich.“

Und Lars-Luis Linek gibt Tipps, wie das Plattdeutsche gefördert werden könnte: „Snacken. Die Scholen sind ganz wichtig, mit de Scholmeesters in de Scholen, dat dat leert ward. Und de Senders, de hebbt ne grode Opgaf. Dat gifft ja nich bloos de groden öffentlich-rechtlichen Senders. Dat gifft och de lütten privaten Senders und de sind taun Del ja sehr aktiv.“

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen Heimatvereine. Zum Beispiel der Winser Heimatverein: „Miene Idee is ja, mit Kinner in Kinnergorden Lieder tau singen, lüttje Gedichte oder Reime intauüben: Dat mööcht Kinner geerne“, findet Annette Schulze, die seit fünf Jahren im Arbeitskreis Plattdütsch in Winsen mitmacht. „Ick hevv mick vornomen, over kort oder lang mook ick dat. Dann weckt man ock dat Interesse und dann kann man nöcher inne Schaulen ook wedder AGs moken.“

Von Lothar H. Bluhm