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Interview Alkohol in der Schwangerschaft: Experte zu Gast bei Celler FASD-Fachtag
Mehr Interview Alkohol in der Schwangerschaft: Experte zu Gast bei Celler FASD-Fachtag
17:37 25.05.2018
Von Dagny Siebke
Professor Hans-Ludwig Spohr (links) untersucht die Auswirkungen von Alkohol während der Schwangerschaft. Der Alltag mit alkoholgeschädigten Kindern wird geprägt von Wutausbrüchen, Problemen in der Schule und Entwicklungsverzögerungen. Quelle: Uwe Anspach
Celle Stadt

Hat sich noch nicht herumgesprochen, dass Alkohol in der Schwangerschaft schädlich ist?

Leider nicht bei denen, die es betrifft. Nämlich junge Frauen zwischen 16 und 18 Jahren, die gerne am Wochenende beim Komasaufen mitmachen. Für eine dauerhafte Schädigung reicht es aus, in der Frühschwangerschaft drei oder vier Mal betrunken zu sein. Da wissen die werdenden Mütter noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Die andere Gruppe der chronischen Alkoholikerinnen lässt sich nicht beeinflussen.

Jede Schwangere wird doch aber medizinisch betreut...

Viele Geburtshelfer sprechen die Frauen nicht direkt auf an, weil sie vielleicht Angst haben, dass die Patienten nicht wieder kommen. Auch später haben Kinderärzte oft nicht die Zeit, FASD zu diagnostizieren. Es ist nicht ganz einfach, FASD festzustellen, da rund Dreiviertel der Kinder nicht sehr typisch aussehen. Nur eine kleine Gruppe weist Minderwuchs, Mikrozephalie und Gesichtsveränderungen auf. Bei den sich nicht normal entwickelnden Kindern liegen die größten Probleme in der Bewältigung des Alltags.

Wie sieht ein typischer Fall aus?

Gibt es Auffälligkeiten, denken viele Kinderärzte, dass sich diese verwachsen. Wenn das Kind Wutanfälle bekommt, wird es zum Kinder- und Jugendpsychiater geschickt, der Ritalin gegen ADHS verschreibt. Vor der Einschulung wird das Kind zurückgestellt, weil es zu klein und untergewichtig ist. Beim Endokrinologen werden die Wachstumshormone bestimmt – die jedoch ganz normal sind. Der Kardiologe stellt oft einen leichten Herzfehler fest, der nicht behandlungspflichtig ist. Dabei sind auch eine wachsame Nachbarschaft, aufmerksame Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter des Jugendamtes gefragt, um die Symptome zusammenzählen und die Familien zum Kinderarzt oder SPZ zu bringen oder eventuell zu einem FASD-Zentrum nach Berlin oder Münster zu schicken.

Warum ist die Diagnose so wichtig?

Ohne Diagnose laufen die Kinder irgendwann aus dem Ruder. Wir schätzen, dass nur etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen eine Diagnose haben. Ohne Diagnose gibt es keine Therapie. Die Pflegeeltern stellen fest, dass sie nicht verkehrt erziehen; Jugendliche erfahren, dass sie keinen „miesen Charakter“ haben, sondern es an ihrer Krankheit liegt. Ansonsten gibt es keine Therapie für die vorgeburtliche Schädigung und Behinderung, die jedoch zu 100 Prozent vermeidbar ist. Man kann nur die Symptome behandeln. Pflegeeltern sind oft das Netz, das diese Kinder rund um die Uhr beschützt. An einer normalen Schule würden die FASD-Kinder auf Dauer untergehen, denn sie brauchen in der Regel eine Förderschule mit kleinen Klassen und besonderer pädagogischer Betreuung.

Wieso ist die Dunkelziffer so groß?

Die pränatale lebenslange Schädigung wurde erst 1976 beschrieben. Zudem interessiert sich die Gesellschaft nicht für die Auswirkungen von Alkohol in der Schwangerschaft. Oft sind die Betroffenen selbst Alkoholikerkinder und kommen aus ihrem Milieu nicht heraus. Es braucht mehr Aufklärung in der Schule schon vor der Pubertät. Die Kinder müssen wissen, wie gefährlich Alkohol in der Schwangerschaft ist, bevor sie miteinander ins Bett gehen.

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